Nachbarn sollen Einblicke in einen Teil des Saunabereichs des Merkel’schen Bads haben – bereits vor der Sanierung beschwerten sich Gäste. Jetzt reagiert das Bad auf Nachfrage.
Seit rund einer Woche hat das Merkel’sche Bad wieder geöffnet. Das beliebte Esslinger Jugendstilbad ist frisch saniert, die Badewassertechnik wurde erneuert, der Kassenbereich neu gestaltet und barrierefreier ist es auch geworden. Also alles gut? Noch nicht ganz, sagt Christina S., die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die 38-Jährige ist langjährige Saunagängerin im Bad und beklagt etwas, das laut ihr schon vor den zweijährigen Sanierungsarbeiten manchem Saunagast übel aufgefallen ist.
„In der zweiten Etage gibt es einen gläsernen Treppenaufgang, dort gegenüber ist ein Balkon. Von dem sieht man in den Whirlpool und auch in einen Teil des Liegebereichs“, erklärt S. „Teilweise stand dort eine Gruppe mit Zigaretten und hat gegafft – vorzugsweise montags, am Damentag“. Sie wolle aber natürlich niemanden beschuldigen, sich dort absichtlich zu treffen. Dennoch: Draußen war es abends dunkel, der Innenbereich des Bads hell erleuchtet. Der Blick vom Balkon sei perfekt, sagt die Esslingerin, wie auf einer Bühne. Sie und auch andere Gäste hätten sich schon oft vor Ort über das Problem beschwert. Ohne Erfolg.
Das Merkel’sche Bad in Esslingen reagiert
Bei der Neueröffnung des Merkel’schen Bads vor einer Woche fragte die Esslingerin noch einmal beim Personal nach: Gibt es mittlerweile einen Sichtschutz? Nein, war auch hier wieder die Antwort. „An dem bekannten Problem wird nichts geändert“, sagt S. Nachfrage beim Bad: Ist das Problem bekannt? Man bedanke sich für den „wertvollen Hinweis“ und nehme ihn „sehr ernst“, so ein Sprecher. „Wir prüfen die Situation im nun angelaufenen Betrieb und suchen nach einer geeigneten Lösung, um einen Sichtschutz anzubringen.“ Denkbar sei etwa eine Folierung der Glasfenster.
Beschwerden habe das Bad aktuell nicht erreicht. „Das führen wir auch darauf zurück, dass der einsehbare Bereich überwiegend zur Sauna-Gastronomie gehört.“ Auch aus den Monaten vor der Sanierung seien keine Beschwerden bekannt. Hinweise auf die Problematik liegen laut dem Sprecher länger zurück. „Damals brachte ein Sichtschutz mit Pflanzen Abhilfe, diese Lösung hatte sich jedoch in der kalten Jahreszeit nicht bewährt.“
Aus Sicht von Christina S. wäre ein Sichtschutz nicht aufwendig anzubringen. Aber gerade sei die Situation „einfach unangenehm, weil man immer das Gefühl hat, schauen zu müssen, ob jemand auf dem Balkon steht.“ In einem Entspannungsbereich ist diese Anspannung sicherlich nicht Sinne der Sache.