Kenntlich gemacht wird die „Freundliche Toilette“ durch ein spezielles Signet im Eingangsbereich der Einrichtung (Symbolfotos). Foto: Imago/Stadt Fellbach

Der Verein Stadtmarketing Fellbach hofft, dass weitere Lebensmittelhändler, Restaurant- oder Cafébesitzer ihre WCs der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Freundliche Toilette statt öffentlicher Toilette. Das ist derzeit die Devise in Fellbach. Die Ebbe in der Stadtkasse und der Zwang, aus dem Haushalt auch noch die letzten Tröpfchen an Einsparmöglichkeiten herauszupressen, bestimmen aktuell auch am Fuße des Kappelbergs die Debatten.

Vor wenigen Wochen hat deshalb der Gemeinderat, ganz im Sinne der Stadtverwaltung, eine bis zu 300 000 Euro teure, neue „Solitär-Toilette“ auf dem Gutenbergplatz mitten im Stadtteil Schmiden abgelehnt. „Die Haushaltssituation spielt uns nicht in die Karten“, gestand hernach Simone Lebherz von der Fraktion Die Stadtmacher, die den entsprechenden Antrag gestellt hatte.

Toilette am Bahnhof wird täglich 30-mal frequentiert

Lediglich zwei solcher solitären, selbstreinigenden Toilettenanlagen gibt es in Fellbach: Die eine direkt am Fellbacher Bahnhof wird rund 30-mal täglich aufgesucht. Weit weniger Andrang gibt’s bei der Toilette an der Stuttgarter Straße bei der ehemaligen Post – dort gehen die Türen in Richtung Toilettenschüssel und Waschbecken nur sechsmal täglich auf. Eine Kosten-Nutzen-Situation, die die Verantwortlichen in Fellbach nicht zufriedenstellt.

Ansonsten stehe in Fellbach etwa im Rathaus der Kernstadt und den Bürgerbüros der Stadtteile, in der Stadtbücherei, der Volkshochschule und auf Friedhöfen „ein umfangreiches Angebot an öffentlichen Toilettenanlagen, die von der Stadt betrieben werden, zur Verfügung“, so die Erklärung der Stadt.

Bestehendes öffentliches WC beim alten Postamt. Statt weiterer derartiger „Solitär-Toiletten“ setzt Fellbach verstärkt auf das Konzept Freundliche Toilette. Foto: Dirk Herrmann

Weil diese Zahl an Anlaufstationen für all jene, die müssen, wenn sie müssen, offenkundig aber noch nicht ausreicht, forciert Fellbach nun eine bereits bestehende Strategie. Diese trägt den Titel „Freundliche Toilette“ und umfasst ein Netzwerk, an dem sich derzeit noch 13 Einrichtungen wie Lebensmittelmärkte, Restaurants oder Cafés beteiligen. Kenntlich gemacht wird die Offerte durch ein spezielles Signet im Eingangsbereich der Einrichtung.

Die Zahl der Teilnehmer soll allerdings deutlich steigen, damit das Angebot der Freundlichen Toilette in Fellbach „zukünftig eine noch bessere Wahrnehmbarkeit und damit eine stärkere Wirkung erzielt“, so die schriftlichen Erläuterungen von Christiane Keuter vom Amt für Soziales und Teilhabe. Man könnte es auch so formulieren: Der öffentliche Lokus muss stärker in den öffentlichen Fokus rücken.

„Viele Menschen zögern noch, in einem Geschäft nach einer Toilette zu fragen“, ergänzt der Erste Bürgermeister Johannes Berner. „Mit einer klaren Kennzeichnung wollen wir diese Hemmschwelle abbauen und das Angebot sichtbar machen.“

Der für die Organisation der Freundlichen Toilette zuständige Verein Stadtmarketing Fellbach rührte deshalb dieser Tage in seiner Mitgliederversammlung kräftig die Werbetrommel. Angepeilt wird, dass noch mehr „engagierte Unternehmen gemeinsam ein Zeichen für Gastfreundschaft, Sauberkeit und ein lebenswertes Stadtbild setzen“, erläutern der Vorstandsvorsitzende des Vereins Stadtmarketing, Friedrich Benz, und sein Stellvertreter Julian Deifel. Es bestehe zwar bereits „ein dichtes Netz an frei zugänglichen, sauberen Sanitäreinrichtungen“, doch dies gelte es auszubauen.

Vergütung für Betriebe liegt bei 25 Euro monatlich

Teilnehmende Betriebe „profitieren von zusätzlicher Sichtbarkeit und leisten zugleich einen wertvollen Beitrag für ein sauberes, einladendes Stadtbild“. Und sie erhalten durch städtische Haushaltsmittel eine Vergütung – diese liegt bei monatlich 25 Euro, in der Summe im Jahr also 300 Euro.

Interessenten können sich bis zum 12. Dezember beim Stadtmarketing melden – damit es künftig in Fellbach keine Zweifel mehr gibt: „Menschen finden dort eine Toilette, wo sie sie brauchen.“