Diese Darstellung zeigt die Galaxie Cygnus A. Sie wurde mit der Infrarotkamera HAWC+ während eines Fluges über Südkalifornien untersucht. Foto: SOFIA/Lynette Cook - SOFIA/Lynette Cook

Das Infrarot-Observatorium sollte ab 15. September Station in Stuttgart machen. Jetzt ist die Landung auf Montag verschoben.

Leinfelden-EchterdingenDie Faszination des Weltalls bringt SOFIA, die fliegende Infrarotsternwarte, von 16. bis 20. September an den Stuttgarter Flughafen. Gegen 7 Uhr landet das fliegende Observatorium in Echterdingen. Von der Besucherterrasse aus ist die Maschine mit einem 17 Tonnen schweren Teleskop gut zu sehen. Außerdem gibt es im Flughafen eine Begleitausstellung. In einem mobilen Planetarium mit Fulldome-Aufnahmen erleben Zuschauer einen SOFIA-Mitflug aus nächster Nähe.

Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Begriff Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie. Mit ganz speziellen Instrumenten sieht SOFIA zum Beispiel ferninfrarotes Licht. Anlässlich einer Tagung der Astronomischen Gesellschaft in Stuttgart verlässt die Maschine ihre Basis in Palmdale, Kalifornien. Wissenschafts-Crews, die in der umgebauten Boeing 747-SP arbeiten, können so zum Beispiel die Entstehung junger Sterne und Planetensysteme untersuchen. Blicke in die Milchstraße ermöglicht das Observatorium ebenfalls. Wie lässt sich denn in der Infrarotsternwarte arbeiten? „Das Besondere an SOFIA ist, dass wir das Teleskop ohne die übliche Schüttelei beim Fliegen ganz ruhig halten können“, sagt Professor Alfred Krabbe. Der Astrophysiker leitet das Deutsche SOFIA-Institut (DSI) in Stuttgart. Das fliegende Observatorium ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart und der amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA). Deutsche und amerikanische Wissenschaftler erforschen da gemeinsam das Weltall. Auf diese internationale Kooperation der Stuttgarter Forscher mit ihren Kollegen aus den USA ist Wissenschaftsministerin Theresia Bauer stolz: „Das unterstricht die Bedeutung von Baden-Württemberg als einer der führenden Partner in Europa im Bereich der Luft- und Raumfahrtforschung.

Mit ihrem Besuch in Stuttgart verbindet SOFIA eine Premiere: Am Mittwoch, 18. September, hebt die fliegende Sternwarte kurz nach Sonnenuntergang gegen 19.40 Uhr vom Flughafen Stuttgart zu ihrem ersten wissenschaftlichen Beobachtungsflug über Europa ab. Während der rund zehn Stunden andauernden Mission führt die Crew mehrere astronomische Beobachtungen durch. Das derzeit US-amerikanische Instrument HAWC+, das zurzeit am Teleskop montiert ist, vermisst kosmische Magnetfelder im Ferninfrarotlicht. Was haben die Wissenschaftler da genau geplant? Sie wollen etwa die Umgebung des supermassiven schwarzen Lochs der Galaxie Markarian 231 im Sternbild Großer Bär untersuchen.

Von diesen wissenschaftlichen Arbeiten bekommen die Besucher wenig mit. „Wir möchten möglichst vielen Menschen die Faszination des Weltalls mit einem mobilen Planetarium nahe bringen“, sagt Bettina Künzler, Mitarbeiterin der Kommunikation an der Universität Stuttgart. Deshalb vermittelt eine Ausstellung auf der Terrassenebene im Terminal 3 des Flughafens mit Videos, Modellen und Infomaterial die Arbeit der fliegenden Sternwarte.

Während sich bei der Tagung die Wissenschaftler der Astronomischen Gesellschaft austauschen, will das Team des DSI auch Laien für die Astronomie begeistern. Junge wie erwachsene Besucher sollen sich wie Sternenforscher fühlen.

Auch die wissenschaftlichen Angebote will das SOFIA-Institut einem breiten Publikum erschließen. Deshalb gibt es im Rahmen der Astronomen-Fachtagung einen Vortrag, der für alle offen ist. Unter dem Titel „Blick ins versteckte Universum – Highlights der fliegenden Sternwarte SOFIA“ berichtet der Forscher Harold Yorke, Direktor von SOFIA Science Mission Operations, über einige wichtige wissenschaftliche Neuentdeckungen von SOFIA und ihre Bedeutung für das Verständnis des Kosmos. Darauf folgt eine kurze Präsentation der japanischen Astrophysikerin Yoko Okada von der Universität Köln über ihre Mitflug-Erlebnisse. Da hat sie Daten für die Untersuchung des interstellaren Mediums in der Milchstraße gesammelt, wertet diese aus. Moderiert wird die Veranstaltung von dem deutschen Physiker und ESA-Astronauten Professor Reinhold Ewald. Der Termin ist am Donnerstag, 19. September, ab 20 Uhr im Hospitalhof, Büchsenstraße 33, in Stuttgart.

Wenn dieser Vortrag in der Innenstadt stattfindet, ist die fliegende Sternwarte bereits wieder von ihrem Beobachtungsflug über Europa zurück. Sie landet am Donnerstag schon um 5.30 Uhr, hat dafür eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums von der Nachtflugbeschränkung bekommen. Wer die besondere Maschine dann noch kostenlos von der Besucherterrasse des Flughafens aus aus beobachten möchte, hat nur noch wenig Zeit. Am 20. September fliegt SOFIA wieder nach Kalifornien zurück.

Im mobilen Planetarium mit Fulldome-Aufnahmen erleben Zuschauer einen SOFIA-Mitflug hautnah. Der Eintritt ist frei. Spielzeiten sind am Montag, 16. September, um 10, 11.30, 16 und 18 Uhr; Dienstag, 17. September, um 10, 11.30, 16 und 18 Uhr; Mittwoch, 18. September, 10 und 11.30 Uhr; Donnerstag, 19. September: 11.30, 16 und 18 Uhr. Die Show dauert 45 bis 60 Minuten. Ort: Flughafen Stuttgart, zwischen Terminal 0 und 1.

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