Das Opfer (Victoria Trauttmansdorff, Mitte) zeigt Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) den Tatort. Foto: SWR/Benoit Linder

Das Freiburger Ermittlerteam sucht in „Rebland“ per DNA-Test nach einem Vergewaltiger. Anders als zuletzt „Ich hab’ im Traum geweinet“ bietet der sechste „Tatort“ aus dem Schwarzwald wohl kein Shitstorm-Potenzial.

Freiburg - Selten hat es beim „Tatort“ solch ein Wutgeheul gegeben wie beim vorigen Fall aus Freiburg, „Ich hab’ im Traum geweinet“. Der Film zeigte alle Figuren als schadhafte Typen und die Fasnet als Entfesselung der latenten Alltagsaggression. Die übliche Krimiatmosphäre ersetzte der Regisseur Jan Bonny durch etwas viel Beunruhigenderes, was viele Zuschauer als pure Zumutung empfanden.

Der neue Fall von Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner), „Rebland“, wird kaum so viel Unmut hervorrufen. Allerdings bleiben die Autorin Nicole Armbruster und die Regisseurin Barbara Kulcsar in der Schwarzwald-Tradition. Sie sind also weder am Täterknobeln noch an Action oder Mackerposen sonderlich interessiert, sondern an den Verletzungen in all den Leben rund um ein Verbrechen. Auf dem Heimweg von einem Weinfest ist eine Frau vergewaltigt worden. Die Polizei ruft zum freiwilligen DNA-Test auf, aber nicht alle Männer aus der Gegend machen mit. Drei der Verweigerer sind besonders verdächtig, darunter auch ein Polizist. Zum einen zeigt „Rebland“, wie der Verdachtsdruck sich auswirkt, Zum anderen geht es um den Frust der Cops darüber, dass sie nicht zwangstesten dürfen. Manche Szenen, in denen es um Datenschutz und Freiheitsrechte geht, schrammen sacht am Didaktischen entlang, aber die Darsteller halten alles noch lebendig. Und die Provokation sitzt: Freiwillig sind solche Tests nur, wenn von der Option der Verweigerung auch wirklich Gebrauch gemacht werden kann.

Ausstrahlung Sonntag, 27. September 2020, 20.15 Uhr

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