Der Angeklagte hat massive psychische Probleme. Foto: Daniel Karmann/dpa (Symbolbild)

Weil er seine Lebensgefährtin mit einem Pullover stranguliert hat, muss sich ein 27-Jähriger seit Freitag vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

Im vergangenen August hat der Mann, der unter einer schweren psychischen Krankheit leidet, seine Freundin in seiner Wohnung in Kirchheim getötet. Gegenüber einem Gutachter hat er die Tat bereits vor dem Beginn der Verhandlung am Stuttgarter Landgericht eingeräumt. Am ersten Verhandlungstag bestätigte der Angeklagte seine Aussagen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag vor. Das Gericht wird im Zuge des Verfahrens prüfen, ob der Angeklagte weiter in einer forensischen Psychiatrie bleiben muss.

Der ausführliche, von Richter Norbert Winkelmann verlesene Bericht eines psychiatrischen Gutachters gab Einblicke in die wirre Gedankenwelt des Angeklagten. So sei der Mann davon überzeugt gewesen, seine Freundin werde von den Illuminaten kontrolliert. Die Illuminaten kauften, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Geheimdienst CIA, Pädophile aus Gefängnissen frei. Die Getötete habe der Kontrolle der Illuminaten entkommen wollen. Dafür habe sie dem Geheimbund ein unter Drogen stehendes Opfer bringen müssen.

Kurz vor der Tat gelangte der Angeklagte wohl zu der Überzeugung, dass er von seiner Freundin als Opfer an die Illuminaten übergeben werden sollte. Auslöser dafür sei ein Illuminaten-Formular gewesen, dass der Angeklagte auf dem Handy seiner Freundin gefunden habe. „Er hat sich in seinen Befürchtungen bestätigt gesehen“, heißt es dazu in dem Gutachten des Psychiaters.

Angeklagter aus Kirchheim spricht über die Tat

„Mir sind die Sicherungen durchgebrannt“, gab der Angeklagte zu. Er habe die Wohnungstür verschlossen, einen schwarzen Pullover genommen und seine 30-jährige Freundin damit erdrosselt. „Ich habe den Pulli um ihren Hals gewickelt und zugezogen, bis sie sich nicht mehr bewegt hat“, berichtete der Mann nüchtern auf der Anklagebank. Kurz nach der Tat ließ er sich widerstandslos festnehmen.

Kennengelernt hatten sich der Mann und sein späteres Opfer während eines Klinikaufenthaltes wenige Monate zuvor in Kirchheim. Die getötete Frau litt ebenfalls unter einer psychischen Krankheit. Offenbar zogen sich die beiden gegenseitig in ihre wirren Welten hinein, in denen unter anderem Illuminati, der CIA, Linksextremisten, Arabern und Sadomasochisten unterschiedliche Rollen zukamen.

Kurz nach der Tat ließ er sich widerstandslos festnehmen. Foto: Marijan Murat/dpa

Ein Leben voller Unsicherheit und Drogen

Der Angeklagte wuchs nach eigenen Angaben unter schwierigen Bedingungen auf. Seinen leiblichen Vater kenne er nicht, berichtete er. Er sei zunächst bei seiner Mutter und dem Stiefvater aufgewachsen, später bei der Großmutter und dann bei einem Onkel. So unstetig wie die Familienverhältnisse waren, war auch das räumliche Umfeld. Geboren in Ulm lebte der Mann einige Jahre in Neuffen. Es folgten viele Umzüge, nach Österreich, später wieder in den Landkreis Esslingen zurück.

Die Berufsausbildung wurde abgebrochen. Immer wieder erfolgte die Aufnahme einer Arbeit, die aber nach kurzer Zeit wieder beendet wurde. Die Wohnorte wechselten weiter häufig, zwischendurch wurde das Berberdorf in Esslingen zu seinem Zuhause. Im Erwachsenenalter bestimmten zunehmend Klinikaufenthalte das Leben des Mannes.

Den Mann plagten seit Jahren schwere psychische Störungen mit wahnhaften Überzeugungen. Therapieversuche und medikamentöse Behandlungen führten zu keiner dauerhaften Besserung. Stattdessen bestimmten zahlreiche unterschiedliche Drogen das Leben des Mannes. Zeitweise habe er täglich Tilidin genommen, auch Amphetamine, Kokain, THC, MDMA, Pilze, Spice und Alkohol gehörten zu jenen Substanzen, die er sich zuführte. Für die ohnehin angeschlagene Psyche war der jahrelange, schwere Drogenkonsum eine Katastrophe. „Das hat seine Psyche regelrecht zerrissen“, zitierte der vorsitzende Richter Norbert Winkelmann dazu aus einem psychiatrischen Gutachten.