Gewerkschaftsmitglieder der IG BCE erhalten künftig einen zusätzlichen freien Tag – dieses Novum ist kein Modell für die Metall- und Elektroindustrie. Foto: dapd/Timur Emek

Der Tarifabschluss für die chemische Industrie gibt in Teilen einen Fingerzeig für die nächste Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Dies gilt aber nicht für die Vorteilsregelung für Gewerkschaftsmitglieder, meint Matthias Schiermeyer.

Von mehr betrieblichen Aktionen begleitet als gewohnt, letztlich aber wieder sehr sozialpartnerschaftlich haben Arbeitgeber und Gewerkschaft der chemischen Industrie ihren Tarifkonflikt beigelegt. Das Lohnplus von 6,85 Prozent über 20 Monate gibt auch der Metall- und Elektroindustrie die Richtung vor – viel mehr dürfte für die IG Metall nicht zu holen sein. Auch dass nach der wirtschaftlichen Lage der Betriebe unterschieden wird, liegt auf der Hand – wenngleich es schon viele Differenzierungsoptionen gibt.

Anders verhält es sich mit der von den Chemietarifpartnern vereinbarten Vorteilsregelung für Gewerkschaftsmitglieder. Ein zusätzlicher freier Tag ist ein sehr schmaler Bonus, doch der Einstieg ist gemacht. Dass die IG Metall diese an sich alte Idee ihrerseits jetzt realisieren will, ist unwahrscheinlich. Der jüngste Gewerkschaftstag hat es zwar für die Betriebsebene befürwortet – für die Fläche aber erst mal nicht. Und die Arbeitgeber wollen nach wie vor nicht die Steigbügelhalter für die IG Metall bei der Mitgliederentwicklung sein. Entscheidend ist daher für die Gewerkschaftsführung die Frage: Könnten wir ausgerechnet jetzt dafür streiken, dass eine Beschäftigungsgruppe besser gestellt wird? Dies wird bisher mit Nein beantwortet. Doch der Druck zur Nachahmung steigt.