Roberta Di Laura bringt Kindern spielerisch Ballett bei. Die italienische Tanzpädagogin öffnet ihnen die Tür zu internationalen Bühnen. Ihr Rezept: Lachen statt Drill.
Bei ihr steht der Spaß im Vordergrund. Mit einem fröhlichen Lächeln berichtet die Tänzerin und Ballettpädagogin Roberta Di Laura bei einem Treffen von ihrer Arbeit – und von anstehenden Projekten. Mit ihren Schülerinnen plant die Italienerin Auftritte nicht nur vor der Haustür auf den Fildern wie vor kurzem bei der CMT, sondern auch bei Kongressen und Festivals in Athen, Portugal und Rom. Jedem anderen würde beim Blick allein auf dieses Reisepensum ein Stoßseufzer entfahren. Doch Roberta Di Laura freut sich vor allem über die Chancen, die sich bieten.
„Mein Ziel ist es, Kinder das Magische am Tanz erleben zu lassen. Auf der Bühne bekommen sie einen besonderen Impuls“, sagt die Tanzlehrerin. Für den nächsten soll am 15. März eine Aufführung von „Raymonda“ in Bernhausen sorgen, den Ballettklassiker hat sie an das Können des Nachwuchses aus der Tanzschule Chiara Matt angepasst. Rund 40 Kinder werden auf der Bühne sein, jedes braucht ein Kostüm, ausreichend Probezeit. „So ein Auftritt ist eine große Mühe, aber er bereitet allen auch große Freude“, sagt Roberta Di Laura und fügt an: „Mit großer Leidenschaft ist alles möglich.“
2018 kam Roberta Di Laura nach Deutschland
Bereits seit 2012 ist die Italienerin, die als Prima Ballerina des „Titanic Live Concert“ 2018 nach Köln kam, als Ballettpädagogin tätig. Frankfurt am Main und Düsseldorf waren weitere Stationen in Deutschland, bevor es sie 2019 in den Süden verschlug. Seither lebt die Italienerin auf den Fildern und arbeitet an verschiedenen Schulen. Tanz und Ballett für Menschen ab drei Jahren, aber auch Yoga- und Pilatesstunden hat die Bewegungsexpertin im Angebot.
Mit einem Mix aus spielerischen und tänzerischen Elementen führt Roberta Di Laura die Jüngsten an das klassische Ballett heran, wie sie erklärt. Vierfüßlergang, Hampelmann, Seitwärtsrollen: Ein Video auf ihrem Instagram-Kanal zeigt eine Gruppe rosagekleideter Ballettmäuse, die lachend der Lehrerin hinterhertollt. „Kinder lernen und erinnern sich leichter, wenn sie Übungen spielerisch erlernen“, sagt Roberta Di Laura. „Ich versuche immer, eine sehr bunte Welt aufzubauen. Kinderlieder sind zum Beispiel ein toller Schlüssel, weil sie über den Text Bewegung und Musik verbinden können“, sagt die Pädagogin, die bei allem klare Ziele anstrebt.
2013 wurde die heute 33-Jährige Mitglied des „Conseil International de la Danse“ (CID) in Paris, einem internationalen Tanzrat und Unesco-Partner. Wichtiger als das Diplom, das sie ihren Zöglingen ausstellen darf, ist sicherlich ihre ansteckende Begeisterung, die sie bereits im Gespräch versprüht. Bei ihren Diplom-Prüfungen, berichtet sie, dürfe man sein Können in Technik, Ausdruck und Musikalität beweisen. „Ich stelle dafür eine Jury mit ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen zusammen; Julia Krämer war zum Beispiel auch schon dabei“, sagt Roberta Di Laura und weiß: „Für Kinder ist es toll und motivierend, für eine Ex-Solistin des Stuttgarter Balletts zu tanzen.“
Ihr Motto: Keine Konkurrenz, keine schlechte Stimmung
Feedback von anderen zu bekommen, sei für junge Künstler überhaupt sehr wichtig, betont die Pädagogin. Auch aus diesem Grund organisiert sie für ihre Tanzlehrlinge internationale Auftritte wie den beim 64. Welttanzkongress in Athen oder beim Festival Nortada Dance in Portugal, zu denen sie Teilnehmer aus verschiedenen Schulen mitnimmt. Keine Konkurrenz, keine schlechte Stimmung sei das Motto. „Ich finde es gut, wenn die Kinder sehen können, was Gleichaltrige machen. Bei diesen Reisen geht es nicht nur um Tanz, sondern auch um Kulturaustausch, um Begegnung und ein Miteinander. Ja, das macht Arbeit und kostet – aber es lohnt sich“, ist Roberta Di Laura überzeugt und freut sich über die Unterstützung von Schulen, Eltern und Sponsoren.
Fühlt sich willkommen in der Wahlheimat
Sie selbst ist es gewohnt, zwischen den Kulturen zu tanzen. Wie sie wählen viele Tanzschaffende aus Italien den Weg nach Deutschland. „Es gibt dort nicht so viele Kompanien und Förderung, für Tänzer ist es einfacher, in Deutschland Arbeit zu finden“, sagt Roberta Di Laura. Die Italienerin, als Einzelkind in Tarent in Apulien aufgewachsen, vermisst ihre Familie sehr. Doch von Beginn an habe sie in Deutschland viel Unterstützung erfahren. „Ich konnte unterrichten und parallel Deutsch lernen, immer habe ich mich hier sehr willkommen gefühlt“, sagt die Tänzerin über ihre Wahlheimat.
Eine Festanstellung bei einer Kompanie hat die ausgebildete Tänzerin nie angestrebt. „Mein Wunsch war immer auch zu unterrichten, das lässt sich mit einem Engagement schwer verwirklichen“, sagt sie. Als Tänzerin tritt sie freiberuflich als Gast auf; ihr Profil umfasst ein klassisches Repertoire, aber auch eigene Choreografien im neoklassischen Stil. „Ich versuche, eine Balance zu finden. Wichtig ist mir, meine Emotionen über den Tanz zu zeigen und Bewegung als kreatives Mittel der Freiheit einzusetzen.“
Von Süditalien auf die Fildern
Termin
„Raymonda“ ist am 15. März um 13 und um 16 Uhr im Gemeindesaal der Katolischen Kirche St. Stephanus in Bernhausen zu sehen.
Person
Roberta Di Laura wurde 1992 in Tarent geboren und schloss ihre Tanzausbildung in Mantua ab. Sie tanzte als Protagonistin mit dem Tanzlabor des Roxy in Ulm und war mit dem Ballett „Nussknacker“ auf Deutschlandtournee. Seit 2019 lebt und unterrichtet sie auf den Fildern. Als Gasttänzerin hat sie ein klassisches Profil, zeigt aber auch eigene moderne Choreografien.