Schnupperfahrt im Kajak auf sicherem Gewässer Foto: Simon Granville

Seit 75 Jahren gibt es den Kanu-Club in Marbach. Beim Tag der offenen Tür feierte der Verein Jubiläum und stellte sich auf und neben dem Neckar vor.

Von den Folgen des Hochwassers ist auf dem Gelände des Marbacher Kanu-Clubs kaum noch etwas zu sehen. Pünktlich zum Tag der offenen Tür und der Feier zum 75-Jährigen Bestehen des Vereins am Samstag sind Schlamm und Dreck verschwunden. „Unsere Mitglieder haben wirklich ganze Arbeit geleistet“, sagt Gernot Brück, zweiter Vorsitzender. Noch während des Hochwassers hätten die Mitglieder mit Neoprenanzügen im Wasser gestanden und hätten die Fluten in Bewegung gehalten um den Schlamm wieder zurück in den Neckar zu befördern.

„Man kann sich kaum vorstellen, wie hoch das Wasser noch vor Kurzem im Bootshaus stand. Die Leute haben gekehrt ohne Ende.“ Zwar seien die sichtbaren Spuren beseitigt, wie es um die Bausubstanz des Hauses stehe, werde noch geprüft. „Man merkt, wie nass die Wände sind und dass die Bausubstanz extrem in Mitleidenschaft gezogen wurde.“ Der Verein habe deshalb ein Spendenkonto eingerichtet, um die Reparaturkosten decken zu können.

Dankbar für vielseitige Unterstützung

Dankbar sei Brück auch für die Hilfe des Zweckverbands Gruppenklärwerk Häldenmühle, der dem Kanu-Club starke Pumpen zur Verfügung gestellt habe. Auch der Bauhof habe nach Auftrag von Bürgermeister Jan Trost acht Tonnen Split auf das Gelände gefahren, der dann von den Mitgliedern auf dem schlammigen Boden verteilt wurde. „Heute ist der erste Tag, an dem bei uns allen so langsam die Augenringe verschwinden“, beschreibt Martin Schneider die Situation. Er moderiert den Tag der offenen Tür und hat auch die Aufräumarbeiten koordiniert. „Wir haben von den Aufräumarbeiten direkt zum Aufbau des Festes gewechselt. Das war ein fließender Übergang“, berichtet Schneider.

Zur Belohnung strahlt die Sonne am Samstagmittag über das Gelände und den Neckar, der nun wieder befahrbar ist. „Wir haben uns entschlossen, die Neckar-Olympiade stattfinden zu lassen“, erklärt Schneider. Nur das Rennen auf den Stand up Paddleboards (SUPs) und das Pappbootbauen wurden abgesagt. „Die Gefahr, dass Menschen im Wasser landen, ist einfach zu groß.“ Zur Zeit wisse man nicht genau, wie hoch die Schadstoffbelastung im Neckar durch das Hochwasser sei.

Schnupperfahrten und Tricks im Kajak

Aufs Wasser ging es trotzdem. Bei einer Schnupperfahrt im Kanadier oder im sicheren Gewässer des kleinen Pools in einem Kajak. Die zehnjährige Lina zeigt dort Tricks wie die Eskimorolle oder den sogenannten Felix. Vor etwa zwei Jahren habe sie mit den Sport angefangen. „Im Winter haben wir die Eskimorolle im Hallenbad geübt“, berichtet sie. Auch im Neckar habe Lina letzten Winter die Methode probiert, das Kajak nach dem Kentern wieder aufzurichten. „Das war allerdings richtig kalt.“

Auch auf dem Neckar zeigen die Kanuten was sie können. „Aron ist einer unserer besten Wildwasserkajakfahrer“, verkündet Schneider über das Mikrofon an die Besucher. „Er beherrscht das nur zwei Meter lange Spielboot wie kein zweiter.“ Aron Hertfelder ist Jugendwart im Verein und zeigt auf dem Neckar rasante Wendungen, Loops und weitere Tricks. „Die Kerze mit der Spitze nach oben erfordert viel Gleichgewichtssinn. So könnte er treiben bis nach Pleidelsheim“ scherzt der Moderator.

Aktivster Kanuklub in Baden-Württemberg

Seit 1948 treffen sich die Kanubegeisterten regelmäßig am Neckar in Marbach. In den letzten Jahren habe es einen deutlichen Zuwachs bei der Jugend gegeben. „Da waren wir ein klarer Coronagewinner“, sagt Pressewart Heiko Kusiek. „Wir konnten in den Kajaks mit Abstand unseren Sport weiter betreiben, so gab es einen Zuwachs an Jugendlichen und Kindern.“ Das Equipment wird den Sportlern vom Verein gestellt. Es wird zwar keinen Leistungssport angeboten, dennoch ist der Freizeitverein sehr aktiv. „Seit 20 Jahren sind wir der aktivste Kanuclub in Baden-Württemberg“, sagt Kusiek. Das bemesse sich an den gefahrenen Kilometern der Mitglieder. „Häufig verabredet man sich spontan zu einem Ausflug an den Bodensee oder in andere Gewässer der Gegend.“