„OK, ihr Faulpelze, raus aus den Federn!“ Aiuch im ukrainischen Lviv wird der Murmeltiertag gefeirt. Foto: ago/Eastnews

Kennen Sie die urkomisch-nachdenkliche Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“? Es spielt in dem US-Örtchen Punxsutawney, wo der Murmeltiertag besonders gefeiert wird. Doch woher stammt dieser Brauch? Eine kulturgeschichtliche Spurensuche.

Säugetiere, die wie Murmeltiere graben oder zumindest teilweise unter der Erde leben, sind besonders gut an widriges und stark schwankendes Klima angepasst. Damit weichen sie nicht nur von der Norm ab, sondern reagieren sogar entgegengesetzt zu nicht-grabenden Säugetierarten. Gleichsam kam es in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere gerade in Zeiten großer klimatischer Umbrüche zu einer markanten Zunahme von grabenden Gruppen.

Die 50 Zentimeter langen Vertreter der Gattung der Echten Erdhörnchen sindauch in den Alpen weit verbreitet. Foto: Imago/YAY Images

„OK, ihr Faulpelze, raus aus den Federn!“

Soweit die Evolutionsgeschichte der bis zu 50 Zentimeter langen Vertreter der Gattung der Echten Erdhörnchen. In der Filmgeschichte haben die putzigen Nager natürlich auch ihren festen Platz.

Unvergesslich die Szene, als der dauer-missmutige TV-Wettermann Phil Connors (Bill Murray) im kuscheligen Bett liegt. Der Radiowecker springt von 5.59 Uhr auf 6 Uhr, und zwei Moderatoren im Radio rufen übertrieben fröhlich: „OK, ihr Faulpelze, raus aus den Federn!“

Phil Connors steckt in einer Zeitschleife – und erlebt denselben Tag immer und immer wieder: den „Groundhog Day“ („Und täglich grüßt das Murmeltier“). Mit dieser Szene, mit dieser Filmkomödie aus dem Jahr 1993 wurde der US-Schauspieler so richtig bekannt.

Szene aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Am Groundhog Day findet sich Phil (Bill Murray) als Gefangener in einer Zeitschleife wieder. So muss er den von ihm so gehassten Tag des Murmeltiers immer wieder in den skurrilsten Variationen erleben, bis aus dem unangenehmen Zeitgenossen ein liebenswerter Mensch geworden ist. Foto: Imago/United Archives

Die Gottesmutter und das Murmeltier

Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, woher kulturgeschichtlich der Brauch des Murmeltiertages kommt? Um diese frage zu beantworten, muss man an einer ganz anderen Stelle der Kulturgeschichte suchen – nämlich bei der Gottesmutter Maria.

Quer über den Globus und verschlungen durch die Zeiten zieht sich eine seltsame Verbindung zwischen Maria, die dem Kindbett im Stall entsteigt und dem biblischen Kindermord von Bethlehem entkommt, über einen nordamerikanischen Nager aus der Familie der Hörnchen bis zum Hollywood-Kassenschlager der 1990er Jahre.

Darbringung im Tempel (Meister der Pollinger Tafeln, 1444) Foto: Meister der Pollinger Tafeln - The Yorck Project (2002)/gemeinfrei

Mit der „Darstellung im Tempel“ erfüllten Maria und Josef die jüdischen Gesetzesvorschriften aus dem biblischen Buch Leviticus (Neues Testament: Lukasevangelium, 2,22–40; Altes Testament Leviticus, 12,2–4). Für 40 Tage nach der Geburt eines Jungen galt die Frau demnach als unrein.

Daher hieß das Fest früher auch „Mariä Reinigung“. Als Reinigungsopfer hatte sie einem Priester ein Schaf und eine Taube zu übergeben. Weniger Wohlhabende brachten zwei Turteltauben dar.

Jesu Vorstellung im Tempel

Der erstgeborene Sohn wurde damals, in Erinnerung an Israels Auszug aus der Sklaverei Ägyptens (Altes Testament: Exodus, Kapitel 1–15) als Gottes Eigentum angesehen. Seine Präsentation im Tempel nahm für Maria theologisch bereits die Rückgabe ihres Sohnes an Gott im Kreuzestod Jesu vorweg. Diese christliche Heilsperspektive wurde später mit einer Licht- und Kerzensymbolik verbunden. Daher wird der Tag auch als Mariä Lichtmess gefeiert.

Auch landwirtschaftlich war der 40. Tag nach Weihnachten eine Wegmarke: Der 2. Februar, früher das Ende der weihnachtlichen Festzeit, war zugleich der Auftakt zum neuen Ackerjahr. Mit der spürbar zunehmenden Tageslänge an Mariä Lichtmess sind allerlei Bauernweisheiten verbunden.

Murmeltiere gehören ultimativ zu dem süßesten, was die Nagerwelt aufzubieten hat. Foto: Imago/NurPhoto

So hieß es etwa: „Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz noch nicht so schnell.“ Aus Westfalen ist aus dem Jahr 1859 überliefert: „Wenn der Dachs zu Maria Lichtmeßen, mittags zwischen 11 und 12 Uhr seinen Schatten sieht, so muß er noch vier Wochen in seinem Baue bleiben.“

„Pfeifschwein“ statt Dachs

Die vielen deutschsprachigen Einwanderer im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo es keine Dachse gibt, brauchten als Protagonisten dieser Bauernregel einen ähnlichen Winterschläfer. Und sie erkoren dafür das tagaktive Waldmurmeltier (auf Englisch: Groundhog oder Whistle Pig, „Pfeifschwein“, genannt).

Groundhog Day in Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania.  Foto: Imago/Anadolu Agency

Das Fest Mariä Lichtmess wurde so in den USA zum „Groundhog Day“ oder, wie der Tag in dem auf kurpfälzischen Dialekten basierenden Pennsylvania Dutch heißt: „Grundsau-Daag“. Daran, ob die „Grundsau“ ihren Schatten sehen kann, entscheidet sich (vermeintlich) die Länge des Winters.

Am weitesten treibt diesen volksfesthaften Kult in den USA und Kanada der 6000-Einwohner-Ort Punxsutawney rund 130 Kilometer von Pittsburgh, Spielort des Filmklassikers „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von 1993.