Die Fastenrede von DFB-Schiedsrichter-Chef Knut Kircher war das Highlight der überraschend schwach besuchten Böblinger Benefizveranstaltung.
Anpfiff zur Fastenzeit: Knut Kircher, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter und seit 2024 Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, hielt die Fastenrede beim diesjährigen 44. Aschermittwoch-Fischsuppenessen in der Kongresshalle.
Passend zum Fastenredner bot das Programm einen weiteren Leckerbissen für Fußball-Fans: Der Ball-Artist und Social-Media-Star Camill Hauser präsentierte live auf der Bühne seine spektakulären Freestyler-Tricks. Als er Oberbürgermeister Stefan Belz auf die Bühne holte, gab es auch für ihn Applaus, als er auf der Bühne Liegestützen machte und dabei den Ball im Nacken balancierte. Außerdem spielte die Feuerwehr-Musikkappepelle Dagersheim, und der Kabarettist Philipp Weber zeigte einen Auszug aus seinem Programm.
Der Auftritt des Chefs der Elite-Schiedsrichter in Deutschland war jedoch zweifellos der Höhepunkt dieser Böblinger Traditionsveranstaltung. Kircher, der seinen Wohnsitz mittlerweile in Dachtel hat, sprach über das Thema „Erfolg ist eine Frage der Entscheidung“ und schöpfte dabei aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen und Anekdoten aus seiner Zeit als Bundesligaschiedsrichter.
Insgesamt 244 Fußballpartien hatte Kircher auf höchstem Niveau gepfiffen. Zwischen 250 und 270 Entscheidungen treffe ein Schiedsrichter in 90 Spielminuten . „Da läuft der Großrechner da oben heiß“, erklärte Kircher. Bei den Tausenden von Entscheidungen, die er als Unparteiischer treffen musste, habe er gelernt, wie man mit dem richtigen Mix aus Durchsetzungsvermögen und Empathie auf dem Spielfeld auch die emotional aufgeladensten Spieler in den Griff bekommt. Darunter waren auch durchaus einschüchternde Persönlichkeiten wie Stefan Effenberg oder Oliver Kahn.
Knut Kircher: „In jedem Schwaben schlummert ein Vulkan.“
Kircher, ein Schwabe durch und durch, setzte in seiner Rede auf Humor und Selbstironie. Nachdem er zuvor Tugenden wie Ruhe, Klarheit und Souveränität als Eigenschaften eines guten Schiedsrichters hervorgehoben hatte, spielte er einen Videoclip, in dem er dabei zu sehen war, wie er scheinbar all diese Tugenden nicht erfüllte. Es war ein Relegationsspiel zwischen 1860 München und Holstein Kiel, bei dem er einen Spieler die Faust auf die Brust drückte.
Nachdem er die Bilder kurz wirken ließ, klärte Kircher darüber auf, warum er so gehandelt hatte und den „Vulkan, der in jedem Schwaben schlummert“, hatte ausbrechen lassen. Die Alternative wäre nämlich die Gelbe Karte für den Spieler gewesen und Kircher hätte damit womöglich den Abstieg der Mannschaft besiegelt. Die Lehre aus dieser Situation heißt laut Kircher deshalb: „Lerne, Kompromisse zu finden.“
Bemerkenswerter Besucherrückgang
Am Ende seines Vortrags gab es begeisterten Beifall. Moderator Wolfgang Seljé befand sogar, es sei die bisher beste Fastenrede gewesen, die er beim Fischsuppenessen erlebt habe.
Ob es insgesamt das beste Fischsuppenessen überhaupt war, ist dagegen eher fraglich. Die Veranstaltung war bemerkenswert schwach besucht: Inklusive aller Mitwirkenden saßen nur rund 600 Gäste im Saal – zu den Hochzeiten dieser Traditionsveranstaltung waren es doppelt so viele.
Dennoch kam wieder ein stattlicher Spendenbetrag von knapp 3700 Euro für Menschen mit Multiple Sklerose oder mit anderen Beeinträchtigungen zusammen.