SWR1-Moderator Max Oehl im Stuttgarter Funkhaus Foto: privat

Radiomoderator Max Oehl stammt aus dem Aidlinger Teilort im Heckengäu. Sein Werdegang führte ihn über Hamburg, Berlin und Baden-Baden zu SWR1 in Stuttgart. Dabei wäre er fast im US-Senat gelandet.

Millionen Menschen kennen seine Stimme, auf der Straße erkennen würde ihn aber wohl kaum jemand. „Das ist ja das Wunderbare am Radio“, sagt Max Oehl. Der SWR1-Moderator sieht sich selbst nicht als „Promi“ und fühlt sich ganz wohl damit, dass er nahezu überall ungestört herumlaufen kann. Außer vielleicht in Deufringen. Dort ist er nämlich aufgewachsen.

„Schnecken“ werden die Bewohner des Aidlinger Teilorts genannt – der Neckname geht auf Zeiten zurück, als an den Hängen des Heckengäudorfs noch Wein angebaut wurde. Zu Max Oehl will der Schneckenvergleich aber nicht so recht passen: „Ich hatte immer schon Bock, Gas zu geben“, sagt der 42-Jährige, wenn er an seine Radio-Anfänge denkt. Die gehen zurück auf seine Freundschaft mit Dominik Schollmayer. Der gebürtige Sindelfinger hatte schon als Teenager bei Radio Böblingen mitgewirkt und dann bei bigFM in Stuttgart gearbeitet.

In den USA beinahe einen Praktikumsplatz bei Mike Pence ergattert

„Wir suchen immer Promoter“, habe Schollmayer damals im Jahr 2005 zu ihm gesagt. Der damals 23-jährige Max Oehl hatte zwei Jahre zuvor sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim abgebrochen und sich unter anderem für Amerikanistik an der Uni Tübingen eingeschrieben. Weil er schon zu Schulzeiten auf dem Sindelfinger Goldberg-Gymnasium und später am Böblinger Lise-Meitner-Gymnasium nicht auf den Mund gefallen war, fand er schnell in die Rolle als PR-Mann.

Zwischendurch verbrachte er einige Zeit in den USA, wo er als Schüler und Student schon zuvor mehrfach an Studienaustauschprogrammen teilgenommen hatte. An der Valparaiso University im US-Bundesstaat Indiana bekam er die Chance, sich für ein Praktikum beim damaligen republikanischen Abgeordneten im US-Senat zu bewerben – einem gewissen Mike Pence. „Ich hatte es bis in die letzte Bewerberrunde geschafft“, berichtet Max Oehl mit einem breiten Grinsen. Heute sei er froh, dass es nicht geklappt hat.

Zurück in Deutschland arbeitete er weiter bei bigFM. Als 2007 die Weihnachtsfeiertage anstanden, sprang er als Moderator ein. Offenbar machte der den Job so gut, dass man ihn dauerhaft ans Mikro ließ. „Nebenher habe ich weiterhin das Promo-Ding gemacht, bei Ikea an der Kasse gearbeitet und studiert. Ich hab’s mir richtig gebeben“, sagt er.

Nach drei Jahren bei bigFM bewarb er sich bei Radio Energy in Hamburg.„Drei Monate lang habe ich da den Nachmittag gemacht, dann haben Sie mir die Morning-Show gegeben.“ Für ihn hieß das jeden Morgen um viertel nach drei aufstehen, um ab 5 Uhr live zu senden. „Mit den besten und neuesten Hits! Wow, hier ist der Cash Call!“, verfällt er für einen Augenblick in eine hyperaktive Radiostimme. „Ja, man hat schon mehrfach seine Seele verkauft“, sagt er mit leisem Lächeln.

Max (rechts) mit seinem großen Bruder Moritz beim Kinderfasching im Schloss Deufringen. Foto: privat

Nebenher machte er bei dem Sender ein Volontariat, stemmte seinen Bachelorabschluss an der Uni Tübingen und versuchte dazu noch seine Fernbeziehung im Ländle am Leben zu halten. Letzteres klappte zwar nicht, dafür war er mit allem anderen recht erfolgreich – bis man ihm bei Energy nach „vier harten aber geilen Jahren“ den Stecker zog. Die Hörerzahlen hatten stagniert. „Privatradio ist eben viel Ellenbogen“, sagt er.

Noch am Tag seiner Kündigung bewarb Max Oehl sich für eine Stelle bei 104,6 Berlin, dem größten Privatsender in der Region. Dort und bei dem dazugehörigen SpreeRadio und dem Jugendsender JamFM Berlin arbeitete er sechs Jahre lang, stieg zum Redaktionsleiter auf – und machte damit seinen Papa stolz, der ihn ebenso wie sein älterer Bruder Moritz (Unternehmenssprecher bei der Stuttgart Netze GmbH), immer dazu ermuntert hätten, mit Studium und Berufskarriere konsequent seinen Weg zu gehen.

„Einer meiner besten Freunde ist Kemal Goga“, erzählt Max Oehl, wie es schließlich dazu kam, dass er dem Rat des SWR3-Moderators folgte und bei dem Baden-Badener Sender anheuerte – zunächst als Reporter, später dann als Moderator. Er zog nach Karlsruhe, von wo er zum Funkhaus pendelte, um die Verkehrsnachrichten einzusprechen oder mit dem Elchbus, einer mobilen Sendestation, durchs Sendegebiet zu fahren und das zu tun, was er am liebsten macht: Mit Menschen ins Gespräch kommen und ganz schnell einen Draht zu ihnen finden.

Während er in Baden-Baden arbeitete und in Karlsruhe wohnte, lernte er in Stuttgart die Frau und Mutter seiner beiden Kinder kennen. Auch beruflich drehte sich bei SWR3 für ihn vieles um das Thema Liebe - und zwar in Form des ebenso witzigen wie einfühlsamen Beziehungs-Podcast „Doktorspiele“, für den er mit SWR3-Kollegin Sabrina Kemmer 140 Folgen aufnahm.

Die Mutter schickt SMS-Grüße ins Studio

Was seine Mutter dazu sagt? „Die ist der größte Fan“, sagt er lachend. Überhaupt sei die Mama schon immer riesig stolz auf ihren Sohnemann und würde ihm bis heute ein „Kuckuck“ aufs Handy simsen, wenn sie ihn im Radio höre – woraufhin er stets ein „Kuckuck“ zurückschicke.

Seit 2022 lebt und arbeitet Max Oehl in Stuttgart. Bei SWR 1 moderiert er mehrmals im Monat am Nachmittag, liest Verkehrsnachrichten oder arbeitet in der Online-Redaktion. Zuletzt plauderte er bei der SWR1 Hitparade mit einem Hörer aus Dachtel über seine Deufringer Wurzeln.

Bäckermeister Martin Jauss war sein Trainer beim FSV Deufringen

In seinem Heimatdorf war er schon lange nicht mehr. Aber er denke bis heute gerne an „die glückliche und behütete Kindheit“, die er dort erlebt habe: An die Erzieherinnen vom Diakonissenmutterhaus im Kindergarten, an die Jungschar, an Kinderfasching im Schlosskeller und an das Fußballtraining beim FSV Deufringen. Sein Trainer damals war Helmut Jauss. Die Brezeln des Deufringer Bäckermeister sind für ihn noch heute der Hit. „Die vermisse ich total“, sagt er. Wird wohl mal wieder Zeit für einen Besuch.