Ein Plug-In-Hybrid von BMW an der Ladesäule. Foto: dpa/Jan Woitas

Jetzt rächt sich, dass die EU-Kommission nicht technologieoffen ist, sondern Elektroantriebe privilegiert, kommentiert Markus Grabitz.

Brüssel - Die Debatte um Plug-In-Hybride ist ideologisch aufgeladen. Es geht um die Ökobilanz jener Autos, die sowohl mit einem Verbrenner und mit einem E-Motor ausgestattet sind und derzeit mehr als die Hälfte aller Zulassungen mit alternativen Antrieben ausmachen.

Saubermann oder Mogelpackung? Die Gretchenfrage ist nur individuell zu beantworten: Wenn der Fahrer tatsächlich die Extra-Batterie mit grünem Strom lädt und als Pendler jeden Tag 50 Kilometer zur Arbeit im E-Betrieb unterwegs ist, fährt da ein Mister Saubermann.

Wenn das Auto dagegen selten extern geladen wird, weil Tanken bequemer ist, handelt es sich um einen Fake-Hybrid. Mit horrenden Steuergeldern und massiven Privilegien wird eine Technologie belohnt, die Umweltbewusstsein nur vorgibt.

Noch ist nichts entschieden

Die Digitalisierung macht es möglich, dass demnächst zwischen Saubermann und Mogelpackung unterschieden werden kann. Die Daten zu den tatsächlichen Verbräuchen und zum Ladeverhalten müssen ab 2021 mit geeichten Geräten im Auto erfasst und gespeichert werden und sind dann beim nächsten Tüv-Besuch auslesbar. Noch ist nichts entschieden.

Doch auf Dauer geht es wohl nicht anders, als dass Lademuffelei Konsequenzen haben muss. Gerade für die deutschen Hersteller steht viel auf dem Spiel. Sie haben Verkaufserfolge mit hochmotorisierten SUVs im hochpreisigen Segment, mit denen sie gut verdienen und die mit buchstäblich fantastischen Werten in ihre eigenen CO2-Bilanzen eingehen. Sollte ihnen die Regulierung auch diese Nische kaputt machen, wird das empfindliche Folgen haben.

Schwächen der Regulierung

Der Fall Plug-In-Hybrid entlarvt die Schwächen der CO2-Regulierung durch die EU. Mit ihrem E-Antrieb-Anteil gehen die Plug-In-Hybride mit null Gramm in die CO2-Statistik ein. Dabei wird unterschlagen, ob das Auto auch im E-Betrieb unterwegs ist und der Strom tatsächlich aus Erneuerbaren stammt. Vom CO2-Ausstoß für die Herstellung der E-Aggregate ganz zu schweigen.

Es wird höchste Zeit, dass die EU bei ihrer Regulierung den ganzen Lebenszyklus eines Autos in den Blick nimmt, wie dies China bereits tut. Dabei würde nämlich herauskommen, dass der modernste Diesel auf langen Strecken und mit dem richtigen Kraftstoff betankt ganz schön grün unterwegs ist.