Der von 1909 bis 1912 errichtete Littmann-Bau – Spielstätte von Oper und Ballett – muss saniert werden. Stuttgarts OB Frank Nopper will seitens der Stadt dafür jetzt die Weichen stellen. Foto: Staatstheater Stuttgart/Matthias Baus

Wiedervorlage eines Uralthemas: Stuttgarts neuer Oberbürgermeister Frank Nopper findet, dass rund um das Thema Opernsanierung alles Notwendige „geschwätzt“ ist. Jetzt müsse entschieden werden.

Stuttgart - Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) macht Tempo bei der Opernsanierung, die durch die Coronakrise zuletzt in den Hintergrund gerückt war. „Wir sollten das Thema nicht wie einen Kaugummi ins Unendliche ziehen. Ich habe den Eindruck, dass das Thema Oper ausdiskutiert ist. Es ist im Wesentlichen alles geschwätzt, was geschwätzt werden muss“, sagte Nopper im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das Jahr 2021 muss das Jahr der Entscheidung werden“, betonte er. Den ausstehenden Grundsatzbeschluss wolle er nach Möglichkeit noch vor der Sommerpause im Gemeinderat herbeiführen. Die Nachfrage, ob diese Entscheidung auf der Basis des vorliegenden Konzeptes – also mit einem geplanten Interimsbau bei den Wagenhallen – fallen soll, bejahte Nopper ausdrücklich. Zuletzt hatte sich ein vom Land initiiertes Bürgerforum dafür ausgesprochen das bereits 2018 als Ausweichquartier für Oper und Ballett gehandelte Paketpostamt nochmals in den Blick zu nehmen. Auch Kunstministerrin Theresia Bauer (Grüne), unter deren Leitung der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am Mittwoch erstmals im Beisein Noppers getagt hatte, sagte im Anschluss an die Sitzung, bis zum Sommer wollten Land, Stadt und Verwaltungsrat gemeinsam Grundsatzentscheidungen über den Fortgang des Projekts treffen.

Die Stadt hat schon 200 Millionen Euro zurückgelegt

Zur Erinnerung: Im November 2019 hatten Stadt und Land als Träger der Staatstheater erstmals eine Kostenkalkulation für das Vorhaben präsentiert. Das Landesamt für Vermögen und Bau bezifferte die die Kosten für die Modernisierung des Littmann-Baus einschließlich des Neubau eines Kulissengebäudes auf zwischen 740 Millionen und 960 Millionen Euro. Darin sollen auch etwaige Baupreissteigerungen während der auf sieben Jahre geschätzten Bauzeit enthalten sein. Diese Kosten wären von Stadt und Land jeweils zur Hälfte zu tragen. Die Stadt hat dafür bereits knapp 200 Millionen Euro zurückgelegt. Hinzu kämen 104 Millionen Euro für den Bau einer Ersatzspielstätte.

Für die Interimszeit sollen neben dem Provisorium in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wagenhallen auch zwei fünfgeschossige Trakte für Verwaltung und technische Einrichtungen von Oper und Ballett gebaut werden. Diese will die Stadt auf eigene Kosten (84 Millionen Euro) im Vorgriff auf das geplante Rosensteinquartier auf dem C-1-Areal des Bahnprojekts Stuttgart 21 errichten. Die Gebäude könnten später in ein für die Kreativbranche gedachtes Quartier, die so genannte Maker City, umgewidmet werden. Die Experten hatten auch hochgerechnet, wie sich Verzögerungen auf die Kosten auswirken würden: 30 Millionen Euro pro Verzugsjahr – als Baubeginn war damals die Spielzeit 2024/2025 anvisiert worden. Ob dieser Termin noch zu halten ist, darauf wollten sich weder Nopper noch Bauer festlegen.

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