Es war einiges geboten in den Notaufnahmen der Stuttgarter Kliniken an Heiligabend und den Weihnachtstagen. Jeweils bis zu 300 Patienten seien an den drei Tagen gekommen. Ärzte berichten, welche Beschwerden gehäuft aufgetreten sind.
Eine ältere Dame hat sich an Heiligabend zu den Wartenden in die Notaufnahme des Klinikums Stuttgart gesetzt. Sie hatte keine körperlichen Beschwerden, sie plagte ein besonderes Problem: „Sie war wohl einfach nur einsam und wollte nicht alleine zu Hause bleiben“, sagt Johannes Wagner, Leitender Oberarzt in der Interdisziplinären Notaufnahme des Klinikums (Ina). Es war ja auch einiges geboten in den Notaufnahmen der Stuttgarter Kliniken an Heiligabend und an den Weihnachtstagen. Jeweils bis zu 300 Patienten seien an den drei Tagen in die Krankenhäuser gekommen, heißt es.
Im Klinikum Stuttgart berichtet man von etwa 25 Prozent weniger Patienten als an normalen Werktagen. „Bis abends sind es meistens Patienten im Alter von gut 50 Jahren, die mit Beschwerden bei uns vorstellig werden“, sagt Wagner. Besonders häufig sind Magen-Darm-Beschwerden – meist, weil die Betroffenen an den Feiertagen zu viel und zu kalorienreich essen. „Da kann es passieren, dass Gallensteine die Gallenwege verstopfen und es zu einer Gallenkolik kommt.“ Vor allem am zweiten Feiertag häufte sich die Zahl derer, die sich wegen krampfartiger Bauchschmerzen an die Ina-Ärzte des Klinikums gewandt haben.
Verschluckt an einem Stück Roulade
Das Weihnachtsessen hat aber auch zu mutmaßlich kuriosen Problemen geführt, wie der Oberarzt Peter Frech von der Klinik für Notfallmedizin aus dem Marienhospital berichtet: „Es gab einige Patienten, die sich verschluckt haben – etwa an einem Lorbeerblatt oder einem Stück Roulade – und die daraufhin medizinische Hilfe benötigt haben.“ Auch hier hatte das Team der Notfallmedizin viel zu tun, insbesondere am frühen Heiligabend.
Gleich vier Patienten, die einen Schlaganfall erlitten hatten, mussten kurz hintereinander im Katheterlabor versorgt werden, um das Blutgerinnsel aus einer der Arterien zu entfernen. „Solche Fälle binden sehr viel Personal, was angesichts der Feiertagsbesetzung immer eine große Herausforderung für das diensthabende Team ist“, so der Facharzt für Notfallmedizin.
Enttäuschung bei den Patienten, wenn sie in der Klinik bleiben müssen
Dass der Heiligabend auf dem OP-Tisch endet, mussten auch im Diakonie-Klinikum einige Patienten erfahren. „Es hat einige Stürze an Weihnachten gegeben, bei denen sich die Patienten Oberschenkel oder die Hüfte gebrochen hatten“, sagt Adel El Harti, Oberarzt in der Zentralen Notaufnahme. „Da sind die Betroffenen schon sehr getroffen, wenn sie dann von uns zu hören bekommen, dass sie Weihnachten nun leider nicht im Kreis der Familie, sondern bei uns in der Klinik verbringen müssen.“
Insgesamt seien die Feiertage aber einigermaßen ruhig gewesen: El Harti spricht von etwas mehr als 150 Patienten, die die Notaufnahme aufgesucht hatten. Ruhig und freundlich hätten sie sich verhalten. „Man hat schon gemerkt, dass die weihnachtliche Stimmung auf die Menschen übergegangen ist“, sagt El Harti. Das kann sein Kollege Wagner vom Klinikum Stuttgart bestätigen. Der Sicherheitsdienst habe zu keiner Zeit eingreifen müssen, auch nicht in den späten Abendstunden. Da sinkt der Altersdurchschnitt der Patienten auf etwa 30 Jahre.
Kein übergriffiges Verhalten von Patienten auf Ärzte
„Es gab durchaus die Folgen von Schlägereien und Streitereien zu versorgen“, sagt Wagner. Aber dafür kein übergriffiges Verhalten gegenüber Ärztinnen, Ärzten und Pflegepersonal. „Lediglich ein Patient hat sich beschwert, dass er nicht das volle fachärztliche Programm für seine gesundheitlichen Probleme geboten bekommen hat, das er eigentlich erwartet hatte“, sagt Wagner. Der Mann habe offenbar angenommen, dass die Notaufnahmen der Kliniken an Weihnachten leer sind.
Dass sich an Feiertagen mit Familienfesten Infekte besonders schnell verbreiten können, zeigte sich im Robert Bosch Krankenhaus (RBK): Dort gab es bei den rund 300 Patienten über Weihnachten die ersten Ausläufer der Grippewelle zu versorgen, berichtet Markus Günther, Oberarzt der Abteilung für Klinische Akut- und Notfallmedizin des RBKs: „Wir haben ja seit Wochen ein sehr hohes Aufkommen an Atemwegserkrankungen.“ Das werde sich so schnell nicht ändern. Auch Patienten mit Magen-Darm-Infekten haben sich vielfach versorgen lassen.
Um die einsame Dame hat man sich in der Notaufnahme ebenfalls gekümmert – sofern es die Versorgung der akuten Fälle zuließ. „Wir haben ihr Plätzchen angeboten und das ein oder andere Wort mit ihr gewechselt“, sagt Wagner. Irgendwann sei sie aber wieder gegangen.
Wann geht es in die Notaufnahme?
Notfall
Notaufnahmen versorgen akute Notfälle, die einer Krankenhausbehandlung bedürfen – also, wenn ein plötzliches Ereignis mit Gefahr für Leben und Gesundheit eingetreten ist. Krankmeldungen oder planbare Untersuchungen kann die Notaufnahme nicht leisten. Es erfolgt eine Ersteinschätzung: Patienten werden nach Dringlichkeit aufgerufen, nicht nach Wartezeit. Es kann daher zu langen Wartezeiten kommen.
Notfallpraxis
Ambulante Notfälle versorgen der Hausarzt oder – wenn es die Menschen in Stuttgart betrifft – die Notfallpraxis am Marienhospital. Diese ist montags bis freitags von 19 bis 24 Uhr geöffnet, an Wochenenden und Feiertagen von 7 bis 24 Uhr. Weitere Infos und Hilfen gibt es telefonisch unter der Rufnummer 116 117, oder im Netz: www.116117.de