Kevin Dicklhuber lebt Leidenschaft und Emotionen vor. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Kämpfer, Könner, Kapitän – Kevin Dicklhuber ist die zentrale Figur im Spiel des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers und hat gegenüber der vergangenen Saison noch einmal eine Schippe draufgelegt. Das hat seine Gründe.

Es ist ja nicht so, dass Kevin Dicklhuber in der vergangenen Saison nicht erfolgreich gewesen wäre. Im Gegenteil: Mit 20 Saisontreffern holte er sich die interne Torjägerkrone. Doch in der abgelaufenen Hinrunde hat der vielseitig verwendbare Offensivspieler des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Schon jetzt hat er 15 Mal getroffen, auffallend oft waren entscheidende oder zumindest richtungsweisende Treffer in Spitzenspielen wie in Göppingen und in Großaspach dabei.

Nur einmal, am dritten Spieltag beim FSV 08 Bietigheim (1:0), fehlte er wegen einer Schulterverletzung. Ansonsten führte Dicklhuber die Mannschaft auf dem Spielfeld an. Als Kämpfer, Könner – und Kapitän. Genau dieses Amt scheint ihm noch einmal einen Schub gegeben zu haben. „Ich habe auch ohne Binde immer alles gegeben, aber ich bin in der neuen Rolle schon auch gewachsen“, räumt er ein.

Auf dem Spielfeld ein Freigeist

Ganz bewusst hat ihn Trainer Mustafa Ünal vor der Runde zum Nachfolger des bisherigen Spielführers Mijo Tunjic bestimmt. „Ich wollte ihm noch mehr Verantwortung geben, der Plan ist voll aufgegangen, denn er gibt sein letztes Hemd für die Mannschaft, setzt sich jederzeit für seine Mitspieler ein“, sagt Ünal.

Wobei Dicklhuber, auf dem Spielfeld ein Freigeist, stets sein Herz auf der Zunge trägt, oft auch den Finger in die Wunde legt. Nach dem 1:1 am vierten Spieltag gegen die TSG Backnang wählte er drastische Worte: Er werde jedem Einzelnen in den Hintern treten, der nicht voll mitzieht. So jemanden wolle er hier nicht mehr sehen. „Es bringt doch nichts, immer nur zu streicheln“, sagt Dicklhuber und bekommt vom Trainer Unterstützung: „Wir wollen kritisch sein, Schönrederei bringt doch nichts.“

Volle Konzentration auf den Fußball

Die Kapitänsrolle ist das eine, was Dicklhuber beflügelt, die volle Konzentration auf den Fußball das andere. Seit Ende August ruht sein Arbeitsvertrag bei der Uhinger Firma EWS, wo der gelernte Gerüstbauer an einer CNC-Fräsmaschine jeden Werktag fünf bis sechs Stunden arbeitete. „Ich musste von Montag bis Freitag um fünf Uhr aufstehen, jetzt kann ich mich ganz anders vorbereiten, besser regenerieren und ausgeruhter in die Spiele gehen“, sagt Dicklhuber, „zudem bleibt auch mehr Zeit für die eigene Familie.“

Zu der gehören Ehefrau Romina und der zehn Monate alte Sohn Noel. Sie sind in Ottenbach im Kreis Göppingen sesshaft geworden. Von 2016 bis 2021 hat Dicklhuber für den Oberligisten 1. Göppinger SV gespielt, wobei daran seine heutige Frau entscheidenden Anteil hatte. Als Dicklhuber mit dem FC 07 Albstadt mal beim Göppinger Vorortverein 1. FC Heiningen spielte, schaute sie zu, schrieb ihn später via Facebook an, daraus entwickelte sich eine Liebesgeschichte.

Von 2012 bis 2014 schon mal bei den Blauen

„Ich wollte keine Fernbeziehung, also zog ich in die Region Göppingen und schloss mich auf Vermittlung meines Ex-Kickers-Mitspielers Oli Stierle dem GSV an“, erklärt Dicklhuber. Dass er 2021 nach seiner Zeit von 2012 bis 2014 noch einmal zu den Blauen zurückkehren wird, war nicht zwingend zu erwarten.

„Aber es war der richtige Schritt, ich wollte es noch einmal unter professionellen Bedingungen wissen“, sagt der gebürtige Albstadter.

Im März 2023 wird er 34 Jahre alt, sein Vertrag läuft bis 2024, so lange ruht auch sein Arbeitskontrakt bei EWS. „Dickl ist voll im Saft, er lebt Leidenschaft vor, ist auch ein Vorbild für unsere Jugendspieler im NLZ“, lobt Ünal seinen Kapitän. Dass der Trainer seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängert, das hofft und glaubt Dicklhuber gleichermaßen.

„Der Coach weiß wie er mit uns umzugehen hat, er weiß, was er an uns hat. Ich glaube schon, dass er bei uns bleibt. Alles andere wäre doch unlogisch.“ Sein Wunsch: Gemeinsam mit dem Coach, nicht nur in der Rückrunde, sondern möglichst auch in der Regionalliga, noch einmal eine weitere Schippe draufpacken.

Restprogramm 2022

Oberliga
Kickers – FC Holzhausen (19. November, 14 Uhr), FC Nöttingen – Kickers (26. November, 14.30 Uhr), Kickers – FSV 08 Bietigheim-Bissingen (3. Dezember, 14 Uhr). Der schärfste Verfolger SG Sonnenhof Großaspach spielt noch gegen den FC Nöttingen (18. November, 19 Uhr/Heim), beim FSV 08 Bietigheim-Bissingen (26. November, 14 Uhr) und gegen die TSG Backnang (2. Dezember, 19 Uhr/Heim).