David Braig hält den WFV-Pokal in den Händen – durch den Finalsieg gegen Ulm lösten die Kickers das DFB-Pokal-Ticket. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Oberligist Stuttgarter Kickers fiebert dem DFB-Pokal-Auftritt gegen Bundesliga-Absteiger SpVgg Greuther Fürth entgegen, freut sich, überregional mal wieder Interesse zu wecken, und will versuchen, durch eine Überraschung richtig viel Geld in die Kasse zu bekommen.

Der letzte Auftritt im DFB-Pokal liegt sieben Jahre zurück: Gegen den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg verloren die Stuttgarter Kickers 2015 vor 9760 Zuschauern im Gazi-Stadion in der ersten Runde mit 1:4. Im Jahr zuvor war man mit dem gleichen Resultat Borussia Dortmund unterlegen – vor 37 000 Zuschauern im Ausweichquartier Mercedes-Benz-Arena. Ein solch großer Name gastiert beim Comeback der Blauen im nationalen Cup-Wettbewerb an diesem Samstag (18 Uhr/Gazi-Stadion) nicht auf der Waldau. Dennoch ist die Vorfreude auf das Duell mit Bundesliga-Absteiger SpVgg Greuther Fürth riesig. „Es ist für unseren Verein einfach eine tolle Sache, wieder einmal überregional präsent zu sein und im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen“, sagt der Geschäftsführer Matthias Becher.

Das Spiel wird live im Pay-TV-Sender Sky übertragen und spült den Kickers rund 160 000 Euro allein an Fernsehgeldern in die Kasse. Hinzu kommen bei den erwarteten 6000 bis 7000 Zuschauern Ticketeinnahmen von etwa 35 000 Euro (am Mittwoch waren 4500 Karten verkauft). Ein richtig warmer Regen wären die mit einem Sprung in die zweite Runde verbundenen Fernsehgelder von knapp 420 000 Euro.

Zweite Runde nicht eingeplant

Dieses finanzielle Zubrot würde bei einem Etat von 1,3 Millionen Euro neue Möglichkeiten eröffnen, als „Befreiungsschlag“ möchte es Becher aber nicht bezeichnen: „Wir müssen uns nicht befreien, weil wir unseren Etat für diese Saison sauber finanziert haben und die zweite Runde nicht eingeplant haben. Wir sind also nicht darauf angewiesen, aber eine sinnvolle Verwendung hätten wir allemal.“ Zum Beispiel für eine neue Kategorie an Stürmer, der noch bis zum Ende der Transferperiode am 31. August verpflichtet werden könnte.

Allerdings sind solche Rechenspielchen nichts mehr als reines Wunschdenken. Denn über die Favoritenrolle muss nicht diskutiert werden. Anders als im Oberliga-Alltag gehen die Kickers gegen das Zweitligateam des neuen Schweizer Trainers Marc Schneider als krasser Außenseiter ins Spiel. Dass die Blauen aber an einer solchen Ausnahmesituation durchaus Gefallen finden, zeigten sie im nach Elfmeterschießen erfolgreichen WFV-Pokal-Finale am 21. Mai gegen Regionalligist SSV Ulm 1846, als sie kämpferisch über ihre Grenzen gingen.

Ünal mit großem Respekt

„Fürth mit seiner spielerischen Qualität und individuellen Klasse ist jetzt aber noch einmal eine ganz andere Hausnummer“, relativiert Kickers-Coach Mustafa Ünal diese Parallele. „Für eine Überraschung muss schon alles passen, wir brauchen Spielglück und einen absoluten Sahnetag, der Gegner einen ganz miesen.“ Der Coach spürt im Training, dass für seine Spieler ein Fußball-Feiertag ansteht: „Das Kribbeln ist da, jeder ist heiß, jeder will spielen.“ Aber elf kann er aus seinem breiten und ausgeglichen besetzten Kader nur aufstellen. „Ich bin froh, dass wir diese personellen Möglichkeiten haben“, betont der 38-Jährige, der lediglich um den Einsatz von Ivo Colic bangen muss. Den Mittelfeldmann plagt eine Verhärtung im Oberschenkel, ansonsten sind alle Mann an Bord.

Die Kickers wollen ihren überregionalen Auftritt genießen und den Schwung in die Liga mitnehmen. „Bei allem Pokal-Ehrgeiz, unser klares Nummer-eins-Ziel ist die Meisterschaft und der Aufstieg in die Regionalliga“, stellt Geschäftsführer Becher klar. In der Oberliga heißt der Auftaktgegner am 6. August dann auswärts FC Holzhausen. Auf dem Dorfsportplatz des Aufsteigers werden keine Sky-Kameras stehen und die Kickers wieder in ihrer gewohnten Favoritenrolle unterwegs sein.

Geldregen

Prämien
 Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitteilte, wird in dieser Saison im DFB-Pokal ein neuer Rekordbetrag an die Teams ausgezahlt werden. Jeder Erstrunden-Teilnehmer erhält 209 247 Euro aus den TV-Einnahmen und Erlösen durch die sechs Exklusivpartnerschaften für die Saison 2022/2023.

Ausnahme
Die Stuttgarter Kickers erhalten rund 50 000 Euro Fernsehgeld weniger, da diese Summe vereinbarungsgemäß der Württembergische Fußball-Verband (WFV) einbehält und an die ab dem WFV-Pokal-Viertelfinale 2021/22 teilnehmenden Vereine verteilt. Dies ist nicht in allen Landesverbänden einheitlich geregelt.

Weitere K.-o.-Runden
Für die Teilnahme an der zweiten Runde (18./19. Oktober) erhalten die Vereine 418 494 Euro, im Achtelfinale 836 988 Euro, im Viertelfinale rund 1,7 Millionen und im Halbfinale 3,3 Millionen Euro. Der Pokalsieger kann mit 4,32 Millionen Euro rechnen, der Finalverlierer erhält 2,88 Millionen. (red)