David Braig bejubelt eines seiner acht Saisontore – der Ex-Ulmer hat sich im Sturmzentrum der Stuttgarter Kickers einen Stammplatz erarbeitet. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Wucht und Dominanz sind zurück im Spiel der Stuttgarter Kickers, was zu Kantersiegen und zum Ausbau der Oberliga-Tabellenführung führte. Wir nennen die Gründe für den Aufwärtstrend.

Mit vier deutlichen Siegen hintereinander haben sich die Stuttgarter Kickers vor dem Heimspiel an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen an der Tabellenspitze der Fußball-Oberliga festgesetzt. Es sind erst elf von 34 Spieltagen absolviert und der Aufstieg bleibt auch weiterhin alles andere als ein Selbstläufer, aber es gibt Gründe, warum die Chancen für den Sprung nach oben diesmal so gut stehen wie noch nie.

Konkurrenz Ohne den anderen Oberligateams zu nahe zu treten: Aber eine zweite Übermannschaft ist in dieser Saison nicht zu erwarten. Regionalliga-Absteiger SG Sonnenhof Großaspach arbeitet zwar unter ähnlich professionellen Bedingungen wie die Kickers und kann auch auf ein Budget vergleichbarer Größenordnung bauen, doch zumindest die Tiefe des Kaders von Coach Evangelos Sbonias kann mit dem der Blauen nicht mithalten.

Bleiben Schlüsselspieler wie Tim Schraml, Domenic Brück sowie vor allem Mijo Tunjic fit und bleibt ein Einbruch im Frühjahr aus, wird der 1. Göppinger SV bis zum Schluss zumindest um Platz zwei mitspielen. Die vor der Runde als Mitfavoriten gehandelten Clubs FC 08 Villingen und 1. CfR Pforzheim hinken jeweils bereits 13 Punkte hinter den Kickers her – eine zu große Hypothek für eine Aufholjagd.

Kaderbreite Der Kickers-Kader wurde in der Breite im Sommer weiter gezielt verstärkt. Trainer Mustafa Ünal kann auf einigen Positionen Spieler austauschen – ohne dass ein Qualitätsverlust entsteht. Somit ist der Kräfteverschleiß überschaubar. Zuletzt saßen Neuzugang David Nieland oder der letztjährige Stammspieler Ivo Colic nur auf der Tribüne. Der drittligaerfahrene Markus Obernosterer kommt als Joker zum Einsatz. Ünal muss alle Spieler bei Laune halten. Mit seiner offenen, ehrlichen und konsequenten Art gelingt dem 39-Jährigen das bisher gut.

Stabilität Die Kickers verteidigen sehr gut und lassen nur sehr wenige Chancen des Gegners zu. Das liegt an der für Oberligaverhältnisse überdurchschnittlichen Innenverteidigung mit Niklas Kolbe und Denis Zagaria. Aber auch an den Außen in der Viererkette, David Kammerbauer und Malte Moos, sowie an den defensiv denkenden Mittelfeldspielern Luigi Campagna und Nico Blank. Der wiedergenesene Ex-Ulmer Lukas Kiefer stellt im Zentrum eine weitere Alternative dar.

Nehmerqualitäten Ein 0:1-Rückstand wie in Hollenbach (Endstand 5:1) oder ein verschossener Elfmeter beim Stand von 0:0 in Offenburg wirft die Kickers nicht um. Die Mannschaft behält kühlen Kopf, lässt sich nicht vom Matchplan abbringen – und entscheidet die Spiele im Laufe der 90 Minuten für sich. „In diesem Bereich ist eine Entwicklung festzustellen, da hat das Team einen Reifeprozess hinter sich“, freut sich Ünal.

Gier 4:0, 5:0, 6:1, 3:0, 5:1, 5:1, 6:0 – die Kickers haben in dieser Saison schon einige klare Siege eingefahren. Das Torverhältnis lautet 37:7 und kann am Ende einen Punkt Wert sein. Im Vorjahr war die gegenüber Freiberg schlechtere Tordifferenz entscheidend für den entgangenen Direktaufstieg. Vielleicht steckt auch diese Erinnerung im Hinterkopf. Auf jeden Fall wird in dieser Saison auch bei einer klaren Führung nicht der Fuß vom Gas genommen. „Wir verwalten nichts, das würde nicht zu uns passen“, sagt Ünal.

Auffallend sind die verschiedenen Torschützen mit David Braig (acht Saisontore) und Kevin Dicklhuber (sieben Tore) an der Spitze, gefolgt von Loris Maier, Flamur Berisha und Konrad Riehle (je drei Tore). Die Blauen sind schwer auszurechnen, was nichts daran ändert, dass ein Strafraumstürmertyp der Marke Tunjic das Gesicht der Mannschaft optimal ergänzen würde. „Wir kompensieren den Abgang von Mijo auf mehreren Schultern, aber es werden Spiele kommen, in denen wir einen Angreifer solchen Zuschnitts brauchen könnten“, sagt Ünal und rückt damit auch nach den vielen klaren Siegen nicht von seiner Einschätzung ab.