Der Einsatz war gefährlich. Das war ihm klar. Serkan Eren hat im Iran Hilfsgüter verteilt. Ende Juni ist der Kontakt zu ihm abgebrochen.
Er war auf dem Weg heraus aus dem Iran. Und wie immer hat Serkan Eren, Gründer und Geschäftsführer der Stuttgarter Hilfsorganisation Stelp, seine Freunde und Spender in der Heimat mitgenommen via sozialer Netzwerke. Richtung Irak ging es, dort wollte er über die Grenze. Am 28. Juni war das. Seitdem hat niemand mehr was von ihm gehört.
Stelp meldet sich zu Wort
In Stuttgart wuchsen die Sorgen. Weil die Spekulationen zunahmen, das Geraune anschwoll, hat sich Stelp jetzt an die Öffentlichkeit gewandt. „Viele von euch haben sich bei uns gemeldet und gefragt, wie es Serkan geht. Wie ihr wisst, war er als humanitärer Helfer im Iran im Einsatz und hätte eigentlich am 28. Juni wieder ausreisen sollen. Das hat nicht geklappt und aktuell haben wir keinen direkten Kontakt zu ihm. Die Lage vor Ort im Land ist schwierig, wie ihr euch vorstellen könnt“, teilt die Organisation mit.
Weil Serkan Eren türkischer Staatsbürger ist, hat Stelp die türkische Regierung eingeschaltet. In der Vergangenheit gab es zwischen der Türkei und dem Iran immer wieder Gesprächskanäle, darauf setzt man nun. Eren hat zwar von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen, aber tatsächlich ist erst einmal die Türkei Ansprechpartner. Was man darüber hinaus unternimmt, will man nicht sagen. Zu diffizil und verworren ist die Situation, zu groß und berechtigt die Sorge mit zu viel Öffentlichkeit Gesprächsfäden zu kappen.
Eren selbst hatte vor seinem Einsatz gesagt, das Risiko sei groß. Die Lage ist unübersichtlich: Das Regime, das Menschen laut Amnesty International willkürlich verhaftet, foltert und hinrichtet, ist mit dem Krieg gegen Israel völlig unberechenbar geworden. Kurz bevor er in den Iran reiste, hatte unsere Redaktion noch einmal mit ihm gesprochen. Und er hat gesagt, warum er sich trotz aller Gefahren zu der Reise entschlossen hatte. „Bei Stelp hatten sich viele Menschen gemeldet und um Hilfe gefleht“, sagt er.
Viele Deutsch-Iraner haben darum gebeten, ihren Angehörigen zu helfen. Eren hatte Kontakt mit sieben älteren, teils kranken Iranern, die er in die Türkei bringen will. Oder bringen lassen will. Und die Zahl der Hilferufe nehme zu.
Zudem wollte er Lebensmittel nach Teheran bringen. In der Stadt leben gut neun Millionen Menschen. Viele sind vor den Luftangriffen geflohen, hatten ihre Häuser verlassen. Allerdings seien kaum noch Lebensmittel zu bekommen. Die wollte Eren auf dem Land kaufen und mit vorher organisierten Lastwagen nach Teheran bringen.
Das hat geklappt, er hat sich dann von dort gemeldet, fühlte sich offenbar sicher, schrieb über soziale Netzwerke, etwa, dass er sich jetzt die Haare schneiden lasse. Am 28. Juni wollte er nach fünf Tagen im Iran ausreisen. Das hat nicht geklappt. Seitdem hat niemand mehr von ihm gehört.
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