Die Stuttgarter Gebäude der IBA’27 befinden sich derzeit in den unterschiedlichsten Bauphasen: Der Holzbau an der Weimarstraße (links) hat gerade erst die Baubewilligung bekommen, das Zero (oben rechts) ist fertiggestellt, das Klett-Areal befindet sich im Bau (unten rechts). Foto: : Visualisierung Florian Nagler Architekten/Riehle Koeth, Achim Birnbaum/Matthias Dengler

Bereits seit Jahren wird die IBA’27 totgesagt. Besonders in Stuttgart laufe nichts, passiere nichts – und werde nichts fertig bis 2027. Wir haben die Fakten.

Das Bauchgefühl kann manchmal trügerisch sein. Fakten bezeichnet man für gemeinhin hingegen als hart. Darum zu diesen: Acht von 15 IBA 27-Projekten in Stuttgart werden bis im Jahr 2027 fertiggestellt und zu besichtigen sein. Doch auch über diesen Wert lässt sich trefflich streiten. „Nur“, werden die einen sagen. „Oh, doch über die Hälfte“, die anderen.

Im „Memorandum zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen“ von 2017 kann man unter Punkt 8 lesen: „Eine IBA verlangt Mut zum Risiko. Sie ist ein Experiment mit offenem Ausgang“. Vielleicht ist dies der wichtigste Bewertungsmaßstab einer Internationalen Bauausstellung.

Aktuell gibt es 36 IBA’27-Projekt in Stuttgart und der Region

Die IBA’27 startete im Jahr 2017. Insgesamt gibt es aktuell 36 Vorhaben mit dem Label „IBA’27-Projekt“ in Stuttgart und der Region. Alle IBA’27-Projekte durchliefen einen formalisierten Aufnahmeprozess. Viele dieser Projekte begleitet das IBA’27-Team konzeptionell und kuratorisch über Jahre hinweg.

Zudem gibt es das IBA’27-Netz. Es bringt Vorhaben zusammen, die sich ehrgeizig mit der Zukunft des Bauens, Wohnens und Arbeitens auseinandersetzen. Im Ausstellungsjahr wolle man die beiden „eher technischen Unterscheidungen“ nicht mehr voneinander abgrenzen, sagt Tobias Schiller, der Sprecher der IBA’27. „Diese spielt für die besuchbare Ausstellung keine Rolle.“

Im Ausstellungsjahr 2027 rücken jene Projekte in den Fokus, die sich baulich in Teilen oder ganz umsetzen ließen und als Orte besuchbar und erlebbar sind. Projekte, die bis dahin noch nicht gebaut sind, erscheinen mit ihren erarbeiteten Konzepten in der zentralen Ausstellung in Stuttgart.

Die IBA’27-Projekte und ihr jeweiliger Status im Überblick

Quartier C 1 Wagenhallen

  • Status: in Planung
  • Projektträgerin: Landeshauptstadt Stuttgart
  • Gestaltung: Internationaler städtebaulicher Wettbewerb:asp Architekten (Stuttgart) und Koeber Landschaftsarchitektur (Stuttgart)

Das Gebiet um die Wagenhallen ist Teil des künftigen Stadtteils Stuttgart Rosenstein. Im Teilgebiet C1 entsteht die sogenannte Maker City. Am Stuttgarter Nordbahnhof entwickeln Stadtverwaltung, ansässige Kunst- und Kulturschaffende, Planer und Planerinnen und Nachbarschaft gemeinsam ein produktives Stadtviertel.

Neue Mitte Leonhardsvorstadt

  • Status: pausiert
  • Projektträgerin: Landeshauptstadt Stuttgart

Die Neue Mitte Leonhardsvorstadt auf dem heutigen Areal des Züblin-Parkhauses soll das Bohnen- und das Leonhardsviertel wieder zu einem Quartier zusammenführen. Entstehen soll eine Quartiersmitte mit sozialer Infrastruktur, Sport- und Freizeitangeboten, Gewerbe und Wohnen. Baubürgermeister Peter Pätzold kündigte 2024 an, die Ausschreibung für eine Konzeptvergabe vorzubereiten, da die Stadt das Areal nicht selbst entwickeln wolle. Diese richte sich an Baugenossenschaften, Investoren, Konsortien, Baugemeinschaften oder andere Projektentwickler. Wegen der priorisierten Bauvorhaben MobilityHub Breuninger und des Stuttgart Moving Image Center (SMIC) wurde das Projekt nach hinten gestellt. Aktuell laufen Überlegungen zur weiteren Entwicklung.

Der neue Stöckach

  • Status: offen
  • Projektträgerin:  EnBW Energie Baden-Württemberg AG
  • Gestaltung: Entwurfsstudie Nachverdichtung in Holzbau: haascookzemmrich STUDIO2050 (Stuttgart)

Weil die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ihr Betriebsgelände aufgab, wurde in Stuttgart-Ost ein innerstädtischer Block frei. Unternehmen, Fachleute, Bürger und Bürgerinnen und Stadt wollten hier ein grünes Quartier mit Häusern aus Recyclingmaterial entwickeln, die den Bestand ressourcenschonend ergänzen.

Doch im Jahr 2023 hat die EnBW die Notbremse gezogen. Die enorm gestiegenen Preise in der Bauwirtschaft ließen „eine wirtschaftliche Umsetzung zurzeit nicht zu“, hieß es. Der Bau der geplanten 800 Wohnungen liegt nach wie vor auf Eis. Die EnBW prüft die weitere Projektbearbeitung, Gespräche mit der Landeshauptstadt Stuttgart laufen.

Quartier Böckinger Straße

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig
  • Projektträgerin:  Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG)
  • Gestaltung: städtebaulicher Wettbewerb: Hild und K (München/Berlin) und Studio Vulkan, Landschaftsarchitekten (München, Zürich). Quartiersmitte und Kita: UTA Architekten und Stadtplaner (Stuttgart) und Koeber Landschaftsarchitektur (Stuttgart)
Im Quartier Böckinger Straße in Stuttgart-Rot soll Wohnraum entstehen. Foto: Visualisierung: HildundK, München | Berlin

In Stuttgart-Rot im Gebiet an der Böckinger Straße entsteht ein offenes, integratives, klimaresilientes Stadtquartier. Insgesamt rund 460 neue Wohnungen werden für verschiedene Nutzergruppen um eine gemeinschaftliche Quartiersmitte herum gebaut. Das zentral gelegene IBA’27-Haus wird zum Experimentierfeld für neue Bau- und Wohnformen.

Weissenhof 2027+: Weissenhof.Forum (Besucher- und Informationszentrum)

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig
  • Projektträgerin: Landeshauptstadt Stuttgart
  • Gestaltung: Generalübernehmerverfahren: Barkow Leibinger, Gesellschaft von Architekten, Berlin mit Zech Hochbau AG, Stuttgart, und Pfrommer + Roeder, Freie Landschaftsarchitekten, Stuttgart

Das Weissenhof.Forum ist ein zentraler Bestandteil der IBA’27 in Stuttgart. Es dient als Start- und Orientierungspunkt für Besuchende der Weissenhofsiedlung. Das Gebäude wird in Holz- und Lehmbauweise erstellt. Lediglich die Bodenplatte besteht aus Recycling-Beton. Die Fassade ist ebenso wie das begrünte Dach mit einer integrierten Photovoltaikanlage ausgestattet.

Quartier am Rotweg

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig
  • Projektträgerin: Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG, Baugenossenschaft Zuffenhausen eG
  • Gestaltung: Entscheidung städtebaulicher Wettbewerb: 1.Preis: ISSS research architecture urbanism (Berlin) und Büro für Landschaftsarchitektur topo*grafik (Marseille), 2.Preis: EMT Architekten (Stuttgart) und StudioVlayStreeruwitz (Wien)

Auf dem zwei Hektar großen Areal „Am Rotweg“ in Stuttgart-Rot wird ein Quartier mit bezahlbaren und bedarfsgerechten Wohnungen gebaut. Neben 210 Wohnungen werden gewerbliche, soziale und gemeinschaftliche Nutzungen realisiert. Im Mai 2025 wurde der Grundstein für das Quartier gelegt.

IntCDC Building

  • Status: 2027 im Bau
  • Projektträgerin: Universität Stuttgart, Exzellenzcluster Integratives computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC)

Mit der Errichtung eines neuen Forschungsgebäudes erprobt die Universität Stuttgart im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern zukunftsfähige, nachhaltige Baumethoden. Ein ganzheitlicher, digitaler Planungsansatz führt Entwicklung und Produktion vor Ort zusammen.

Adaptives Demonstrator-Hochhaus

  • Status: bereits fertiggestellt (2021)
  • Projektträgerin: Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK), Universität Stuttgart

Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 1244 der Universität Stuttgart werden an einem eigens dafür errichteten Turm selbstregelnde Hüllen und Strukturen in Originalgröße getestet. Das Projekt kann technologische Impulse für ressourcenschonende Bauweisen liefern.

Die Brenzkirche – Zurück in die Zukunft

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig
  • Projektträgerin: Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart
  • Gestaltung: Internationaler Realisierungswettbewerb: Wandel Lorch Götze Wach (WLGW), Frankfurt am Main

Unweit der Werkbundsiedlung auf dem Weißenhof lässt die mehrfach überformte Brenzkirche äußerlich kaum mehr etwas von ihrer ursprünglichen, modernen Geisteshaltung erahnen. Ein behutsamer Umbau macht die Zeit-Schichten nun sichtbar und schreibt den denkmalgeschützten Sakralbau in die Zukunft fort.

Neubau eines Wohngebäudes mit Multifunktionsräumen in der Weimarstraße

  • Status: 2027 im Bau
  • Projektträgerin: Land Baden-Württemberg vertreten durch Vermögen und Bau Stuttgart
  • Gestaltung: VgV-Verfahren: Florian Nagler Architekten, München

In zentraler Innenstadtlage entsteht Wohnraum in ressourcenschonender Holzhybridbauweise. Auf dem Grundstück parallel zum Westflügel des Rotebühlbaus planen Fachleute des einfachen Bauens barrierefreie Wohnungen für das Mitarbeiterwohnen, ergänzt von Multifunktionsräumen. Laubengang-Erschließungen, Loggien und Arkaden verschatten das technikreduzierte Haus natürlich und vermitteln zwischen Innen und Außen.

Zukunft Münster 2025

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig (1. Bauabschnitt)
  • Projektträgerin: Baugenossenschaft Münster a.N. eG (BGM)
  • Gestaltung: Entscheidung städtebaulicher Wettbewerb:PPAG architects (Wien)

In Stuttgart-Münster entsteht ein sozial und ökologisch nachhaltiges Quartier. Der genossenschaftliche Gemeinschaftsgedanke wird in ein dichtes Gebäudegefüge übersetzt, das die Vielfalt der Gesellschaft abbildet.

Zukunft Münster 2025: ein dichtes Gebäudegefüge, das die Vielfalt der Gesellschaft abbildet. Foto: Visualisierung IBA’27 / Julian Bauer

Gestapelte Holzhäuser schaffen ein Ensemble von öffentlichen und privaten Räumen, gewerblichen und sozialen Nutzungen. Vielfältige Wohngrundrisse, Betreuungs- und Freizeitangebote bringen Menschen in allen Lebenslagen zusammen.

Wohnen am Fluss in Untertürkheim

  • Status: in Planung
  • Projektträgerin: Bietigheimer Wohnbau GmbH
  • Gestaltung: internationaler Wettbewerb: NL Architects (Amsterdam) gemeinsame Überarbeitung mit a+r Architekten (Stuttgart)

In der Inselstraße in Untertürkheim entsteht ein lebenswertes Quartier, das Wohnen und Arbeiten am Fluss zusammenbringt. Das Bestandsgebäude Inselstraße 140 und fünf Neubauten gruppieren sich um einen großen Innenhof mit Kita. In der Mitte entsteht ein zentraler begrünter Platz.

Transformation des Klett Areals in Stuttgart

  • Status: aktuell im Bau, 2027 fertig
  • Projektträgerin: Ernst Klett AG
  • Gestaltung: Hochbauwettbewerb: Bruno Fioretti Marquez (Berlin / Lugano) mit atelier le balto, Landschaftsarchitekten (Berlin); Machbarkeitsstudie Eingangsgebäude R77, Studio Cross Scale (Stuttgart)

Am Stammsitz der Klett-Gruppe im Stuttgarter Westen ordnet das Bildungsunternehmen zusammen mit Planenden den komplexen Gebäudebestand neu und macht den innerstädtischen Standort so nachhaltig und zukunftsfähig.

Der Siegerentwurf schafft mit gezielten Eingriffen im teils denkmalgeschützten Bestand eine offene, flexible Arbeitsumgebung mit Räumen für Begegnung und Kommunikation, umgeben von klimaregulierenden Grünbereichen.

ZERO. - Nachhaltiges Arbeiten im Bürogebäude der Zukunft

  • Status: bereits fertiggestellt (2025)
  • Projektträgerin: Projektgesellschaft S111 GmbH, Sindelfingen (bestehend aus EEW GmbH und CPM GmbH)
  • Gestaltung: Riehle Koeth GmbH+Co. KG

Auf einem ehemaligen Werksgelände in Stuttgart-Möhringen errichtet ein interdisziplinäres Projektteam ein mehrgeschossiges Bürogebäude aus vorproduzierten Holzmodulen und fügt fast 300 Raumelemente zu einem flexiblen, CO2 einsparenden Ganzen zusammen.

Evangelisches Gemeindehaus Feuerbach

  • Status: in Planung
  • Projektträgerin: Evangelische Kirchengemeinde Feuerbach
  • Gestaltung: Einladungswettbewerb in zwei Phasen : Arge Joos Keller + Curious About, Stuttgart/Karlsruhe mit Von K Landschaftsarchitektur, Ostfildern

Im alten Ortskern von Feuerbach wird das heutige Gemeindehaus an der denkmalgeschützten St. Mauritius-Kirche weitergebaut. Durch die Verbindung von Bestand und Neubau entsteht ein Haus der Gemeinschaft, das sich nach innen wie außen öffnet.

Begleitung auch über das Ausstellungsjahr hinaus

Die Umsetzung vieler Projekte weist über das Ausstellungsjahr hinaus. Das IBA’27-Team wird ihre weitere bauliche Umsetzung voraussichtlich auch nach 2027 begleiten und die begonnenen Prozesse fortführen.

Info

Status der 17 Stuttgarter Netzwerk-Projekte