Arnd Franz ist CEO des Autozulieferers Mahle, der seine Firmenzentrale in Stuttgart hat. Foto: Sven Hoppe/dpa

Arnd Franz warnt in einem Interview vor weiteren massiven Jobverlusten bei Mahle durch den Plan der EU für Verbrenner. Was fordert der Konzernchef?

Mahle-Chef Arnd Franz hat den Plan der EU-Komission für Verbrenner kritisiert und vor einem Wegfall zahlreicher weiterer Jobs beim Stuttgarter Autozulieferer gewarnt. Werde das bisherige Verbrennerverbot nicht stärker geöffnet als bisher vorgeschlagen, „wird das noch einmal massiv Arbeitsplätze kosten“, sagte er im Interview mit der „Welt“ und dem „Business Insider“.

In Asien, wo die Wachstumsmärkte des Unternehmens lägen, steige die Beschäftigtenzahl von Mahle – vor allem in Indien. In Europa sei „beim Umsatz erstmal ein Sockel erreicht“, so der CEO. Zwei Drittel der rund 28.000 Mitarbeiter dort würden am Verbrenner hängen. „Davon können wir nur einen Teil in neuen Zukunftsfeldern unterbringen“, erklärte Franz, dessen Unternehmen beispielsweise den Bereich Kühlung für Gebäude als neues Feld erschließe.

Mahle-Chef Arnd Franz: „Brüsseler Vorschlag ist kleinteilig“

Ursprünglich hatte die Europäische Union beschlossen, dass ab 2035 nur noch Elektroautos neu zugelassen werden. Im Dezember schlug die Kommission vor, dass ab besagtem Jahr noch bis zu zehn Prozent der neuen Fahrzeuge Verbrenner, Hybride oder Fahrzeuge mit sogenanntem Range Extender sein dürfen.

Deren CO₂-Ausstoß muss aber vollständig ausgeglichen werden – mit bis zu 70 Prozent durch die Verwendung von grünem Stahl aus Europa und mit bis zu 30 Prozent durch alternative Kraftstoffe.

„Der Brüsseler Vorschlag ist kleinteilig, bürokratisch und schafft keine Klarheit. Die vorgeschlagenen Freiräume sind zu gering“, so der Mahle-Chef. Und weiter: „Wenn Europa seine Klimaziele tatsächlich erreichen und im globalen Wettbewerb wieder an Boden gewinnen will, müssen neben batterieelektrischen Fahrzeugen weitere Technologien in ausreichendem Umfang erlaubt sein.“

Nötig sei eine Regulierung, die sich an den Realitäten orientiere. Franz rechnet nicht damit, dass der Vorschlag durch den Rat und das Parlament geht.

„Auch wenn die E-Mobilität erfreulicherweise zuletzt an Fahrt aufgenommen hat, ist davon auszugehen, dass das rein batterieelektrische Fahrzeug bis 2035 in Europa nicht viel mehr als 50 Prozent Marktanteil erreicht“, sagte der gebürtige Stuttgarter. In den anderen rund 50 Prozent rechnet er vor allem mit Hybriden mit hohem elektrischen Fahranteil. Er spricht sich auch dafür aus, reine Verbrenner über 2035 hinaus zuzulassen. Die müssten CO₂-frei werden, Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe schnell an die Tankstellen kommen.

Arnd Franz ist bei Mahle seit November 2022 Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung. Foto: Wolfram Scheible/MAHLE

Er kritisierte neben dem Verbrenner-Plan der EU auch die E-Auto-Förderung. Es würde ihn wundern, wenn das Programm effektiv wäre, sagte Franz und fügte hinzu: „Der alte Umwelt-Bonus war es jedenfalls nicht. Und ich nehme derzeit beim Autohandel eine abwartende Haltung wahr.“

Mahle-Chef: mehr verfügbares Einkommen statt Kaufprämie

Die Bundesregierung hatte im Januar eine neue E-Auto-Kaufprämie angekündigt. Wie hoch der Zuschuss ausfällt, ist abhängig vom Einkommen, der Anzahl an Kindern unter 18 Jahren im eigenen Haushalt und davon, ob man ein vollelektrisches Auto oder eines mit Plug-in-Hybridantrieb kauft oder least. Möglich sind Förderungen zwischen 1500 und 6000 Euro.

Hilfreicher für eine steigende Nachfrage wäre aus Sicht von Arnd Franz „mehr verfügbares Einkommen, etwa durch niedrigere Steuern und Abgaben“. Die Flaute liege nicht am Konsumenten, „sondern am fehlenden Geld“.

Umsatzrückgang und Stellenabbau bei Mahle

In dem Interview äußerte sich Arnd Franz auch zu Zahlen: Der Umsatz sei 2025 von 11,7 auf rund 11,3 Milliarden zurückgegangen. Weltweit habe das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten etwa 3500 Stellen abgebaut, darunter rund 600 in Deutschland. Man werde weiter sachlich an Personalanpassungen arbeiten, so Franz. In den Werken sei bereits viel passiert. „Jetzt müssen wir die Verwaltung sowie die Forschung und Entwicklung an den Marktentwicklungen ausrichten“, erklärte er.

Bereits im vergangenen November hatte Franz gegenüber unserer Zeitung verkündet, dass Mahle 2026 rund 1000 Arbeitsplätze in der Verwaltung einschließlich Entwicklung streichen will, maßgeblich in Stuttgart. Somit verschärft sich der Stellenabbau beim Autozulieferer.