„Und was hast du für Hobbys?“ – in den Ohren vieler Eltern, klingt diese Frage oft wie Hohn. Denn der Alltag mit Kindern lässt oft nur noch wenig Zeit für sich. Im letzten Teil unsere Serie So leben wir erzählen sechs Familien, wie sie ihre Freizeit verbringen.
Viele Familienmitglieder, viele Interessen und noch viel mehr Verpflichtungen – die Frage „Was hast du so für Hobbys“ klingt wie Hohn in den Ohren vieler Eltern. Im letzten Teil unserer Serie schildern Familien, wie sie sich Zeit für sich nehmen und was dann in ihrem Leben passiert.
Familie Jux – auf der Suche nach grünen Plätzen in der Stadt
Sich bewusst Zeit für ihren Sohn zu nehmen und viel Zeit in der Natur zu sein, ist Colline Jux wichtig. Grüne Plätze im Stuttgarter Westen, wo die beiden wohnen, zu finden, ist gar nicht so einfach. Unter der Woche gehen sie zum Feuersee, zum Bismarckplatz oder in den Kräherwald. Am Wochenende fahren sie mit dem Auto ins Siebenmühlental oder zum Katzenbacher Hof.
Oft schwingt sich Jux auf das Mountainbike und macht Radtouren, zum Beispiel zum Bärensee im Rotwildpark bei Stuttgart. Ihr 18 Monate alter Sohn sitzt dann im Fahrradanhänger. Oft fährt Jux los, wenn er schläft. Sobald er aufwacht, machen sie eine Pause im Wald oder auf dem Spielplatz, dann geht es zurück nach Hause. „So funktioniert das am besten für uns, und ihm wird nicht langweilig“, sagt die 39-Jährige.
Sport und Zeit zum Auftanken muss auch in Jux’ Alltag als allein begleitende Mama Platz finden. „Ich will am Ende des Tages nicht fix und alle sein“, sagt Jux. Jeden Morgen zehn Minuten Yin-Yoga, eine Meditation pro Tag und ab und an eine Massage helfen Jux, zu entspannen und den Fokus zu behalten. Die Joggingrunde verbindet sie mit dem Kitaweg ihres Sohns.
Gerne würde Colline Jux mehr Natur um sich haben, doch das Netz aus Freunden und Bekannten sowie die vielen Angebote für Familien in der Stadt will sie nicht missen. Kommt ihre Mutter für zwei Tage zu Besuch, verabredet sie sich mit Freunden oder nimmt sich ein paar Stunden Zeit für sich. (Susan Jörges)
Familie Rieger – Sonntagmorgen wird frisches Brot gebacken
„Ich habe gefühlt schon jedes Hobby ausprobiert“, sagt Sohn Collin (16) und zählt Gitarrespielen, Karate, Tischtennis, Keyboard und die Schach-AG seiner Schule auf. Doch jetzt bleibt neben der Ganztagsschule kaum noch Freizeit übrig. Einmal in der Woche besucht er derzeit einen Tanzkurs, die Abende verbringt er öfters am Computer. Jayden (13) spielt zweimal die Woche Fußball, dazu kommen Spiele an den Wochenenden. Jeden Freitag gehen er und seine Freunde in ein Einkaufscenter in Leonberg. Ihr Ziel: McDonald’s. Hier gibt Jayden gerne einen Teil seines Taschengelds aus.
Hündin Jacky ist gut für die Bewegung
Die Zeit, die Nadine und Steffen Rieger neben ihrer Arbeit haben, verbringen sie am liebsten mit ihrer Familie. „Ich will dann nicht zum Sportkurs hetzen, sondern den Nachmittag in Ruhe verbringen“, sagt Nadine Rieger, die sich lieber jeden Abend Zeit nimmt, um für ihre Familie frisch zu kochen. Sonntagmorgens backt sie zudem frisches Brot. Mit zwei Freundinnen geht sie alle zwei Wochen essen, „diese Termine sind mir heilig“. Ihr Mann Steffen ist stets mit Haus und Garten beschäftigt: „Mir fällt immer etwas Neues ein, was repariert oder erneuert werden könnte.“ Bewegung sammeln beide beim Spazierengehen mit ihrer Hündin Jacky.
Das Wochenende startet bei den Riegers mit einem Großeinkauf im Supermarkt, manchmal fahren sie auf den Markt in Leonberg oder Gerlingen. Wenn alle zu Hause sind und Jayden kein Fußballturnier hat, spielen sie manchmal Fußballgolf in Rotfelden. Ähnlich wie beim Minigolf gibt es mehrere unterschiedlich lange und komplizierte Bahnen. „Das Ziel ist, den Ball mit möglichst wenigen Schüssen in das Loch am Ende jeder Bahn zu befördern“, erklärt Jayden. Abends werden Spiele gespielt, zum Beispiel Skip-bo, Siedler von Catan oder Monopoly. (Susan Jörges)
Familie Grammel – Sport muss sein
Der Marathon in Freiburg oder der X Trail in Breitnau sind nur zwei von vielen ähnlichen Veranstaltungen, die bei Basti Grammel auf dem Wettkampfprogramm stehen. Trailrunning, Laufen, Schwimmen und Biken sind seine Leidenschaft. Alle diese Sportarten betreibt er auf Leistungsniveau, derzeit arbeitet er daran, bei einen Triathlon starten zu können. Sport gehört zu Basti Grammels Leben in Fürnsal, genau wie Steffi, Max (13) und Julian (12).
Eine Massage im Monat
Um seiner Frau Steffi, die sich mit einem Blumenladen in Loßburg selbstständig gemacht hat, den Rücken freizuhalten, kümmert er sich nachmittags um seine Jungs und arbeitet ausschließlich in Frühschicht. Tägliches Training hat in dieser straffen Organisation trotzdem einen festen Platz. Basti nutzt die Zeit, in der Julian und Max beim Fußball, beim Schwimmtraining oder bei der Jugendkapelle sind. „Ohne meinen Sport könnte ich das nicht durchhalten. Den brauche ich als Ausgleich“, sagt er. Auch im Urlaub macht Basti keine Trainingspause.
Sein Sohn Julian liebt Fußball und bringt es dabei auch schon auf eine beachtliche Schuss- und Sprintgeschwindigkeit. Das Herz von Max schlägt fürs Flügelhorn und fürs Lesen. Und Steffi? „Ich gehe einmal im Monat zur Massage und treffe mich manchmal mit Freundinnen“, sagt sie. Für Hobbys lässt ihr der Laden keine Zeit. (Nadia Köhler)
Familie Lieb – Freizeit im eigenen Garten
Die Söhne der Familie Lieb sind sehr bewegungsfreudig. Sohn Jonah ist im Fußballverein – und zwar weiterhin in Stuttgart-Möhringen, wo die Familie bis zu ihrem Umzug nach Echterdingen lebte. Vom Alter her wäre er in der F-Jugend, aber er spielt schon in der E-Jugend. Seine Position: Torwart. Seine Mutter hat ihn auch in der Musikschule angemeldet, damit er Gitarre oder Klavier lernt. Die Fahrten dorthin müsste er dann aber allein bewältigen, weil es sonst logistisch zu kompliziert wäre.
Radtouren sind schwierig
Auch David (4) liebt Fußball, trainiert aber bisher „nur“ im Garten seine Hochschüsse. Es wird noch schwierig werden, wenn auch er in einen Verein kommt. Schließlich ist Mutter Lisa ziemlich ans Haus gebunden, da ihre sechsjährige Tochter Noemi eine schwere Behinderung hat und sehr ruhebedürftig ist. Ausflüge sind mit ihr ausgesprochen schwer möglich. „Wenn sie von den Reizen überfordert ist, kriegt man sie nicht eingefangen“, erklärt Vater Jannik. Ihre Radtouren zum Beispiel endeten meist unentspannt für die Eltern.
David kann inzwischen selbst erstaunlich gut Fahrradfahren und würde eine kleine Tour sicher schaffen. Auch die Eltern sind gerne mit dem Rad unterwegs. Jannik Lieb steigt regelmäßig abends aufs Rennrad, wenn die Kinder schlafen. Mutter Lisa geht möglichst zwei Mal die Woche joggen an den Vormittagen, wenn sie nicht arbeitet, das ist ihr Ausgleich. Die Eltern würden gerne auch mal wandern gehen am Wochenende. Aber das gehe nicht mit Noemi. Manchmal denkt die Lehrerin, man müsste mehr wagen. Aber letztlich ufere das immer in großen Stress aus.
Bald kommt der Basketballkorb
Die Familie ist in einer evangelischen Freikirche aktiv. Die Eltern wechseln sich sonntags ab – einer von ihnen geht mit den Söhnen zum Gottesdienst, der andere bleibt bei Noemi, weil das mit ihr zusammen nicht funktionieren würde. Ihre Freizeit verbringt die Familie ansonsten viel zuhause – seit dem Umzug ins große Einfamilienhaus mit Garten haben sie auch genügend Platz für Gäste, die sie gerne bei sich einladen. Die Kinder können auf dem Trampolin springen. Sie haben eine Tischtennisplatte und auch ein Basketballkorb werde bald geliefert. Jannik Lieb freut sich schon auf die ersten Spiele mit seinen Jungs. (Viola Volland)
Familie Stöveken-Schaffhauser – neuer Freundeskreis
Carina Stöveken und Marius Schaffhauser sind jung Eltern geworden: 25 und 26 Jahre alt waren die beiden, als Sohn Liam vor 5 Jahren auf die Welt kam. Die meisten ihrer Freunde von früher haben noch keine Kinder. „Die sind eher noch so eine Partytruppe”, sagt Carina Stöveken. Schlimm findet sie das nicht. Manchmal feiern sie und ihr Partner noch mit, meist treffen sie sich mit den anderen jetzt aber tagsüber. „Wir haben eigentlich zwei Freundeskreise: den ohne Kinder und ein paar Familien mit Kindern, die wir teilweise auch neu kennengelernt haben.” Mit letzteren treffen sie sich dann auch mal an kindertauglichen Orten wie dem Biergarten Katzenbacher Hof.
Liam geht ins Turnen, Marius ins Fitnessstudio
Richtige Hobbys? Carina Stöveken überlegt. „Ich male gern mit Akryl oder modelliere mit Ton, aber nicht regelmäßig”, sagt die Architektin. Yoga und Laufengehen, das macht sie auch – aber nicht mehr so regelmäßig wie noch vor Liams Geburt. Marius Schaffhauser hingegen geht zwei bis dreimal die Woche ins Fitnessstudio. „Bewundernswert“, findet das seine Partnerin. Malen tut sie mittlerweile auch gern mit Liam zusammen. Der geht ansonsten ein Mal die Woche ins Kinderturnen des lokalen Turnvereins und zum Schwimmkurs.
Am Wochenende fahren sie gern zusammen Fahrrad, zum Beispiel im Schlossgarten, oder besuchen die Großeltern in Remshalden oder in der Nähe von Biberach. Da gibt es dann auch einen Garten und sogar einen Pool. (Lisa Welzhofer)