Die Messe Stuttgart: Hier findet vieles statt wie die CMT 2020, aber nicht die IAA 2021 Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart, Köln und Hannover sind als Ausrichter für die Automesse IAA 2021 ausgeschieden. Was verbindet die Verlierer, was die Gewinner?

Stuttgart - Stuttgart ist rausgeflogen in der ersten Runde beim Wettbewerb um die Internationale Automobil-Ausstellung 2021 (IAA). Und das hier, wo einst die Wiege des Autos stand. Das empört viele unserer Leser. Die überwiegende Meinung: Die politische Grundausrichtung der Grün-Regierenden in Stadt und Land ist daran schuld. Die machen aus Stuttgart eine auto- und mobilitätsfeindliche Stadt.

Und was haben Berlin, Hamburg und München, was Stuttgart nicht hat? Sie sind in der zweiten Auswahlrund. Und was haben Frankfurt, Köln und Hannover gemeinsam, die wie Stuttgart in der ersten Runde ausgeschieden sind?

Keine Karten offen legen

Da kann es nur Anhaltspunkte geben, derartige Bewerbungen sind ja auch immer etwas geheime Kommandosache. Eine Sprecherin des Berliner Senats etwa sagt, dass die Berliner Senatskanzlei zur IAA-Bewerbung jetzt gar nichts mehr sagt, man wolle ja jetzt nicht seine Karten offen legen in der Endrunde. Gesprächiger sind die Rheinländer in Köln. Aber deren Themen Mobilität der Zukunft, Ausbau des Radverkehrs, Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, Förderung von neuen Technologien sind wie in Stuttgart, auch der Bau einer Teststrecke zur IAA hätten beide Städte gemeinsam. Und Wiege des Autos ist auch dort: „In Köln wurde der Otto-Motor erfunden“, weiß der Landes-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Das vernetzte Autofahren

Für die Absage an Hannover könnte ebenfalls die politische Grundausrichtung des OB verantwortlich gemacht werden, denn dort hat seit vergangenen Herbst ebenfalls ein Grüner den Hut auf. Und der macht sich seitdem für eine autofreie Innenstadt stark. Für Hannovers Messechef Jochen Köckler ist das ein Anlass, die niedersächsische Landeshauptstadt zur Stadt des vernetzten Autofahrens zu küren. Das Messegelände soll von diesem Sommer an als erstes in Deutschland komplett mit der neuen digitalen Übertragungstechnologie 5 G ausgestattet sein. Deshalb auch dort: Teststrecken für autonomes Fahren. Und eine Wiege des Autobaus gibt es auch, ist zumindest nah: VW in Wolfsburg. Frankfurt ist der große Verlierer. Seit 1951 hat dort die IAA stattgefunden. In Frankfurt hat sich der Publikumszuspruch für die internationale Messe in den letzten Jahren von 900 000 auf 500 000 Besucher fast halbiert. Und das ist auch die Stadt, in der sich seit Jahren pünktlich zur IAA der Protest formiert gegen bestimmte Formen der Mobilität und damit auch gegen den IAA-Ausrichter VDA, den Verband der deutschen Automobilbauer. Die zentrale Lage der Stadt in der Republik ist nach den Worten des Grünen-Landesverkehrsminister Tarek Al-Wazir ein Vorteil für die Messe, eine Herausforderung für die Verkehrsplanung.

Die Vorschläge des Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU): Eine Mobilitätsmesse für die Öffentlichkeit, mehr Aktivitäten im öffentlichen Raum (Frank: „Hier können sich Umweltschützer und Autoindustrie versöhnen“), keine Zäune rund um die Festhalle und viele mehr.

Hier waren schon der Papst und Barack Obama

Bleibt noch München, wieder eine Wiege des Autobaus: BMW, Audi, MAN werden genannt. Für die Messe München als Austragungsort für „Events von Weltformat“ wirbt Klaus Dittrich, der Vorsitzende der Messe-Geschäftsführung. Er erinnert an den München-Auftritt des früheren US-Präsidenten Obama, an eine Freiluftmesse von Papst Benedikt XVI. im Jahre 2006. Und in diesem August gibt der Volksrocker Andreas Gabalier auf dem Messegelände Riem sein einziges Konzert in diesem Jahr. Was die IAA betrifft: Für die soll es Präsentationsformen in allen Teilen der Stadt geben.

Hamburg wirbt damit, dass zur IAA 2021 dort auch der ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme stattfindet. Innovative Verkehrssysteme gibt es und urbane Mobilitätslösungen. Eine Teststrecke für autonomes Fahren ist bereits vorhanden, wird von VW genutzt. Eine autonom verkehrende Nahverkehrsstrecke in der Hafencity wird vorbereitet, ein E-Sammeltaxi-System von VW wird erprobt.

Doch in der zweiten und finalen Runde um die Ausrichtung der neuen IAA 2021 geht es auch um Geld. Für den VDA ist die IAA die Haupteinnahmequelle. Und da spielt eine große Rolle, wie lukrativ die Angebote der Städte für den Verband sind.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: