Volle Einkaufstüten? Manche Läden verzeichnen Umsatzeinbrüche wegen des Coronavirus. Foto: Lichtgut/Leif-Hendrik Piechowski

Der Handel leidet unter den Folgen der Corona-Krise. Daher werde bei einigen Unternehmen bereits über Kurzarbeit nachgedacht und verhandelt. „Denn eines ist klar“, sagt Sabine Hagmann vom Handelsverband, „30 Prozent weniger Umsatz hält man nicht lange durch.“

Stuttgart - Seit gut einer Woche spürt auch der Handel die Folgen des Coronavirus. Um genau zu sein: „Der Einzelhandel leidet sehr“, wie Sabine Hagmann vom Handelsverband Baden Württemberg sagt. Sie spricht von bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen bei den Händlern in der Innenstadt. „Der Frequenzmangel ist spürbar, die Leute kommen einfach nicht mehr in die Stadt.“ Daher werde bei einigen Unternehmen bereits über Kurzarbeit nachgedacht und verhandelt. „Denn eines ist klar“, sagt Hagmann, „30 Prozent weniger Umsatz hält man nicht lange durch.“

Besonders hart soll es gerade die Fast-Fashion-Anbieter wie Primark, Zara oder H&M treffen. Angeblich bekommen die Billig-Mode-Händler derzeit nur noch wenig oder gar keine Waren mehr aus China, dem Epizentrum des Virus. In Folge dessen hätten manche Fast-Fashion-Händler angeblich bereits um Stundung der Ladenmiete gebeten. Auch Sabine Hagmann hat davon gehört, sagt aber: „Derzeit kursieren angesichts der angespannten Lage viele Gerüchte. Ob diese Geschichten wahr sind, kann ich nicht bestätigen.“

Der City-Manager Sven Hahn bestätigt die Berichte seiner Kollegin. „Der Handel spürt es heftig.“ Genaue Zahlen erwartet er in diesen Tagen, wenn auch die Mitglieder der City Initiative Stuttgart (CIS) eine Umfrage zu den Umsatzzahlen und Einschränkungen beantwortet haben.

Hamsterkäufe setzen Lebensmittelläden zu

Allerdings berichten Hahn und Hagmann auch von Profiteuren der Corona-Krise. „Die Gastronomie hat zwar erhebliche Einbußen bei den Mittagstischen, aber sehr hohen Umsatzzuwachs bei den Gerichten, die per Lieferdienst in die Haushalte geschickt werden.“ Das Trostpflaster sei jedoch nicht groß, weiß Hahn: „Von diesem Umsatz gehen rund 40 Prozent an die Lieferdienste weg.“

Auch Hagmann berichtet von einem Segment, das sich derzeit vor Arbeit kaum retten kann: die Lebensmittelläden. „Durch die Hamsterkäufe sind die Lebensmittelmärkte schwer beschäftigt.“ Dies wiederum erfordere mehr Personal und mehr Lieferverkehr. Für beides liegen nun Ausnahmeregelungen der jeweiligen Ministerien vor - wie etwa die Fahrerlaubnis des Schwerlastverkehrs am Sonntag. Dennoch ist sich Sabine Hagmann sicher: „All dies wird noch zu Riesenverwerfungen führen. Der Handel ist stark betroffen.“

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