9.2.2016 Faschingsumzug in der Landeshauptstadt

 Foto: Boosz - Boosz

Von Jan-Philipp Schütze

Stuttgart - In durchsichtige Plastikumhänge gehüllte Gardemädchen, bunt geschminkte Clowns mit Regenschirmen und völlig durchnässte Hexen - der große Faschingsumzug durch die Stuttgarter Innenstadt war gestern geprägt vom Schmuddelwetter. Doch weder Dauerregen noch Wind konnten die gute Stimmung trüben. Die Narren und Zuschauer, von denen sichtbar weniger die Umzugsstrecke säumten als in den Jahren zuvor, ließen sich den Spaß nicht verderben.

Angeführt von Oberbürgermeister Fritz Kuhn, der aus einer offenen Pferdekutsche heraus emsig Bonbons verteilte, zogen 51 Gruppen mit insgesamt rund 1400 Teilnehmern von der Lautenschlagerstraße aus über Schloss- und Marktplatz zur Tübinger Straße. Im Fokus stand dabei einmal mehr das Brauchtum. Hästräger von Karnevalsvereinen und Narrenzünften aus Stuttgart und der Region zeigten ihre aufwendig gestalteten Kostüme, und die Mitglieder der Guggenbands gaben Kostproben ihres musikalischen Könnens. Die Gardemädchen mussten jedoch wetterbedingt auf ihre Tanzeinlagen verzichten. Politische Statements waren erneut die Ausnahme. Einzig die Karnevalsgesellschaft Grün-Schwarz Stuttgart hatte auf ihrem Umzugswagen Angela Merkel verewigt. In Anspielung auf den antiken Helden Herkules war die Kanzlerin dort als „Merkules“ dargestellt, der Europa verteidigt.

Aus Sicht der Polizei verlief der Umzug weitestgehend ruhig und friedlich, allerdings kam es zu zwei Fällen von sexueller Belästigung. Ein 33-Jähriger hatte sich gegen 15 Uhr am Schlossplatz vor dem Königsbau einer Zuschauerin von hinten genähert, sie bedrängt und hinter ihrem Rücken seinen Penis aus der Hose geholt. Die junge Frau bemerkte die Belästigung zunächst nicht, die Polizei konnte den Mann nach einem Zeugenhinweis noch in der Nähe festnehmen. Gegen 16 Uhr sprach dann ein betrunkener 57-Jähriger drei junge Frauen am Marktplatz an und forderte sie zum Geschlechtsverkehr auf, was diese verneinten. Auch er wurde festgenommen. Beide Männer wurden nach der Anzeigenaufnahme wieder entlassen und müssen mit Strafanzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und Beleidigung rechnen. Die Polizei zeigte, wie zuvor angekündigt, in der Innenstadt erhöhte Präsenz, mehr Beamte als in den vergangenen Jahren waren im Einsatz. Auch die ausrichtende KG Möbelwagen hatte vorgesorgt und 75 Ordner einer Sicherheitsfirma engagiert, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Nach dem Ende des Umzugs ging es für viele Zuschauer und Umzugsteilnehmer weiter zur großen Faschingsparty bei Dinkelacker, wo auf dem Brauereigelände in der Tübinger Straße noch bis in die späten Abendstunden hinein ausgelassen gefeiert wurde.

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