Der neue Tiefbahnhof soll Ende 2025 in Betrieb gehen. Die Lichtaugen auf dem Dach zeichnen sich inzwischen im Rohbau ab. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Fahrplan lässt laut dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel nur noch wenig Luft im neuen Durchgangsbahnhof. Helfen könnte eine zusätzliche Station.

Stuttgart - Ende 2025 wird der achtgleisige Durchgangsbahnhof des Projekts Stuttgart 21 in Betrieb gehen. Wie aufnahmefähig die neue Infrastruktur für weiteren Schienenverkehr ist, steht zur Debatte. S-21-Schlichter Heiner Geißler hatte die Erweiterung des Tiefbahnhofs um ein 9. und 10. Gleis als „unabdingbar“ bezeichnet, das werde auch von der Bahn „für notwendig gehalten“. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel hält die Ergänzung um eine sechsgleisige Station für nötig, der Tiefbahnhof werde „bereits zu Beginn an der Obergrenze seiner Leistungsfähigkeit operieren“, so Gastel am Donnerstag vor der Presse.

Verspätungen pflanzen sich fort

Der bahnpolitische Sprecher der Grünen hat den Gleisbelegungsplan für den Deutschlandtakt im Bahnhof untersuchen lassen. Täglich komme es zu 102 doppelt belegten Gleisen, in der Hauptverkehrszeit morgens und abends zu je 14 Doppelbelegungen. Gastel hat die Auswirkungen von Verspätungen von Zügen um vier, fünf und sechs Minuten prüfen lassen. Bereits bei diesen geringen Verspätungszeiten komme es zu „Kettenreaktion“, sagt er, „Stuttgart 21 wird dann zum Verschiebebahnhof“. Worst-Case-Szenarien wie ein blockiertes Gleis habe er nicht berechnen lassen. Den Vergleich mit dem Kopfbahnhof hält Gastel nicht für statthaft, „der ist 100 Jahre alt, S 21 soll aber der Bahnhof für die nächsten 100 Jahre sein“. Diese Infrastruktur sei in den 90er-Jahren geplant worden, seitdem hätten sich die Anforderungen mit Deutschlandtakt und Klimaschutz und dem Ziel, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, verschärft.

Thema für neue Koalition

Matthias Gastel plädiert für den Zusatzhalt mit sechs Gleisen, also einer zusätzlichen unterirdischen Station am Tiefbahnhof, die das Land begutachten lässt. Nötig sei auch der Ausbau der Zulaufstrecken. Im Deutschlandtakt sind zwei Gleise für den Hochgeschwindigkeitsverkehr aus Richtung Mannheim zum Tiefbahnhof vorgesehen. „Jedes zusätzliche Gleis hilft“, so Gastel.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärte am Donnerstag am Rande eines Pressetermins, dass bei den Koalitionsverhandlungen die Ergänzungsstation für Stuttgart 21 und „alle Optionen diskutiert werden“. Dazu könnte es in der Arbeitsgruppe Verkehr einen extra Ausschuss geben. „Wir müssen mit Doppelstockzügen arbeiten“, weil wir an der Kapazitätsgrenze des Bahnhof sind“, sagte er.

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