Der Großteil der 28 Kelchstützen, die einmal das Bahnhofsdach bilden, ist gebaut. Die darauf zu montierenden gläsernen Lichtaugen lassen aber auf sich warten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auch wenn von außen betrachtet der Tiefbahnhof erkennbar Formen annimmt, so geht es an einer entscheidenden Stelle von Stuttgart 21 nur schleppend voran.

Der Bau des neuen Durchgangsbahnhofs für Stuttgart 21 müsste weiter fortgeschritten sein, als er es aktuell ist. Der Einbau der großen, gläsernen Oberlichter auf dem Dach der künftigen Bahnsteighalle – die sogenannten Lichtaugen – hinkt weit hinter dem eigentlichen Plan hinterher.

Statt im März 2022 geht es erst Mitte 2023 los

27 dieser großen Glas-Stahl-Konstruktionen müssen auf die Kelchstützen aufgesetzt werden, dazu kommen noch vier Glaskuppeln an den Zugängen zur neuen Bahnstation – kein kleiner Auftrag, den sich im Sommer 2021 das Unternehmen Seele aus Gersthofen bei Augsburg gesichert hat. Nach einer eingehenden Planungsphase hätte die Montage der in den Seele-Werken vorgefertigten Einzelteile auf der Baustelle in Stuttgart im März 2022 beginnen sollen. Doch davon ist nach wie vor nichts zu sehen – und das wird sich so schnell auch nicht ändern. „Mitte 2023“ nennt Projektsprecher Jörg Hamann nun als Termin für den Beginn der Arbeiten. Das aber wirft Fragen nach dem Gesamtterminplan von Stuttgart 21 auf. Die Bahn hält eisern daran fest, dass der neue Bahnknoten im Dezember 2025 in Betrieb gehen soll.

Nach den bei der Auftragsvergabe vorliegenden Planungen war für den Bau der Lichtaugen und den Überdachungen an den Eingängen eine Gesamtdauer von drei Jahren, vier Monaten und 16 Tagen veranschlagt. Bei einem nun angekündigten Baubeginn Mitte des nächsten Jahres würde die Fertigstellung also in die zweite Jahreshälfte 2026 fallen.

Bahn will Bauablauf anpassen

Diese Rechnung relativiert Projektsprecher Hamann. „Wir halten an der Inbetriebnahme 2025 fest, darauf sind alle Planungen ausgerichtet. Wir haben den Bauablauf für den Einbau der Lichtaugen so angepasst, dass mehrere Lichtaugen parallel erstellt werden können.“ Schon bisher war vorgesehen, dass immer an zwei der Oberlichter gleichzeitig gearbeitet werden sollte.

Hohe Komplexität

In 14 verschiedenen Montagephasen zwischen dem 7. März 2022 und dem 23. Juli 2025 hätten so die Lichtaugen und die gläsernen Überbauten an den Eingängen entstehen sollen. Will man den Termin für den Abschluss der Arbeiten im Sommer 2025 halten, so muss der Montagezeitraum von den ursprünglich vorgesehenen mehr als drei Jahren auf zwei Jahre schrumpfen. „Entscheidend ist nicht, wann der Einbau der Lichtaugen beginnt, sondern dass er pünktlich abgeschlossen wird“, sagt Jörg Hamann. Die Verzögerung beim Baustart erklärt er mit den intensiven Planungen, die abgeschlossen sein müssen, ehe es an die Umsetzung gehen kann. Die Bahn habe zusammen mit dem beauftragten Unternehmen „aufgrund der hohen Komplexität der Aufgabe besonderes Augenmerk auf die Ausführungsplanung gelegt“.

Am Fortschritt beim Bau der Bahnsteighalle – aktuell sind 23 der 28 Kelchstützen – gebaut, liege die Verzögerung nicht. „Im südlichen Bereich der Bahnsteighalle sind wir mit dem Betonbau für das Bahnhofsdach bereits nahezu fertig, und dort werden wir mit dem Einbau der Lichtaugen beginnen“, sagt Hamann. Der Ausbau des unterirdischen Betongewölbes zu einem Bahnhof, in dem Schienen liegen, auf denen Züge fahren können, werde durch den revidierten Zeitplan für die Lichtaugen nicht beeinträchtigt, erklärt er.

Nicht alle Eingänge können zunächst gebaut werden

Dem Druck, wieder Zeit gutzumachen, ist es nicht geschuldet, dass der Bahnhof bei seiner Inbetriebnahme noch nicht von allen Seiten gleich gut erreicht werden kann. Die Pläne sehen vier Zugänge vor, über denen sich die sogenannten Gitterschalen aus Glas und Stahl wölben: einen beim Bahnhofsturm, einen am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz, einen bei der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie sowie einen bei der ehemaligen Straße Am Schlossgarten. Doch dieser Zugang von der Parkseite aus kann zunächst nicht gebaut werden. Dessen Gitterschale benötige als Fundament eine bisher nur geplante Tiefgarage, die aber erst gebaut werden kann, wenn der heutige Querbahnsteig des Kopfbahnhofs abgerissen ist. Dies kann frühestens geschehen, wenn die oberirdischen Gleisanlagen des Bahnhofs nicht mehr gebraucht werden. Hamann sagt, man befinde sich dazu „in Abstimmung mit der Landeshauptstadt. Deshalb steht noch nicht fest, wann wir den Zugang am Schlossgarten bauen werden. Zur Inbetriebnahme des künftigen Hauptbahnhofs wird es dort aber zumindest einen Fluchtausgang geben.“