Immer mehr Zahnärzte arbeiten in Anstellung. Foto: dpa//Patrick Pleul

Die Zahnmedizin wird immer weiblicher und zunehmend in Anstellung ausgeübt. Das zeigt der neue Versorgungsbericht der Kassenzahnärzte im Südwesten.

Stuttgart - Zahnärztinnen und Zahnärzte entscheiden sich immer häufiger für ein Angestelltenverhältnis, um ihren Beruf auszuüben. Aktuell sind 2066 der insgesamt 8071 Kassenzahnärzte im Südwesten in Anstellung tätig. Das bedeutet ein Plus von knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Baden-Württemberg in ihrem neuen Versorgungsbericht schreibt.

Seit 2015 ist die Zahl der Anstellungsverhältnisse damit um fast 58 Prozent gestiegen. Etwa zwei Drittel der angestellten Zahnärzte sind weiblich. Die Autoren der Berichts, der in der kommenden Woche erscheint, führen das auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Anstellung zurück. Diese ermögliche flexible Arbeitszeiten und insbesondere auch Teilzeitarbeit.

Die KZV-Vorstandsvorsitzende Ute Maier leitet aus dem Trend zur Anstellung die Forderung nach mehr Studienplätzen in der Zahnmedizin ab. Junge Zahnärzte hätten wie viele Nachwuchsmediziner heute eine andere Vorstellung vom Beruf und stünden für die Versorgung der Patienten nicht mehr so umfänglich zur Verfügung wie noch in früheren Jahren. Um die Versorgung auf hohem Niveau zu halten, müssten deshalb entsprechend mehr Zahnärzte ausgebildet werden, so Maier. Nach Berechnungen der KZV seien mindestens 150 zusätzliche Studienplätze in Baden-Württemberg erforderlich, erklärte KZV-Chefin Maier gegenüber unserer Zeitung. 2019 gab es im Südwesten 1891 Studierende in der Zahnmedizin.

Angestellte Zahnärzte arbeiten weniger

Angestellte Zahnmediziner arbeiten im Durchschnitt weniger als ihre niedergelassenen Kollegen. Das trifft insbesondere auf die Frauen zu. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt laut einer Befragung aus dem vergangenen Jahr bei 27,5 Stunden. Die KZV im Land geht davon aus, dass die Anzahl der Zahnärztinnen bis 2030 höher sein wird als die der Zahnärzte. Das zeige den Strukturwandel eines Berufsstands, der noch in den 1980er und 1990er Jahren männlich geprägt war.

Laut dem KZV-Versorgungsbericht ist die zahnmedizinische Behandlung überall in Baden-Württemberg leidlich sichergestellt. Im Durchschnitt kommt ein Zahnarzt auf 1371 Einwohner. Regional gibt es aber Unterschiede. So beträgt das Verhältnis im Ulm eins zu 890 und im Enzkreis ein zu 2142. In den Landkreisen Calw und Freudenstadt gibt es ebenfalls deutlich weniger Zahnärzte als anderswo. In allen drei Kreisen kann dennoch nicht von einer Unterversorgung gesprochen werden. Dies wäre der Fall, wenn der Versorgungsgrad unter 50 Prozent fiele. Als Richtwert für Landkreise gilt ein Zahnarzt-Einwohner-Verhältnis von eins zu 1680 (Versorgungsgrad 100 Prozent).

Sorgen bereiten der KZV die Einbußen wegen der Corona-Pandemie. Viele der 4952 Einzel- und Gemeinschaftspraxen sowie 165 zahnmedizinischen Versorgungszentren im Land mussten Kurzarbeit anmelden, da fast nur noch Notfälle behandelt wurden. Allein im April gingen die Umsätze um durchschnittlich 43,2 Prozent zurück. Seit Anfang Mai sind Behandlungen wieder uneingeschränkt möglich. Neuere Umsatzzahlen liegen aber noch nicht vor.

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