Wie sicher ist die Stromversorgung im Kreis Esslingen? Nach einem Stromausfall und dem Berliner Anschlag stellt sich die Frage nach dem Schutz der Netze. Experten geben Einblicke.
Stromausfälle gibt es immer wieder, auch im Kreis Esslingen. So auch in der Nacht auf diesen Freitag, als es in Teilen von Esslingen zur Unterbrechung kam. Mit Blick auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz, der für zehntausende Menschen einen tagelangen Blackout zur Folge hatte, war einem Leser unserer Zeitung direkt mulmig zumute. Nicht nur ihm dürfte sich da die Frage aufdrängen: Wie gut geschützt sind die Netze und großen Anlagen im Kreis Esslingen – darunter das Kraftwerk Altbach/Deizisau und die Hauptschaltleitung in Wendlingen, von wo aus das Hochspannungsnetz von ganz Baden-Württemberg gesteuert wird? Droht auch hier ein so weitreichender Blackout?
„Es kann nicht alles ausgeschlossen werden“, sagt Sebastian Ackermann, Leiter der Kommunikation der EnBW Energie Baden-Württemberg AG – als Kraftwerksbetreiber eines von mehreren Unternehmen, die im Kreis Esslingen dafür sorgen, dass die Menschen Strom haben. Doch es sei möglich, bei Ausfällen die Stromversorgung schnell wieder herzustellen. Anlagen der Stromerzeugung sowie der Höchstspannungs- und Verteilnetze seien Teil der kritischen Infrastruktur und entsprechend der Vorschriften geschützt. Der EnBW-Produktionsstandort in Altbach/Deizisau, der Haushalte in der Region mit Strom und Fernwärme versorgt, wird derzeit vom Kohle- zum wasserstofffähigen Gaskraftwerk umgebaut. 2027 sollen die neuen Anlagen in Betrieb gehen.
Altbach-Kraftwerk: Schutzmaßnahmen bleiben geheim
Altbach und andere Kraftwerke seien besonders geschützt – wie genau, dazu will Ackermann aus Sicherheitsgründen keine Auskunft geben. Wenn Betriebsmittel dennoch ausfielen, gebe es andere Anlagen, die im Regelbetrieb ausgleichen oder aus der Reserve zugeschaltet werden könnten.
Auch bei Unterbrechungen der Versorgung im Netz können diese nach Aussagen der Energieunternehmen und Netzbetreiber in Baden-Württemberg schnell überbrückt werden. Denn in Baden-Württemberg gebe es einen engen Vermaschungsgrad der Netze, die ineinander schließen. Tausende Kilometer Stromleitungen abzusichern, sei schwierig, ergänzt Ackermann. Wenn terroristische Vereinigungen sich ein Ziel aussuchten, könnten Anschläge zumindest nicht immer verhindert werden. Aber man könne die Versorgungssicherheit durch Ringzuschaltungen immer wieder herstellen.
„Unser Netz ist mit einer Verfügbarkeit von rund 99,9 Prozent sehr stabil und darauf vorbereitet, auch ungewöhnliche Situationen abzufedern“, teilt auch Clemens von Walzel von der Presseabteilung von TransnetBW mit. Die EnBW-Tochter betreibt das Stromübertragungsnetz in Baden-Württemberg und auch die Hauptschaltleitung in Wendlingen – hier geht es um das Höchstspannungsnetz zur überregionalen Übertragung großer Strommengen beispielsweise von Kraftwerken an Verteilzentren. Wenn es zu Problemen komme, griffen automatische Schutzmechanismen, sagt von Walzel – neben der Zuschaltung von Reservekraftwerken beispielsweise die Abtrennung gewisser Netzteilbereiche, um größere Störungen zu verhindern. Auch die Wendlinger Anlage wird nach Angaben des Pressesprechers entsprechend geschützt – wie genau, dazu hält auch er sich bedeckt.
„Keine Nachahmereffekte“: Geheimhaltung bei Angriffen auf Stromnetze
Zu den bisherigen Angriffen auf Anlagen und Netze in Baden-Württemberg geben sich die Pressesprecher schmallippig. „Wir wollen keine Nachahmereffekte“, sagt Ackermann. Nur so viel: Einen Anschlag wie in Berlin habe man bislang nicht verzeichnen müssen. Es gebe aber beispielsweise sehr wohl Versuche, über Cyberkriminalität Zugang auf Systeme zu erlangen. Dagegen könne man sich mit den Mitteln, die man habe, schützen.
Wohl keine Sabotage, sondern ein defektes Kabel war nach Angaben des Verteilnetzbetreibers NetzeBW Ursache des Esslinger Stromausfalls in der Nacht auf Freitag. Er war auch nach nur 50 Minuten behoben, wie die Pressestelle erklärte. „Durch die redundante, also doppelt gesicherte Stromversorgung ist die schnelle Rückkehr des Stroms in Etappen möglich gewesen.“ Monteure schalteten das Netz so um, dass der Strom um die Schadensstelle herumgeleitet wurde.