Anzeigen wie diese auf der A 8/A 81 vor Leonberg machen den Autofahrern bald auch am Kreuz Weinsberg und am Dreieck Karlsruhe Vorschläge. Foto: LST/RPT - LST/RPT

Mit der Sanierung des Engelbergtunnels, die bis 2024 angesetzt ist, soll dem Verkehrskollaps entgegen gewirkt werden.

StuttgartMit der Sanierung des Engelbergtunnels, die unter der Fahrbahn seit September vergangenen Jahres läuft und die oberirdisch vom Frühjahr an bis 2024 weitergeht, soll endgültig Ruhe an der Anhydrit-Front einkehren. Von Anfang an hat quellender Gipskeuper in einem Teil des mehr als 2,5 Kilometer langen Tunnels auf die Wände gedrückt und immer wieder Schäden verursacht. Nun bekommt der etwa 175 Meter lange Problemabschnitt ein Korsett, das seine Form auf Dauer halten soll.

Für 130 Millionen Euro gibt es im einst für 650 Millionen Euro errichteten, wohl größten Autotunnel Europas aber noch mehr: Die komplette Betriebstechnik mit Strom- und Löschwasserleitungen und anderem wird erneuert. Dazu gehören 24 Verkehrszeichenbrücken mit 160 flexiblen LED-Verkehrszeichen, die bereits ausgetauscht wurden. Die längsten mit fast 55 Metern stehen über den Portalen. Mit den Brücken soll die Baustellenführung angezeigt werden können, so dass kein Anhänger mit Verkehrszeichen der Straßenmeisterei mehr zum Einsatz kommen soll. Zwei Brücken und 60 LED-Verkehrszeichen hat das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart speziell für die Baustellenzeit anbringen lassen. Mit den neuen Brücken können die Experten alle flexiblen Verkehrszeichen auf der A 8 zwischen Leonberg und Wendlingen sowie auf der A 81 zwischen Leonberg und Mundelsheim verknüpfen und steuern.

110 000 Fahrzeuge täglich

Die Brücken zählen aber nicht zu dem Paket, mit dem es die Behörde schaffen will, über die gesamte Bauzeit zumindest tagsüber jeweils drei Spuren je Fahrtrichtung offenzuhalten. Eine Röhre zu schließen, ist angesichts von durchschnittlich 110 000 Fahrzeugen täglich im Tunnel keine Option. „Wir können den Verkehr nicht in das nachgeordnete Straßennetz ableiten“, sagt Reinhold Frenzl, Leiter des Referats Großprojekte beim Regierungspräsidium. Dafür dauern die Arbeiten länger und kosten eine Menge. Nach Angaben von Frenzl entfallen alleine rund zehn Millionen Euro auf die Verkehrsführung.

Vor dem A 6/A 81-Kreuz Weinsberg bei Heilbronn etwa sind jüngst vier Großdisplays für 2,8 Millionen Euro aufgestellt worden, die den Verkehrsteilnehmern aus Richtung Mannheim, Nürnberg und Würzburg anzeigen sollen, ob in Richtung Stuttgart Stau ist und wie lang dieser ist. Wer weiter in Richtung Karlsruhe oder München will, kann sich dann entscheiden, ob er lieber über das Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim (A 7) oder das Kreuz Walldorf (A 5) fahren will. Ein solches Großdisplay steht seit 1990 auf der A 8/A 81 zwischen dem Kreuz Stuttgart und dem Dreieck Leonberg. Nach Angaben der Landesstelle für Straßentechnik in Stuttgart beachten 20 bis 30 Prozent der betreffenden Autofahrer die Vorschläge.

Zwei weitere Anzeigen für 1,3 Millionen Euro sind über der A 5 von Süden kommend kurz vor Karlsruhe geplant. Diese kommen nach Angaben des Regierungspräsidiums Tübingen mit Verzögerung, da ein Ingenieurbüro nicht fertig wurde und die Preise zwischendurch gestiegen sind. „Das musste vom Bund genehmigt werden“, so RP-Sprecher Dirk Abel. Ab wann genau es im Engelbergtunnel eng zugehen wird? „Das steht noch nicht fest“, sagt Enrico Hinz. Fest steht, dass die Anlagen am Weinsberger Kreuz in Betrieb gehen, wenn die Spuren im Tunnel verengt werden. Ebenso wie die 13 kleineren Displays in der Region Stuttgart, mit denen die Straßentechniker anzeigen wollen, wie lange der Verkehrsteilnehmer bis zu einer bestimmten Stelle braucht, wenn er auf der A 81 oder A 8 bleibt und wie lange es dauert, wenn er die nächste offizielle Umfahrung (weißes U auf blauem Grund) nimmt. „Die Verkehrsteilnehmer werden aktuell und genau informiert“, sagt Enrico Hinz. Ziel sei, dass „der Verkehr auf der Autobahn bleibt und nicht in die umliegenden Kommunen ausweicht“. Diese Displays können kurzfristig aufgestellt werden, da sie nicht ans Stromnetz angeschlossen werden. Sie werden an der A 8, der A 81 und der B 295 in Weilimdorf, Ditzingen und Leonberg stehen. „Mit ähnlichen Displays an der A 5 haben die Kollegen gute Erfahrungen gemacht“, sagt Enrico Hinz. Die Autofahrer seien nicht in der gewohnten Menge abgefahren, die Umfahrungen nicht so oft verstopft gewesen. Die Reisezeitanzeigen werden mit Daten aus Navigationssystemen von Autos gefüttert.

Navis sollen später reagieren

Noch nicht am Ziel ist Hinz bei den Gesprächen mit den Betreibern von Datenplattformen, die Navis beliefern. „Unser Ziel ist, dass die Navis nicht allzu schnell empfehlen, die Autobahnen zu verlassen, wenn der Verkehr erst zu stocken anfängt“, sagt der Projektleiter. Allzu schnell könnten die Umfahrungen durch Ditzingen und Leonberg in Richtung der A 8-Anschlussstellen Leonberg-Ost, -West und Rutesheim verstopft sein. Gerlingens damaliger Bürgermeister Georg Brenner nannte das Verkehrsmanagement im November „sehr, sehr klug und durchdacht“. Angesichts der Verkehrsmenge könne man sich aber auch „leicht vorstellen, was es bedeutet, wenn es zu einer Störung des Verkehrs kommt“. Zu langen Staus.

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