Er meint es schon ernst: Michael Wendler Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

RTL versucht, den Schlagersänger Michael Wendler aus der aktuellen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ zu löschen. Doch auch nicht so ganz.

Köln - RTL verspricht „deutliche technische Verbesserungen“. Das soll in diesem Fall heißen: Wenn an diesem Samstagabend die nächste Casting-Runde von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) zu sehen sein wird, soll das Ex-Jurymitglied Michael Wendler besser rausretuschiert worden sein als zuvor. In der vergangenen Ausgabe führten nämlich stark verpixelte und verschwommene Flächen an der Bildseite für Verwirrung bei manchen Zuschauern; einige vermuteten Defekte an ihrem TV-Gerät. In Wirklichkeit versuchte der Kölner Privatsender nur, den inzwischen bei ihm in Ungnade gefallenen Schlagersänger Michael Wendler (48) aus den bereits fertigen Aufzeichnungen durch nachträgliche Bildbearbeitung zu entfernen. Das soll nun noch störungsfreier gelingen.

Der Hintergrund: Eigentlich hatten sich RTL und Wendler bereits im Oktober 2020 voneinander getrennt. Wendler hatte damals per Fanseite der Bundesregierung vorgeworfen, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie das Grundgesetz zu missachten; zudem seien alle TV-Sender, darunter auch RTL, „gleichgeschaltet und politisch gesteuert“. Welche Seite daraufhin den ersten Trennungsschritt gegangen ist, blieb unklar. Problem für RTL: Die Castingshows, die den mehrwöchigen Auftakt jeder „DSDS“-Staffel bilden, waren schon abgedreht. Diese wollte RTL im Januar wie geplant zeigen, also noch mit Wendler als Juror.

3,5 Millionen Zuschauer sind dabei

Doch inzwischen hat Wendler argumentativ nachgelegt; auf seinem Telegram-Kanal verglich er zu Beginn des Jahres den Alltag im deutschen Lockdown mit dem Leben „in einem KZ“. Daraufhin zog Jörg Graf, der RTL-Geschäftsführer, persönlich die Reißleine. Am 7. Januar teilte er mit: „Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste. In Zeiten, in denen es darum geht, durch gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gemeinsam eine schwere Krise zu bewältigen, wird RTL mit einer Unterhaltungsshow nicht die Bühne für Menschen sein, die ihrerseits Spaltung und Verharmlosung propagieren“. Noch am gleichen Abend war die erste „DSDS“-Pixelshow zu sehen – immerhin 3,5 Millionen Zuschauer findet ein solches Spektakel.

Beispiellos ist die Aktion in der deutschen TV-Geschichte allemal. Dass Figuren wie Michael Wendler permanent an den Grenzen des guten Geschmacks kratzen, war dem Sender natürlich längst klar gewesen. Die Unterhaltungsformate von RTL leben ja letztlich von jenem Heer körperlich und geistig mehr oder weniger gut ausgestatteter Dumpfbacken, die von „DSDS“ über „Supertalent“, „Dschungelshow“, „Bachelor“ und „Bachelorette“ bis zum „Sommerhaus der Stars“ den Bildschirm bevölkern. Doch nicht jeder Geist, den RTL hier rief, hält sich an die Spielregeln. Nebenbei: TV-Gebühren kostet solcher Spaß den Zuschauer übrigens nicht.

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