Besucher der alten VKBI-Moschee lehnen die Entscheidung des Leinfelden-Echterdinger Gemeinderats einhellig ab. Manche äußern aber auch Verständnis für die Haltung der Stadt.
Hassan Celik lehnt entspannt an einem Auto vor der Moschee des VKBI. Durch eine Hand lässt er die schwarzen Perlen seiner Gebetskette wandern. Es ist halb ein Uhr mittags, eine Stunde vor dem Freitagsgebet. „Das ist ganz schlecht“, sagt er über den jüngsten Beschluss des Leinfelden-Echterdinger Gemeinderats zum Abriss des unfertigen Moschee-Rohbaus im Stadtteil Oberaichen. „Wir haben alle viel Geld dafür gespendet“, meint der 63-jährige Industriemechaniker, der freitags regelmäßig aus Vaihingen in die VKBI-Moschee in die Karlsruher Straße in Echterdingen kommt.
Wer freilich für diese Entscheidung verantwortlich ist, mag er nicht entscheiden: „Ich weiß es nicht“, meint er, „wahrscheinlich beide Seiten“. Niemand der an diesem Freitagmittag angesprochenen Moscheebesucher hat Verständnis für den Abriss-Beschluss des Gemeinderats. Aber auch niemand sieht in dem Entscheid einen Akt der Islamfeindschaft.
Abriss abgelehnt
Nach langem Rechtsstreit und außergerichtlichen Vergleichsgesprächen mit dem örtlichen Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) und dem dazugehörigen ultrakonservativen Kölner Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) hat die Stadt einen Schlussstrich gezogen: Kein neuer Vertrag mehr, Abriss der neuen Moschee durch den VKBI, aber Mithilfe bei der Suche nach Alternativräumen für die örtlichen Gläubigen. Der VIKZ lehnt den geforderten Moschee-Abriss ab: „Eine solche Forderung kann und wird unser Ortsverein nach eigenem Bekunden nicht umsetzen“, heißt es.
„Hier können wir doch nicht bleiben“, meint Erugur Kocak und zeigt auf die beiden alten Gemäuer. Die Alt-Moschee in einem Gewerbegebiet ist in einer von zwei kleinen zweigeschossigen Häuserzeilen aus den 1960er und 1970er Jahren untergebracht und macht von außen einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Der 58-jährige Installateur ist in Echterdingen aufgewachsen, lebt heute in Filderstadt und besucht dort auch die Graue-Wölfe-Moschee des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins in Bernhausen.
Zum ewigen Streitpunkt des wegen der integrationsfeindlichen Pädagogik umstrittenen Schülerwohnheims meint er nur kurz: „Die Integration muss über den Islam stattfinden. “ Ein anderer älterer Mann – Frauen waren keine zu sehen – schimpfte nur: „Das ist alles Politik.“ Wahrscheinlich meinte der Glatzkopf, der seinen Namen nicht nennen wollte, damit aber eher die Seit der Stadt als den eigenen Moscheeverein. Denn er war der Auffassung, der VKBI habe von Anfang an beides offen gesucht: Moschee und Schülerwohnheim. Laut Stadt war das allerdings nicht der Fall. Man wollte bis zuletzt die Moschee ermöglichen, das Schülerwohnheim aber zu keinem Zeitpunkt.
„Eingereichte Baupläne muss man einhalten“
Fatih S., ein Ingenieur aus Degerloch, der seine Mittagspause zum Freitagsgebet in Echterdingen nutzt, zeigt immerhin mit Blick auf das Baurecht Verständnis für die Stadt . Der 48-Jährige, der sich auch als Anhänger des jüngst verstorbenen Anführers der Gülen-Bewegung, Fetullah Gülen, zu erkennen gibt, meint kategorisch: „Der Verein muss sich an die eingereichten Baupläne halten.“ Da könne es keine Abweichung geben. „Es gilt, was der Staat genehmigt.“
Ohne alle Einzelheiten zu kennen, wie er betont, ordnet er die Verantwortung für das Scheitern der Beziehungen zwischen Verbandsmuslimen und Stadt aber eindeutig zu: „Der Verein ist schuld.“ Auch ihn schmerzt, dass mit dem Abriss die zahlreichen Spenden der Moscheebesucher verloren gingen. Ein Schülerwohnheim findet er generell gut. Da könnten junge Muslime viel über Allah und den Koran lernen.
Übergriffe „indiskutabel“
Die Heime sind allerdings umstritten, weil Kinder und Jugendliche, so beklagen Kritiker, den VIKZ-Katechismus, viel Koran-Suren auswendig und Arabisch lesen lernen, aber nichts kritisch hinterfragen dürfen. Außerdem kam es wiederholt zu körperlichen Übergriffen. So führten „Schläge auf den Hinterkopf“ und eine „rigide Erziehung“ laut zuständigem Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) zur Schließung des VIKZ-Schülerwohnheims in Friedrichshafen.
Trotzdem findet es Bilal Mohammed „schade“, dass der VKBI kein Heim errichten dürfe. Auch wenn körperliche Übergriffe in seinen Augen indiskutabel sind. „Kinder dürfen nicht geschlagen werden“, meint der 32-jährige Unternehmer aus Pakistan, der seit Jahren nach Echterdingen zum Beten kommt und mit dem Taxi vorfährt. Auch für ihn ist das Baurecht allerdings nicht verhandelbar. „Was der Staat nicht erlaubt, sollte man lieber lassen“, meint er. Dass nun aber ein neuer Gebetsraum wieder abgerissen werden soll, „tut mir in der Seele weh“, so Mohammed. Daher wünscht er sich, dass der Abriss des Moschee-Rohbaus doch noch abzuwenden ist. „Das ist auch jetzt noch möglich.“