Wegen der Streiks im öffentlichen Dienst bleiben immer wieder Kitas geschlossen. Foto: AP/Jens Meyer

Ludwigsburger Elternvertreter fordern von der Stadt, wegen der Kita-Streiks zu einer schnellen Lösung zu kommen. Der Oberbürgermeister verweist auf klamme Kassen – und aufs Land.

 Die Streiks im öffentlichen Dienst, die zur Folge haben, dass Kitas geschlossen bleiben, treffen vor allem die Familien. Mütter und Väter wissen nicht, wie sie den Tag organisiert bekommen, fürchten im schlimmsten Fall den Verlust ihres Arbeitsplatzes. So beschreibt Martin Hillgärtner das, was er in den vergangenen Streiktagen erlebt hat.

Hillgärtner ist Vorsitzender des Elternbeirats des Kinder- und Familienzentrums (Kifaz) Hartenecker Höhe. In einem offenen Brief an die Stadt Ludwigsburg formulieren acht Elternbeiräte den Unmut, der ihnen seitens der Mütter und Väter zugetragen wird. „Diese Streiks beeinträchtigen nicht nur den Alltag aller Familien in Ludwigsburg, sondern verschärfen auch die sowieso schon angespannte Betreuungssituation in den Kitas. Neben Krankheitsausfällen, Personalengpässen, vielen pädagogischen Tagen gibt es nun noch zusätzliche Tage, an denen die Einrichtung geschlossen bleibt.“

Herausforderungen für Familien

Wie problematisch das für die Familien sein kann, erläutert Hillgärtner im Gespräch. Im Kifaz, einer Kita mit 110 Kindern in drei Gruppen zwischen Oßweil und Schlösslesfeld, ist die Welt eigentlich noch in Ordnung. Die Erzieherinnen in der Kita sind engagiert und mit Herzblut dabei, sagt Hillgärtner- Es gibt einen Förderverein, der vieles Zusätzliche möglich macht.

Die Streiks aber sorgen für Druck bei der Elternschaft. Die Mütter und Väter stellen sich viele Fragen: Macht der Arbeitgeber mit? Kann ich spontan (schon wieder) Urlaub nehmen? Gibt es die Möglichkeit, Homeoffice zu machen? Besteht die Gefahr, den Arbeitsplatz zu verlieren?

Eltern monieren: Streik trifft nicht die Richtigen

Auch die Kinder leiden unter den geschlossenen Kitas, sagen die Eltern. Foto: dpa/Jan Woitas

„Der Streik, so wie er ausgetragen wird“, sagt Martin Hillgärtner, „trifft nicht die Richtigen, also die städtischen Arbeitgeber. Er wird auf dem Rücken der Kinder und Eltern und deren Familien ausgetragen.“

Deshalb fordert der Elternbeirat des Kinder- und Familienzentrums Hartenecker Höhe die Stadt Ludwigsburg auf, „sich unmittelbar, intensiv und nachhaltig dafür einzusetzen, dass die Tarifparteien schnelle Ergebnisse vorweisen können“, heißt es in dem offenen Brief. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Arbeitgeber sich bei der Tarifverhandlung wieder aufs Neue und über Monate ohne angemessene Angebote aus ihrer Verantwortung stehlen. Die Eltern und Familien werden mit den unmittelbaren Konsequenzen allein gelassen.“

Ins gleiche Horn stößt der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertageseinrichtungen in Ludwigsburg. „Wir befürchten, dass sich die Streiks weiter ausdehnen könnten, sollte die nächste Tarifrunde erneut ohne Ergebnis bleiben. Die Auswirkungen auf die Familien sind katastrophal“, heißt es in einem offenen Brief.

Die Ludwigsburger Elternvertreter sehen ihre berufliche Existenz gefährdet, da immer wieder Streiktage anfallen und „wir uns fragen müssen, wie lange die Arbeitgeber noch Verständnis zeigen werden“. Zudem litten die Kinder unter den anhaltenden Ausfällen. „Sie vermissen ihre gewohnte Umgebung, ihre Freunde und die Stabilität, die eine Kita ihnen bieten sollte.“

Nicht hinnehmbar sei, so heißt es in dem Schreiben des Gesamtelternbeirats, dass bei eintägigen Schließungen keinerlei Rückerstattung der Kita-Gebühren oder Essensgeld erfolge. „Ein finanzieller Nachteil, den wir als Eltern zusätzlich tragen müssen, während die Arbeitgeber durch die Streiks Personalkosten sparen, da die streikenden Beschäftigten an diesen Tagen kein Gehalt erhalten.“

Letztlich treffe also der Streik die Falschen, so die Elternvertreter. Nämlich nicht die eigentlichen Entscheidungsträger, sondern die Eltern und ihre Kinder. Deshalb verlangt der Gesamtelternbeirat, der die Forderung der Erzieher grundsätzlich unterstützt, „dass eine schnelle, faire und nachhaltige Lösung gefunden wird, die die berechtigten Interessen der Erzieher und Erzieherinnen sowie die Bedürfnisse der betroffenen Familien in den Mittelpunkt stellt“.

OB Knecht: Verständnis für Elternsorgen

Beide Briefe richten sich unter anderem an die Stadt Ludwigsburg. Die allerdings kann über die künftige Bezahlung der Erzieher nicht entscheiden. Die Stadt ist an den Tarif gebunden, den die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft Verdi aushandeln. Die Argumente und Forderungen der Eltern kann der Ludwigsburger Oberbürgermeister nachvollziehen. „Wir teilen die Sorge der Eltern und wissen, dass die Kräfte in den Kitas großartige Arbeit leisten, für die sie angemessene Bezahlung verdienen“, sagt Matthias Knecht auf Anfrage.

Allerdings gibt es ein „aber“. „Bereits jetzt erbringt die Stadt mit schmerzlichen Einsparungen an vielen Stellen Opfer, um weiterhin angemessen in Bildung und Betreuung investieren zu können“, so Knecht. „Wir quetschen die Zitrone maximal aus – mehr geht nicht mehr“, sagt er mit Blick auf die klammen Kassen der Kommunen. Deshalb fordert der Ludwigsburger Oberbürgermeister die Tarifparteien auf, zügig zu einer Lösung zu kommen. „Allerdings darf diese nicht einseitig zu Lasten der Kommunen gehen. Sollte dies doch der Fall sein, muss sich das Land der Verantwortung für die Kommunen stellen und die Zuschüsse zur Kinderbetreuung deutlich erhöhen.“