Von wegen eingestaubtes Kartenspiel: An der Uni Stuttgart treffen sich jede Woche Studierende zum Skat. Einige von ihnen nehmen dieses Jahr sogar an den Landesmeisterschaften teil.
Ein Ass, dann eine Dame und darauf eine Sieben – konzentriert legen die Spieler:innen ihre Karten ab. Zwischendurch ein „Ich bin weg“ zu hören, manchmal Jubel, manchmal leises Fluchen. Seit knapp zwei Jahren lernen Studierende das traditionsreiche Spiel im Rahmen des Unisports Stuttgart und spielen montagabends gegeneinander. Manche von ihnen werden in diesem Jahr sogar an den baden-württembergischen Landesmeisterschaften teilnehmen.
Miro (24), Informatikstudent und inzwischen im dritten Semester dabei, mag beim Skat vor allem die Mischung aus Taktik und Glück. „Bei Schach muss man ein bisschen mehr im Kopf haben als ich“, sagt er lachend, während bei Skat auch Glück mitspielt. Auf der Rangliste, die jeden Montagabend an der weißen Tafel hängt, belegt er aktuell den zweiten Platz – direkt hinter dem amtierenden deutschen Jugendmeister, der ebenfalls an dem Kurs teilnimmt.
Das Interesse am Kurs und somit die Konkurrenz wächst von Semester zu Semester: „Diesmal sind es 29 Anmeldungen“, sagt Kursleiter Jürgen Woita stolz über die Entwicklung.
„Bei Skat macht’s Spaß, aus Fehlern zu lernen“
„Bei uns steht der Spaß im Vordergrund“, betont Woita, während er mit drei Studierenden am Tisch sitzt und Karte für Karte ausspielt. Natürlich gebe es Regeln, an die man sich halten müsse – doch auch Fehler dürften gemacht werden. „Hier wird niemand angeschnauzt“, sagt der Luft- und Raumfahrtstudent Johannes (22), der die lockere Atmosphäre besonders schätzt. Auch Aron (19), der AI und Data Science studiert, findet: „Bei Skat macht’s Spaß, aus Fehlern zu lernen.“
Genau das sei nicht selbstverständlich, erklärt Woita. Viele ältere Skatrunden in Kneipen und an Stammtischen hätten mit Besserwisserei und schlechter Stimmung dazu beigetragen, dass Skat als Denksportart immer mehr an Beliebtheit verliere und letztendlich aussterbe. Im Unisport wolle er bewusst dagegen vorgehen und den jungen Leuten mit seinem Ehrenamt Skat nahebringen.
Johannes habe Skat durch seinen Mitbewohner Simon (24) wieder entdeckt. Simon, der schon seit Beginn dabei ist, schätze an Skat besonders, dass es schnell gehe und auch mal kurz zwischendurch gespielt werden könne. „Außerdem habe ich viele meiner Freunde hier kennengelernt“, sagt der Luft- und Raumfahrtstudent.
Rund 20 Studierende erscheinen aktuell regelmäßig, darunter auch zwei junge Frauen. Viele Studierende kommen direkt zu Beginn des Kurses, um 18 Uhr, damit sie den 25-minütigen Theorieteil am Anfang nicht verpassen. Damit erhalte jeder und jede von ihnen die Möglichkeit, neue Strategien zu erlernen und somit die Chancen auf einen Sieg zu verbessern, so Woita.
Um bei den Anfänger:innen mitspielen zu können, würden laut Woita die Grundregeln ausreichen, die schon innerhalb einer Stunde gelernt werden können. In jedem Semester kommen immer wieder Anfänger dazu, die in den meisten Fällen auch dabeibleiben.
Weitere Spielrunden im Unithekle
Mittlerweile ist es kurz vor acht. „Bitte alle in 10 Minuten fertig sein“, ruft Woita durch den Raum. Dann wird die erste Runde ausgerechnet und die Spielgrüppchen durchgemischt. Profis seien nach etwa 2,5 Minuten mit einem Spiel fertig, im Kurs dürfe es dagegen entspannt sieben bis acht Minuten dauern. Für viele endet der Abend aber nicht im Kursraum: Wer Lust hat, zieht danach weiter ins Unithekle.
Bei Skat gebe es Milliarden Möglichkeiten – doch wer vier Bube auf einmal habe, gewinne zu 99 Prozent, erklärt Woita. Die Spielergebnisse werden während den Runden notiert und später in eine Excel-Liste aufgenommen, um herauszufinden, wer sich verbessert oder verschlechtert hat. Ziemlich professionell.
Im März wird in Stuttgart der Nordwürttembergische Studentencup ausgetragen – ein Termin, auf den sich Woita und viele Teilnehmende schon jetzt freuen.
Jede:r ist willkommen
Trotz der Rangliste und den Turnieren steht der Kurs allen offen – vom absoluten Anfänger bis zum erfahrenen Spieler. Also: einfach mitspielen, ausprobieren und dabeibleiben. Im Unisport steht Skat nicht für Perfektion, sondern für Gemeinschaft – und genau das macht den Reiz aus.
Skat, Unisport Stuttgart, Allmandring 28 F, Seminarraum U.109, montags 18 Uhr, Anmeldung hier >>>
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