Der Verkehr auf der Stuttgarter Straße in Kornwestheim ist trotz Tempo 40 immer noch zu laut. Kommt nun Tempo 30? Foto: Simon Granville

Für den Gesundheitsschutz könnte auch in der Ortsdurchfahrt in Kornwestheim bald Tempo 30 gelten. Berechnungen zeigen, dass aktuell Lärmgrenzwerte zu häufig überschritten werden.

Viele Kommunen brüsten sich gerne damit, Vorreiter in einem bestimmten Themengebiet zu sein oder eine bestimmte Sache im Sinne der Bürger besonders voranzutreiben und Vorgaben umzusetzen. Zumindest einem Teil der Kornwestheimer Bevölkerung wäre es aber wohl lieber, wenn die Stadt in Sachen Lärmaktionsplan das Tempo etwas reduzieren würde.

In Kornwestheim soll nämlich demnächst die vierte Stufe der Maßnahmen gegen Verkehrslärm gezündet werden. Dabei hat die Stadt wenig Handlungsspielraum – und doch erntet schon die Vorstellung eines Ingenieurbüros zu dem Thema ganz grundsätzliche Gegenstimmen im Ausschuss für Umwelt und Technik.

„Die Leute auf der Straße sehen das immer mehr als Schikane an“, warnte etwa Silvia Stier (CDU). „Wir sind zu empfindlich geworden“, sagte ihr Fraktionskollege Hans-Joachim Schmid. Dagegen hielt unter anderem Edda Bühler (Grüne): „So sehen das nur Leute, die nicht an einer Hauptverkehrsstraße wohnen.“

Heißt es bald auch in Kornwestheim an der Ortsdurchfahrt „ Tempo 30“? Foto: Werner Kuhnle

Ganz klar, es geht um die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Aber der Reihe nach: Alle fünf Jahre muss der Lärmaktionsplan, also das Werk, das Maßnahmen gegen gesundheitsschädlichen Straßenlärm einer Kommune zusammenfasst, aktualisiert werden. Das ist nun in Kornwestheim so weit, andere Kommunen im Kreis werden folgen.

Tempo 30 und leiser Asphalt sollen gegen Lärm helfen

In den vergangenen fünf Jahren haben sich laut Adrian Gericke vom Ingenieurbüro Modus zwei Dinge geändert: Es gibt mehr Verkehr und die Berechnungen sind genauer geworden. Das heißt, es braucht neue Maßnahmen, um gegen gesundheitsschädlichen Lärm vorzugehen. Es gibt zu viele Grundstücke, bei denen die Grenzwerte von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts überschritten werden.

Im Lärmaktionsplan ist deshalb vorgesehen, dass mehr Straßen mit Tempo 30 versehen werden. In einem weiteren Schritt soll besonders leiser Asphalt verbaut werden. Prominentestes Beispiel für eine vorgeschlagene Temporeduzierung ist die Stuttgarter Straße, aber auch die John-F.-Kennedy-Allee in Pattonville. Statt 40 soll dort nur noch 30 Stundenkilometer schnell gefahren werden dürfen – das würde eine Lärmminderung von 1 bis 2 Dezibel bringen.

Lärmreduzierung durch Schallschutzfenster und -wände

„Wir entscheiden hier heute nichts“, stellte der Erste Bürgermeister Daniel Güthler klar. Die Maßnahmen im Lärmaktionsplan sollen zunächst öffentlich ausgelegt werden. Dann gibt es die Möglichkeit, dazu Stellung zu beziehen. Der Entwurf kann auch noch abgeändert werden.

Wie man allerdings auf anderem Weg zu Lärmminderungen kommen will, scheint nicht klar. Möglich, aber nicht praktikabel, wären etwa Schallschutzwände entlang der betroffenen Straßen. Eine Temporeduzierung nur in der Nacht reiche nicht aus, um unter die gesetzlichen Grenzwerte zu kommen. Sehr teuer würde die Finanzierung von Schallschutzfenstern für alle Anwohner. Güthler fasste es so zusammen: „Die Temporeduzierung ist der gerechteste und für die Stadt günstigste Weg.“

Dass die Zahl der E-Autos steigt, spiele keine Rolle, sagte der Experte Gericke, denn bei den infrage stehenden Geschwindigkeiten sei das Reifenabrollgeräusch die größere Lärmquelle als der Motor.

Den Lärm, den Bahn und Flugzeuge oder Hubschrauber verursachen, erfasst der Lärmaktionsplan im Übrigen nicht. Laut Gericke gebe es dafür eigene Pläne mit eigenen Berechnungen.