Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wirft China unfaire Handelspraktiken vor. Foto: dpa/Olivier Hoslet

Chinas Erfolg liegt weniger an Subventionen als an einer klugen Strategie. Die angedrohten EU-Zölle senden das falsche Signal aus, Europa müsse sich vor der Konkurrenz schützen. So wird man im Wettbewerb nicht erfolgreich, meint Klaus Köster.

Es wirkt auf den ersten Blick heroisch, wenn sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schützend vor die europäische Autoindustrie stellt: Der Preis chinesischer Autos werde durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt, sagte sie, als sie im vergangenen Jahr ankündigte, Strafzölle gegen chinesische E-Autos zu prüfen. Die Weltmärkte würden „von billigeren chinesischen Elektroautos überschwemmt“.

Doch die Begeisterung derer, die jetzt geschützt werden sollen, hält sich in Grenzen, zumindest in Deutschland. Viele vertreten die Ansicht, die EU solle sich dem Wettbewerb lieber durch konkurrenzfähige Autos stellen als durch die absehbare Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen. Ganz ähnlich hat es auch China selbst zu seiner heutigen Stärke gebracht, das einst den US-Hersteller Tesla ins Land geholt und die eigene Autobranche zu Anstrengungen genötigt hatte, die nun der EU das Fürchten lehren.

EU misst mit zweierlei Maß

Die EU stellt ihre Zölle als Akt eines fairen Handels dar – ist aber selbst nicht zimperlich, wenn es um Milliardensubventionen für den Bau von Batterie- und Chipfabriken geht. Chinas Vorsprung ist ohnehin weniger auf Subventionen zurückzuführen als auf die kluge Entwicklung von Technologien und die strategische Sicherung von E-Rohstoffen. Anstatt sich in der Rolle des schlechten Verlierers einzurichten, sollte Europa sich auf seine Stärken besinnen. Dann wäre auch ein Platz auf der Überholspur drin.