Der Waiblinger Gerätehersteller streicht Arbeitsplätze im Entwicklungszentrum – zusätzlich zu dem bereits im Frühjahr angekündigten Stellenabbau.
Der Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl streicht 100 Stellen im Entwicklungszentrum im Waiblinger Teilort Neustadt. Betroffen ist laut einem Bericht des Zeitungsverlags Waiblingen (ZVW) das Geschäftsfeld der Mähroboter. Die Entwicklung und Produktion dieser Geräte soll künftig in China neu aufgebaut werden. Die betroffenen Mitarbeiter seien informiert worden, Gespräche mit dem Betriebsrat laufen.
China gilt für Stihl als Schlüsselmarkt
Der Hintergrund des Stellenabbaus ist ein rasanter Wandel des Marktes. Mähroboter, die keinen Begrenzungsdraht rund um die zu mähende Wiese mehr benötigen und selbstständig die Rasenfläche erkennen, gewinnen an Bedeutung. Sie haben inzwischen einen Marktanteil von rund 50 Prozent – Tendenz steigend. Stihl bietet bislang keine drahtlosen Modelle an. „Wir wollen aber weiter im Robotik-Geschäft wachsen“, sagte der Stihl-Vorstandschef Michael Traub dem ZVW.
China gilt für Stihl als Schlüsselmarkt und Technologiestandort. Dort gebe es laut Traub ein dichtes Netz spezialisierter Zulieferer, viel Erfahrung mit Kameratechnik und Sensorik sowie jährlich Millionen neue Ingenieure. Bereits seit 2006 produziert Stihl in Qingdao, wo heute mehr als 1000 Menschen arbeiten. Traub verglich die Verlagerung der Mähroboter-Entwicklung mit der Entscheidung von Hans Peter Stihl 1973, erstmals Motorsägen im Ausland zu fertigen.
Stihl befindet sich in einer Phase des Umbruchs
Die übrigen Kernprodukte – Kettensägen, Freischneider, Rasenmäher, Blasgeräte und Heckenscheren – bleiben weiterhin am Stammsitz. Waiblingen soll weiter Zentrum der Umstellung von Benzin- auf Akkugeräte bleiben. Dies entbehrt allerdings nicht einer gewissen Ironie: Auf einer Pressekonferenz im Frühjahr hatte der Stihl-Vorstand betont, die Produktion von Akkugeräten vor allem außerhalb Deutschlands realisieren zu wollen.
Der aktuelle Stellenabbau kommt in einer Phase des Umbruchs. Bereits im April hatte Stihl angekündigt, weltweit 500 Stellen zu streichen, vor allem in der Verwaltung. Hintergrund ist eine veränderte Marktlage nach dem Corona-Boom, als Stihl zeitweise mehr als 21 000 Menschen beschäftigte. Heute sind es rund 19700, davon mehr als 6000 in Deutschland. Allein in der Region Waiblingen arbeiten rund 5000 Menschen, die Zahl ist seit 2022 moderat gestiegen.
Zuletzt meldete Stihl ein leichtes Wachstum
Auch im Vorstand gibt es Bewegung: Entwicklungschefin Anke Kleinschmit verließ Ende Juni das Unternehmen, Nachfolger wurde Holger Lochmann. Von einst drei Frauen im Vorstand ist nun nur noch Finanzchefin Ingrid Jägering übrig.
Trotz dieser Einschnitte meldete Stihl zuletzt ein leichtes Wachstum: Im Jahr 2024 stieg der Umsatz auf 5,33 Milliarden Euro. Mehr als 90 Prozent davon erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland.