Der Weltmarktführer Renner äußert sich zur Verlagerung seiner Produktion aus Gärtringen. Der Geschäftsführer gibt Einblicke in die Gründe und die Zukunft der verbleibenden Mitarbeiter.
Im Oktober verkündete die Firma Renner ihrer Belegschaft, dass sie ihren Stammsitz in Gärtringen schließen und die Produktion vollständig an den Zweitsitz in Meuselwitz bei Leipzig verlegen werde. Für 45 Mitarbeitende bedeutet diese Nachricht das Ende ihrer Karriere bei dem Weltmarktführer für Klaviermechaniken.
15 Mitarbeitende sollen noch bis März 2027 weiterbeschäftigt werden. „Uns ist der Wissenstransfer wichtig“, erklärt Erik Stieler, Geschäftsführer des Unternehmens. Weitere 15 Mitarbeitende seien weiterhin hybrid bei der Firma angestellt. Das bedeutet: Eine Woche im Monat werden sie in Meuselwitz bei Leipzig sein, den Rest der Zeit können sie von zu Hause aus arbeiten.
Für viele war das Standort-Aus von Renner ein Schock
Letzte Woche hätten die finalen Verhandlungen mit dem Betriebsrat stattgefunden, sagt der Geschäftsführer. Unterschrieben waren die Regelungen zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Zeitung am Donnerstagnachmittag allerdings noch nicht. Auch wenn nun alles unter Dach und Fach ist, sagt Erik Stieler: „Der Aufschrei bei einer Standort-Schließung ist groß.“ Für viele sei die Nachricht, dass sich Renner aus Gärtringen zurückzieht, ein Schock gewesen, erzählt der Geschäftsführer. Das Personal bestehe zum Großteil eben aus langjährigen Mitarbeitern. Viele Tränen habe es gegeben und gebe es immer noch. Die Leute, sagt er, seien einfach traurig.
Umsätze sind in den letzten Jahren eingebrochen
Doch die Umsätze seien in den letzten Jahren derart eingebrochen, dass der Betrieb an zwei Standorten letztlich nicht mehr tragbar war, erklärt der Geschäftsführer. Ende Oktober 2026 soll der Umzug nach Meuselwitz komplett sein: Alle Maschinen sind dann in Gärtringen abgebaut. Dass die Produktion nach Meuselwitz verlegt wird, liege hauptsächlich daran, dass das Unternehmen dort mehr Fläche zur Verfügung habe.
Bereits 2019 war das Unternehmen Renner von dem weltberühmten Klavierhersteller Steinway & Sons übernommen worden. Das Jahr 2022 sei noch ein wirtschaftlich starkes Jahr gewesen, erklärt Erik Stieler. Dann jedoch brachen die Einnahmen ein. Viele unterschiedliche Gründe tragen zu der aktuellen Misere bei: Einerseits muss sich das Unternehmen gegen Billigware auf dem Markt durchsetzen. „Das macht uns schon das Leben schwer“, sagt der Geschäftsführer. Andererseits sei die Klavierbranche auch stark abhängig vom asiatischen Markt. Hier seien ebenfalls Abnehmer weggebrochen: Denn früher konnten chinesische Kinder über Klavierunterricht in ihrem Schulsystem Punkte sammeln – seit einigen Jahren jedoch wurden diese Regelungen gelockert. Die Folge: Die Nachfrage nach Klavieren sank in China in den letzten Jahren drastisch. Eine Entwicklung, die nun auch Gärtringen trifft. Bereits seit anderthalb Jahren herrsche im Betrieb Kurzarbeit, erklärt der Geschäftsführer. „Wir haben dieses Medium zu lange ausgereizt“, sagt er. Weil sich auch in nächster Zeit keine Erholung der Lage abzeichnet, folgt nun die Schließung des Stammsitzes in Gärtringen.
Das Firmengelände soll verkauft werden. Die Gemeinde habe gegenüber Renner bereits den Wunsch ausgedrückt, dort erneut Industrie anzusiedeln. „Wir versuchen natürlich, diesen Vorstellungen gerecht zu werden“, sagt Stieler.