Bürgermeister Steffen Weigel und seine Frau kamen aus dem Händeschütteln kaum raus. Foto: Andreas Kaier - Andreas Kaier

Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel aüßerte sich in seiner Neujahrsansprache, um sich gesellschaftskritisch. Zudem wagte er einen Vorausblick auf die Aufgaben des Jahres.

WendlingenRespekt, Angst, Hass – die Schlagworte, die Bürgermeister Steffen Weigel wählte, um seine Rede beim Neujahrsempfang am Montag zu strukturieren, unterschieden sich deutlich von denen aus dem vergangenen Jahr. Freude, Hoffnung und Liebe, die Anfang 2019 dominiert hatten, kamen überwiegend am Rande vor.

Weigel fand vor dem rund 600 Gästen des Empfangs deutliche Worte rund um Respekt, Klimaschutz und den zunehmenden Hass, der die Gesellschaft spalte. „Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft gefragt, woher dieser teilweise unbändige Hass kommt, den Teile unserer Bevölkerung immer wieder ergreift“, sagte Weigel. „Ich glaube, dass Angst ein wesentlicher Faktor ist der zu diesem Hass führt.“ Er nannte die Angst vor den Problemen der Welt, so Klimawandel und Flüchtlingsbewegungen, aber auch die sich verschlechternden Wirtschaftszahlen. Weigel übte Kritik an der Respektlosigkeit der Menschen im Umgang miteinander, mahnte zur Menschlichkeit in Zeiten, in denen Weltmachtsführer respektlose Äußerungen über Menschen anderer Herkunft machen. Auch die Art und Weise, wie manche die Klima-Aktivistin Greta Thunberg attackierten, kritisierte er scharf. „Wie schwach muss man sein, wenn einem angesichts des Protestes eines schwedischen Teenagers nichts anderes einfällt als diese mutige junge Frau zu verspotten, zu beschimpfen und sie mit Hasskommentaren zu belegen“, fragte Weigel zu tosendem Beifall der zahlreichen Gäste. Man müsse insgesamt den enorm verrohten Umgang untereinander abschaffen und die politische Diskussion wieder versachlichen, um Probleme lösen zu können. Weigel blickte neben seiner Betrachtung der Erfolge der Stadt – die Renaturierung des Egartgrabens als naturnaher Spielraum für Kinder oder die Fassaden- und Dachsanierung der Ludwig-Uhland-Schule für weniger als sechs Millionen Euro – auch auf Misserfolge des Jahres 2019 – zum Beispiel die mehrfache Verlängerung der Sperrung der Landesstraße 1250 oder die nicht erfolgreichen Schienenschmierung der S-Bahn-Schienen im Innenstadtbereich. Zudem informierte er über die Pläne für das neue Jahr – die EZ berichtete.

Diskussionen über möglichen Viertelstundentakt der Bahn

Unter den Gästen des Abends befanden sich neben Vertretern von Vereinen, Wirtschaft und Behörden auch die Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz (Grüne), Karl Zimmermann (CDU) und Andreas Kenner (SPD). Mit Schwarz hatte Weigel in seiner Rede noch ein öffentliches Hühnchen zu rupfen. Thema war der Viertelstundentakt, den Schwarz und der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (ebenfalls Grüne) kürzlich gefordert hatten. Der Wechsel vom Halbstunden- auf den Viertelstundentakt bereits vor Fertigstellung von Stuttgart 21 sei deshalb ein Thema, weil der ÖPNV beim Kampf gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle spiele. „Das ist unser wichtigster Beitrag zum Klimaschutz“, sagte Schwarz am Rande des Neujahrsempfangs. „Wenn wir es ernst nehmen, haben wir die Möglichkeit, eine Entlastung der Straßen, wie zum Beispiel der L 1200 von Wendlingen nach Ötlingen, zu schaffen und damit Lärm, Stickoxide und Emissionen einzusparen.“ Weigel hatte in seiner Reden einige Kritikpunkte vorzubringen. „Zum einen kann dieser Viertelstundentakt nur dann bis Wendlingen am Neckar geführt werden, wenn der Fernverkehr, der bis zur Fertigstellung des Stuttgarter Bahnhofs über die Güterzugeinschleifung auf die Neubaustrecke Richtung Ulm geleitet werden soll, dadurch nicht beeinträchtigt wird. Ob dann noch genügend Platz für eine viertelstündlich verkehrende S-Bahn bleibt, muss die Fahrplangestaltung zeigen“, sagte der Verwaltungschef. Ein weiteres Thema waren für ihn die Schließzeiten der Schranken. Hierzu hatte Andreas Schwarz einen Lösungsvorschlag. Dieser heißt ETCS, „European Train Control System, oder auch digitale Zugsteuerung“, erklärte Schwarz. Damit solle es möglich sein, dass die Schranken sich tatsächlich erst dann schließen, wenn ein Zug kommt. „Man muss das überprüfen, aber durch die verkürzten Schließzeiten wären die Schranken bei einem Viertelstundentakt vielleicht gar nicht länger geschlossen als jetzt“, so der Landtagsabgeordnete. „Wir streben eine Lösung an, die sowohl für die Wendlinger Bürger, als auch für den Klimaschutz vertretbar ist.“

Gegen Ende seiner Rede wurde Weigel wieder optimistischer. So zog er über die verschiedenen Tiere des Jahres – zum Beispiel den Maulwurf – Parallelen zu Themen, die die Stadt bewegen. Immerhin, so bemerkte er, sei der Maulwurf auch das tierische Symbol für sämtliche Bauarbeiten der Deutschen Bahn. Bevor Weigel die Zuhörer zu den Klängen des Ensembles Lauterblech der Musikschule Köngen-Wendlingen in einen geselligen Abend entließ, zeigte er noch den neuen Imagefilm der Stadt, dessen Vorführung mit viel Beifall bedacht wurde. Der Film ist inzwischen im Youtube-Kanal der Stadt zu sehen.

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