Ob „Schafferey für Kinder“, Eselreiten oder Schaukampf – beim Mittelalter-Spektakel in Göppingen ist für jeden etwas dabei. Alle, die in die Vergangenheit abtauchen wollen, können das im Stauferwald noch bis Sonntag tun.
Man staunt. Nicht über die Warteschlangen, sondern über die Gelassenheit der Besucher. Kaum hat man Stau und Schritttempo bis zum Parkplatz der Werfthalle hinter sich – die Security gibt die Strecke vor –, muss man vor dem Einlass warten, und vor den Essständen muss man sich sowieso in Geduld üben.
Hanno und Iris kommen aus Heidenheim und sind erstaunt, wie viel schon wieder los ist im Stauferpark. „Wer in die Vergangenheit reist, hat auch Zeit“, lautet ihr Credo. In der Tat sieht man niemanden, der es eilig hat. Die Menschen schlendern durch den Stauferwald, bleiben immer wieder stehen, unterhalten sich und schauen, welches Handwerk links und rechts des Weges lohnt, ein paar Minütchen zu verweilen. Übrigens, auf diesen Pfaden lässt es sich vorzüglich wandeln, grobe Hackschnitzel sorgen dafür, dass der Boden trocken und weich ist. „Gut, dass so viele Kinder da sind“, stellt Wulfen von Lochenstein mit Blick in das gut gefüllte Halbrund des Kampfplatzes zufrieden fest und schiebt nach: „Die können dann die Einzelteile der Ritter aufheben und gegen ein Pfand beim Fleischhalter abgeben.“ Klar, dass das ein Scherz ist.
Die Wortwechsel beim Kampf sind martialisch
Wulfen von Lochenstein ist der Hauptmann der „Leitwölfe“, die vor der großen Bühne für „blitzende Klingen“ beim Schwertkampf sorgen. Anschaulich erzählt er dem Publikum, wie beim Kampf vorgegangen wird. „Die Trefferzone ist vom Knie aufwärts, manche stechen, das machen wir nicht“, erklärt er die Regeln. „Der Kopf ist tabu und wir brechen rechtzeitig ab.“
Dann wird’s ernst. „Ahhh, mir fehlt ein Bein“, ruft der eine und der andere: „Hat jemand ein zweites Schwert für mich?“ So spannend der Schaukampf – es sind echte Klingen –, so lustig der Wortwechsel.
Bedeutend sanfter geht es bei Astrid Hoy am Spinnrad zu. „Das ist hier mein fünfter Markt“, verrät die aus Kaiserbach stammende Inhaberin von Sheep Finest, die Spinnen als angenehme, produktive Art zu entspannen sieht, „das hat fast schon etwas Meditatives.“ Voll des Lobes ist sie über die Organisation: „Unkompliziert, simpel gehalten, es gibt Musik und die Atmosphäre passt.“
Farbige Illustrationen waren etwas für reiche Menschen
Einige Stände weiter bringt Thomas Carl aus Friedrichshafen den Besuchern Gutenbergs Buchdruckkunst näher. Ein Buch mit 1286 handgeschriebenen und dann gedruckten Seiten in schwarz-weiß kostete damals 40 Gulden, berichtet er und betont: „Das wären heute etwa 25 000 bis 30 000 Euro, allerdings ohne Zeichnungen.“ Farbige Illustrationen konnten sich seinerzeit nur die Reichen leisten. Er zeigt den Winkelhaken, mit dem der Schriftsetzer die Zeilen- und Spaltenbreite spiegelverkehrt, auf den Kopf gestellt, vorwärts und rückwärts für die Bleisatz-Lettern beim sogenannten Hochdruck einstellen konnte: „Bis 1980 war das ein edles Handwerk“, sagt Thomas Carl.
Inzwischen ist es auf dem Markt recht voll geworden, eine Familie kommt gar aus Nürnberg hierher: „Vogt, Vögtin, Vögtlein, wir sind seit zehn Jahren im Mittelalter aktiv“, stellt Burgvogt Ralf seine Ehefrau Ella und Tochter Alina vor. Während sich die fünfjährige Leonie ein Einhorn auf die Hand malen lässt, zieht Nico einen Ritterhelm auf. „Eingeschränkte Sicht und ganz schön schwer“, sagt er über die fast sieben Kilo schwere Kopfbedeckung aus dem Lager „Rittervolk von Trochtelingen“.
Der Markt ist am Samstag von 11 bis 23 Uhr, am Sonntag von 11 bis 19 Uhr zugänglich. Weitere Infos unter stauferspektakel.de