Der Fellbacher Stadttunnel ist seit Mitte Juli gesperrt – das hat Folgen für Fellbacher Unternehmen. Foto: Gottfried Stoppel/Michael Käfer

Der Ärger ist groß: Unternehmen haben herbe Einbußen wegen des gesperrten Fellbacher Stadttunnels. Inhaber schildern, was sie besonders belastet.

Auto an Auto, genervtes Hupen, Stop-and-Go: Zu den Stoßzeiten quält sich der Verkehr durch Fellbach. Die Sperrung des Stadttunnels bedeutet, dass täglich eine Blechkolonne mitten durch die Stadt rollt. Für die Fellbacher Betriebe bedeutet der Stau viel Zeitverlust und damit auch wirtschaftlichen Schaden.

Peter Eisemann vom gleichnamigen Autohaus macht seinem Ärger Luft: „Es ist eine Katastrophe“, sagt er. Seine Arbeit ist von der Sperrung schwer belastet. Vier- bis fünfmal am Tag müsse er von seinem Autohaus in der Bruckstraße zu seinem zweiten Betrieb, der Waschanlage in der Max-Planck-Straße, fahren. „Das mache ich inzwischen mit dem E-Roller oder dem Fahrrad“, sagt er, weil er sonst nicht durch den Verkehr komme. „Wenn ich schnell da drüben sein muss, schaffe ich das nur noch mit dem Fahrrad.“ Auch für Geschäftskunden, die beispielsweise mit zehn Fahrzeugen zu seiner Waschanlage kommen, bedeute der Stau Zeitverlust. „Der Faktor Zeit ist gnadenlos“, so Eisemann.

Auch die Nebenstraßen sind durch den vielen Verkehr belastet

Und da sein Autohaus in der Bruckstraße liege, befinde es sich zudem auch an einer Ausweichstrecke. „Die Straße verläuft parallel zur Hauptverkehrsachse, das nutzen natürlich viele“, sagt er. Wenn dann auf der Bruckstraße mit ihren vielen Schlaglöchern schwere Fahrzeuge rollen, „dann bebt das Haus“, schildert er. Nicht nur die Hauptachsen wie die Stuttgarter Straße seien verstopft. „Auch viele Nebenstraßen sind zusätzlich belastet“, macht er deutlich. Durch den Stadttunnel rollen im Normalfall rund 20 000 Fahrzeuge pro Tag.

Das Autohaus Eisemann liegt in der Fellbacher Bruckstraße. Foto: Eva Schäfer

Für den Kfz-Meister und Karosseriebauer-Meister sei es ein „Trauerspiel, dass von einer Stunde auf die andere ein Tunnel gesperrt wurde“. Solche Dinge wie ein Materialschaden würden sich doch ankündigen. Das lasse ihn ratlos zurück. Er verstehe nicht, wie es dazu kommen könne. „In meiner Waschanlage muss ich laufend Wartungsprotokolle verfassen. Metall rostet doch nicht von einer auf die andere Stunde. Das ist doch ein Langzeitprozess“, sagt er.

Man merkt, seine Nerven liegen blank. Auch, wenn es um die Perspektiven geht. „Es ist keiner informiert, wie es weitergeht, keiner weiß was.“ Nur, dass Ende August ein Gutachten komme. „Das ist doch haarsträubend“, lässt Eisemann seinen Dampf ab. Bei der Sperrung des Kappelbergtunnels seien die Daten klar gewesen. Aber hier beim Stadttunnel – Fehlanzeige. In dieser Woche sei die Verkehrsbelastung außerhalb der Stoßzeiten noch gegangen. „Viele sind jetzt im Urlaub“, sagt Eisemann. Doch die Ferien sind bald vorbei, dann sehe es ganz anders aus.

Der Stau aufgrund des gesperrten Stadttunnels bedeutet für verschiedenste Branchen einen Zeitverlust. Foto: Eva Schäfer

Wegen Sicherheitsmängeln hat Fellbach die zentrale Verkehr sachse durch die Stadtmitte seit Mitte Juli gesperrt. Entdeckt wurde die Korrosion an der Technik erst bei einer Routinekontrolle. Die Halterungen für die Beleuchtung und für die Lüftungsanlage seien demnach durch Rostfraß so angegriffen, dass Teile der Technik auf die Fahrbahn fallen könnten. Genau untersucht werde der Zustand der Tunnel-Technik von der Wartungsfirma frühestens Ende August, hieß es aus dem Rathaus. Erst dann könnten die Anlagen gesichert werden. Bei der beauftragten Fachfirma gebe es auch wegen der Urlaubszeit aktuell keine Kapazitäten.

Joachim (links) und Jacques Kurrle sind mit der Firma Mize Profis für die Ausstattung von Festen aller Art. Foto: Michael Käfer

Die Firma Mize ist ein zentraler Ausstatter des Stuttgarter Weindorfs

„Bei allem, was wir machen, sind wir unterwegs“, sagt Joachim Kurrle vom Betrieb Mize Mietzelte. „Jede Woche müssen über 30 Toilettenwagen bewegt werden“, nennt Kurrle ein Beispiel. Das 1996 gegründete Familienunternehmen verleiht Zelte jeglicher Größe inklusive des Mobiliars, Toilettenwagen und bietet den Service rund um den Auf- und Abbau. Dementsprechend viel ist zu transportieren, mit Anhängern und großen Lastwagen. Beim Stuttgarter Weindorf sei Mize ein zentraler Ausstatter. Das große Weinfest mit Tausenden von Besuchern wird in Stuttgart von 21. August bis zum 6. September gefeiert. Und genau jetzt sei die Verkehrssituation so belastend. „Alles ist verstopft, es ist eine Katastrophe“, sagt Kurrle. „Wir stehen und stehen und stehen.“

„Das wird auf dem Rücken der Steuerzahler ausgetragen“

Der gesperrte Stadttunnel bedeute für ihn jeden Tag eine enorme Belastung und Einbußen. „Mich lässt keiner rein, mit dem großen Lastwagen und dem Hänger“, schildert er tägliche Nervenproben beim Einfädeln in den dichten Verkehr. Der Zeitverlust sei enorm. Im schlimmsten Fall brauche man zwei Stunden, um nach Stuttgart zu kommen. Und die Mitarbeiter, die im Stau stehen, fehlten an anderer Stelle. Daher habe er Zeitarbeiter einsetzen müssen, um den höheren Personalaufwand zu stemmen. „Das kostet richtig viel Geld und viele Nerven. Da macht sich keiner Gedanken, was wir als mittelständischer Betrieb in der Lage ertragen müssen“, macht Kurrle deutlich. „Das wird nun auf dem Rücken der Steuerzahler ausgetragen.“ Es stelle sich auch die Frage, warum keine provisorische Lösung für die Defekte bei den Halterungen für die Beleuchtung im Stadttunnel gefunden werden könne.

Die Spitze des Eisbergs sei es gewesen, als obendrauf noch an zwei Wochenenden der Kappelbergtunnel geschlossen war und der S-Bahn-Verkehr mit Ersatzverkehr über Wochen wegen der Stammstreckensperrung ohnehin eingeschränkt sei. „Warum können solche gravierenden Dinge nicht besser abgesprochen werden?“, fragt Kurrle.