Die Ludwigsburger Familie Niemeyer hat während Corona ein innovatives Bauklötze-System entwickelt. Nun folgt ein Brettspiel. Wie die Idee entstand und was das Besondere daran ist.
Die Niemeyers aus Ludwigsburg sind auf den ersten Blick eine ganz normale Familie: Vater Guido und Mutter Sandra haben zwei Söhne: Marvin, 17 Jahre, und Fabian, 13 Jahre. Das Vierergespann hat es aber in sich. Denn während Corona entwickelten die Niemeyers ein besonderes Spielzeug.
„Die Idee kam von den Kindern. Wir Eltern haben es dann umgesetzt“, sagt Sandra Niemeyer. Während Corona waren die Niemeyers auf der Suche nach einem eher haptischen Spielerlebnis. „Die Kinder schauten die ganze Zeit auf einen Bildschirm, dem wollten wir etwas entgegensetzen“, erklärt die Mutter.
Dazu kam, dass die Söhne von herkömmlichen Bausteinsets zunehmend genervt waren. Unter anderem, weil die errichteten Gebilde abgebaut werden mussten, oder – schlimmer noch – ab einer gewissen Höhe in sich selbst zusammenfielen. So erdachten sich die vier die Lösung: Bausteine, die mittels Steckstiften zusammengehalten werden können.
Bauklötze sind vielseitig einsetzbar
Doch was kann man mit den Bauklötzen der Niemeyers alles bauen? Genau da liegt die Stärke des Systems, das sie Mount-Flix nennen. Die Klötze haben viele Löcher und mit den Steckstiften lassen sich deshalb fast unbegrenzt Bauwerke errichten. Meterlange Nachbauten der Golden-Gate-Bridge sind genauso möglich wie ein Parkhaus für Playmobil-Autos. „Der Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt werden“, sagt Sandra Niemeyer.
„Die Kinder waren froh, dass ihre Bauten nun nicht mehr abgebaut werden mussten und sie am nächsten Tag einfach weitermachen konnten“, sagt Sandra Niemeyer. Bauingenieur Guido sorgte für eine passende Umsetzung. Die Familie wählte den für Spielzeug zugelassenen Bio-Kunststoff WPC.
Bauklötze-Produktion im Kreis Ludwigsburg
Eine weitere Besonderheit bei Mount-Flix ist, dass die Bauklötze im Kreis Ludwigsburg produziert werden. Guido Niemeyer hatte sich für den Spritzguss der Teile viele Angebote eingeholt und sich schließlich für eine Firma aus der Region entschieden, auch weil dies den Abstimmungsprozess vereinfache.
Die Niemeyers verkaufen laut eigener Aussage jährlich 200 bis 300 Sets von Mount-Flix. Nach Anfängen im Homeoffice lagern sie ihre Produkte mittlerweile in einer Halle in Kornwestheim. Ein Set beinhaltet unter anderem 160 Steine, sowie Material zum Verbinden.
Neues Brettspiel hilft beim Lernen
Ging es bei der ersten Idee und auch den ersten Verkäufen seit 2022 zunächst allein ums kreative Bauen und Bespielen dieser Bauten – die Mount-Flix-Steine sind kompatibel mit anderen Spielzeugen – so haben Niemeyers nun eins obendrauf gesetzt.
Die Familie entwickelte ein Brettspiel, das auf dem großen Set basiert. Dabei geht es für zwei Spieler darum, wer schneller bauen kann. Mithilfe eines Würfels und einer Spielfläche wird bestimmt, wer wie bauen kann.
Spiel soll auch Kinder mit ADHS ansprechen
„Das Spiel richtet sich an alle ab dem Vorschulalter“, sagt Sandra Niemeyer. Es fordere die Kreativität und Fantasie beim Bauen, und gleichzeitig müssten kleine Rechenaufgaben durch das Würfeln und die sich daraus ergebenden Aufgaben gelöst werden. Sandra Niemeyer arbeitet als Coach mit Menschen mit ADHS und sieht in dem Spiel auch eine gute Möglichkeit, solche Kinder anzusprechen.
Alternativ kann das Spiel, das mit 33 Bauklötzen, kleinen Leitern, Steckstiften und magnetischen Gummimännchen daherkommt, auch einfach als Starterset in die Mount-Flix-Welt sehen. „Oft kam beim großen Set die Rückmeldung, ob es das auch in kleiner gibt. Darauf haben wir nun mit dem Spiel reagiert“, sagt Sandra Niemeyer.
Verabschiedet haben sich die Niemeyers auch vom ursprünglichen Material WPC. Sie sind auf recyclte Kunstkorken umgestiegen. Der mache die Bauklötze weniger starr, sei aber ebenfalls nachhaltig. Das Spiel wird derzeit noch direkt von der Familie über die Homepage vertrieben, eine Kooperation mit einem großen Spieleverlag ist aber das Ziel.