Die Schäden, die in Folge von Starkregen und Hochwasser entstehen können, sind immens. Sowohl Privathaushalte als auch Gemeinde und Städte haben das nicht alle auf dem Schirm.
Im Juli 2013 war Land unter im Freibad Rosental in Stuttgart-Vaihingen. In der Folge von Starkregen stieg der Sindelbach derart an, dass das Bad komplett überflutet wurde. Im vergangenen Jahr dann wieder: Im Frühjahr 2024 kam das Hochwasser zurück – wenn auch in weniger drastischem Ausmaß.
Der Professor Jörg Schiller steht an einem Wintermorgen vor dem Drehkreuz des Freibads Rosental. Der Hohenheimer Forscher beschäftigt sich mit der Frage, wie Kommunen auf mögliche Zerstörungen durch Unwetterkatastrophen eingestellt sind – und auf die Folgekosten. „Es ist klar, dass solche Ereignisse zunehmen werden“, sagt Schiller. „Und die Kosten steigen enorm.“ Konkret geht es um die erweiterte Elementarschadenversicherung.
In einer Studie im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft haben die Hohenheimer herausgefunden, dass eine Versicherungslücke besteht. Trotz steigender Risiken seien kommunale Gebäude oftmals nicht ausreichend abgesichert. „Viele Gemeinden verlassen sich im Ernstfall auf staatliche Hilfen, doch das ist riskant“, sagt Jörg Schiller. Viele Gemeinden, vor allem kleinere, würden sich überhaupt nicht groß fragen, wie sie im Fall der Fälle versichert seien.
Das sagt Stuttgart zur Versicherung
Für die Untersuchung haben die Hohenheimer Studienautoren 337 Kommunen in Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen befragt. Baden-Württemberg sticht im Vergleich mit einer höheren Versicherungsdichte positiv hervor, was historisch erklärbar ist. Hier gab es bis Anfang der 1990er Jahre eine Pflichtversicherung.
Die Stadt Stuttgart erklärt auf Nachfrage, sie verfüge für ihren „gesamten Gebäudebestand über eine erweiterte Elementarschadenversicherung“, so der Sprecher Sven Matis. „Da die Versicherung für alle städtischen Gebäude gemeinsam abgeschlossen wurde, findet innerhalb des Bestandes ein Risikoausgleich statt.“ So könnten auch Immobilien, die eher gefährdet seien, „zu wirtschaftlich vertretbaren Prämien versichert werden“.
Nun ist es freilich so, dass im Katastrophenfall ein Freibad wie das in Stuttgart-Vaihingen nicht zur kritischen Infrastruktur zählt. „Vielleicht ist es sogar von Vorteil, wenn das Freibad vollläuft und nicht Schulen“, sagt Schiller. Doch wenn es immer wieder durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen würde und damit hohe Kosten verursacht, werde sich die Stadt zwangsläufig irgendwann fragen müssen, ob das noch der richtige Ort sei.