Holger Frommann vor der Erkrankung. Foto: privat

Plochingen mobilisiert und will neue Stammzellenspender gewinnen. Die Erkrankung von Optikermeister Holger Frommann bewegt viele Menschen in der Stadt.

„Auf einmal war das Thema brutal nahe“, sagt Handball-Jugendleiter Moritz Tropper, der Frommanns Sohn Lino vom Sport kennt. Lino Frommann und seine Schwester Alicia hatten auf Social Media dazu aufgerufen, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Denn bei ihrem Vater Holger, 53 Jahre alt, wurde im Oktober Leukämie diagnostiziert. Er ist im Krankenhaus und muss sich einer Chemotherapie unterziehen, eine Stammzellenspende könnte sein Leben retten. Besonders anrührend ist, dass Frommann selbst vor drei Jahren seiner Frau eine Niere gespendet hat.

Moritz Tropper ging die Geschichte nicht mehr aus dem Kopf, anderen aus dem Handballteam ging es ähnlich. Nach Rücksprache mit der Abteilungsleitung beschlossen sie, eine Typisierungsaktion während des nächsten Handballsamstags zu organisieren. Auf Social Media warb unter anderem der TV Plochingen dafür mit den emotionalen Worten „Papa braucht Eure Hilfe. Unser Papa ist ein Held – und wir wollen ihn auf keinen Fall verlieren.“ Parallel zu den Spielen in der Plochinger Schafhausäckerhalle – es waren mehrere – konnte man von 14 bis 22 Uhr unkompliziert die Unterlagen ausfüllen und einen Wangenabstrich abgeben. „Wenn man reingekommen ist, konnte man das nicht übersehen“, sagt Tropper. Die Möglichkeit wurde rege genutzt, mehr als 150 Männer und Frauen registrierten sich vor Ort oder nahmen Typisierungsets mit, um es zu Hause zu tun – und nicht wenige waren enttäuscht, weil sie die Altersgrenze schon erreicht hatten.

Stadtmarketing will Frommann helfen

Klar ist: Jede Typisierungsaktion, die irgendwo auf der Welt stattfindet, erhöht die Chance aller an Blutkrebs Erkrankten auf eine passende Stammzellenspende – egal, ob vor Ort ein Treffer dabei ist oder nicht. Und „die Menschen reagieren einfach auf konkrete Fälle“, sagt Annette Krämer-Schmid, die Vorsitzende des Arbeitskreises Plochinger Vereine (AKPV). Das hat sie selbst erlebt, als beim AKPV gleich vier Mitgliedsvereine parallel anfragten, ob man etwas für Frommann tun könne.

Ebenso ist beim Stadtmarketing das Bedürfnis groß, den Geschäftsmann irgendwie zu unterstützen. Er und seine Familie sind in verschiedenen Vereinen aktiv oder Mitglied; auch als Sponsor ist er schon aufgetreten oder hat anderweitig unterstützt. „Da hat man immer ein offenes Ohr gefunden“, sagt Annette Krämer-Schmid. Folglich stellt der Dachverband zusammen mit dem Stadtmarketing eine zweite Typisierungsaktion in der Stadthalle Plochingen auf die Beine, für die Bürgermeister Frank Buß als Schirmherr gewonnen wurde.

Neue Typisierungsaktion in Plochingen

Am Freitag, 5. Dezember, von 10 bis 18.30 Uhr können alle, die noch nicht registriert sind, dies nachholen. Registrieren lassen können sich gesunde Menschen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren. Viele derjenigen, die das schon vor 15 oder 20 Jahren getan haben, erreichen mittlerweile die Altersgrenze für eine Stammzellenspende – umso wichtiger ist es, dass Jüngere nachkommen.

Auch die Typisierung zu Hause ist unkompliziert möglich: Über die Seite dkms.de oder den QR-Code auf den Aktionsplakaten kann man einige Daten eingeben und ein Registrierungsset bestellen. Mit den Wattestäbchen aus dem Set macht man einen Wangenabstrich und schickt ihn zurück. Die Gewebemerkmale werden analysiert und in die Datei aufgenommen.