Turbulente Zeiten: Die Stadtwerke brauchen finanzielle Unterstützung. Foto: dpa/Emily Wabitsch

Wegen explodierender Preise in der Baubranche kommt der Neubau des Hallenbads die Stadtwerke Weinstadt um mehr als ein Drittel teurer. Gibt es noch Spielräume für Einsparungen?

Endlich sollte das lang ersehnte neue Hallenbad in Weinstadt Wirklichkeit werden. Doch explodierende Preise in der Baubranche, die das beschlossene Budget sprengen, bedrohen das so vielversprechend gestartete Projekt. Dazu kommt, dass Bodenuntersuchungen ergeben haben, dass der Baugrund nicht so optimal ist wie durch die Bebauung benachbarter Grundstücke erwartet, was eine Tiefgründung oder Bodenverbesserung nötig macht. Nach der aktuellen Schätzung müssen daher für den Hallenbadbau vier Millionen mehr aufgebracht werden. Damit sind die Baukosten um 34,6 Prozent gestiegen.

Angespannte Finanzlage der Stadt

Ursprünglich rechnete man mit Baukosten von 11,5 Millionen Euro. Gemeinsam mit den zuständigen städtischen Fachämtern und externen Experten aus Hamburg hatten der Oberbürgermeister Michael Scharmann und der Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Meier ein Konzept ausgetüftelt, wie der Millionen-Neubau und der spätere Unterhalt des Bades trotz der zunehmend angespannten Finanzlage der Stadt und anderer dringender Großprojekte – wie etwa die Entwicklung der Schulstandorte und notwendige Sanierungs- und Umbaumaßnahmen – in diesem Zuge gestemmt werden können.

Im Herbst 2020 präsentierten sie das Konzept, dessen wesentlicher Kern die Auslagerung des Bäderbetriebs zu den Stadtwerken ist, der Öffentlichkeit. Corona zum Trotz und mit dem Glauben an wiederkehrende bessere Zeiten stieg man in die Planung ein, beteiligte die Bürgerschaft. Das nötige Eigenkapital von 3,5 Millionen Euro sollte großteils ein vom Bund zugesagter Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro einbringen.

Die Preisexplosion nun führt dazu, dass die Stadtwerke einen um 1,2 Millionen höheren Eigenanteil von 4,7 Millionen beisteuern müssen. Dafür brauchen sie allerdings die finanzielle Unterstützung der Stadt. Zumal auch das Zinsniveau auf zwei bis zweieinhalb Prozent gestiegen ist. „Damit umzugehen wird die größere Herausforderung sein“, sagte Maier. In der jüngsten Gemeinderatssitzung warb er um die Rückendeckung des Gemeinderates, die er auch mehrheitlich bekam. „Wir wollen dringend empfehlen, mit den bisherigen Planungen weiterzumachen und sie zu schärfen“, sagte der Stadtwerke-Geschäftsführer. Über Einsparungen könne man auch noch entscheiden, wenn es an die Umsetzung gehe – sprich: im Dezember, wenn der Baubeschluss anstehe. Möglich wäre etwa, das Schwimmbecken mit nur fünf statt sechs Bahnen zu bauen und die Kubatur des Gebäudes entsprechend zu reduzieren, erläuterte Maier. Im gleichen Maße müsste dabei allerdings auch das Lehrschwimmbecken verkleinert werden, wodurch die Wassergewöhnungstreppe für Kinderschwimmkurse wegfallen würde.

Becken mit Fliesen statt Edelstahl

Ansonsten gibt es angesichts der funktionalen Planung des Bades, die sich auf das Nötigste beschränkt, nicht viel mehr Spielräume für Einsparungen. „Es ist alles so, wie es sein muss, aber nicht darüber hinaus“, betonte Eshref Bajrami vom beauftragten Hamburger Architekturbüro Geising und Böker, der den aktuellen Entwurf dem Gemeinderat präsentierte. So sei das Gebäude nur dort unterkellert, wo es für technische Anlagen notwendig sei, und Glasfassaden gebe es nur so viel, wie Licht benötigt werde. Und der bis zu einer Tiefe von 1,8 Metern absenkbare Hubboden des Lehrschwimmbeckens lasse sich in oberster Position auch als Beckenabdeckung nutzen, um die Verdunstung zu reduzieren. Des Weiteren haben die Stadtwerke Weinstadt als Bauherrn sich wegen der gestiegenen Preise bereits für einen massiven Beckenausbau mit Fliesen statt Edelstahlbecken entschieden.

Alle weiteren noch möglichen Einsparungen würden die Nutzung einschränken, wie die von Maier vorgelegte Auflistung zeigt. So könnten ohne Sprunganlage etwa keine Schwimmabzeichen abgelegt und auch kein Rettungsschwimmer- und Trainerbescheinigungen erworben werden. Als ebenso wenig realistisch und sinnvoll bewertete Maier es, statt des Kinderplanschbeckens einen Trockenspielbereich zu installieren, den Selbstbedienungskiosk wegzulassen oder den Personalraum nicht – wie in der Bürgerbeteiligung vorgeschlagen – zum Mehrzweckraum für Veranstaltungen wie etwa Kindergeburtstage oder Erste-Hilfe-Kurse auszubauen.