Der Köngener Pumptrack wird vielen Generationen genutzt – ein ehrenamtliches Team hat ein Auge auf die viel frequentierte Freizeitanlage.
Der kleine Junge hat kein Pfand dabei – das würde er eigentlich benötigen, um den Roller inklusive Helm beim Köngener Pumptrack auszuleihen. Er schaut verzweifelt. Doch das ehrenamtliche Team, das den Verleih betreut, bestehend aus Jakob Kalesch, Lukas Holder, Lenn Ertinger und Diego Hauschild drückt ein Auge zu: Mit einem „Na, dann pass halt gut auf und bring die Sachen wieder“ flitzt der Junge stolz in Richtung Pumptrack.
Die vier Unterensinger sind Teil eines zehnköpfigen Teams, das sich um den Verleih und kleinere Reparaturen bei der im September 2023 fertiggestellten Freizeitanlage in Köngen kümmert. Da sie alle noch keine 18 Jahre alt sind, allerdings nur während der Öffnungszeiten des Jugendhauses Trafo im benachbarten Burgforum. Das hat versicherungsrechtliche Gründe, erläutert Trafo-Sozialarbeiter Charly Schwahr, der die Aktivitäten rund um den Pumptrack koordiniert. Es hat rund ein Jahr gedauert, bis sich das Team zusammengefunden hat. Kontakt gehalten wird per Whatsapp-Gruppe: Dort wird ausgemacht, wer wann da ist und Ausleihe sowie Werkstatt managt und natürlich werden auch Neuigkeiten ausgetauscht.
Kostenlose Ausleihe
„Wir haben uns im Laufe des vergangenen Sommers zusammengefunden“, sagt Hauschild. Sie waren zunächst selbst als Nutzer auf der Anlage unterwegs, jetzt kümmern sie sich mit viel Sorgfalt um den Betrieb. In den letzten Wochen war die Zeit allerdings knapp. „Wir machen momentan alle unseren Schulabschluss an der Realschule in Wendlingen und hatten mit den Prüfungen viel um die Ohren“, erklärt Holder. Das soll jetzt aber wieder besser werden – im Schnitt peilen die Jungs an, wieder drei bis vier Stunden an etwa zwei bis drei Tagen pro Woche dazu sein. Kostenlos ausgeliehen werden können neben BMX-Rädern und Dirtbikes auch Skateboards, Einräder sowie Schutzausrüstungen. Zudem sind Spielgeräte um die übrigen Flächen wie das Kleinspielfeld unterhalb des Pumptracks zu nutzen wie Bälle oder Indiaca, in den Werkstattregalen verstaut. Eine weitere Aufgabe des Teams ist, dafür zu sorgen, dass die jederzeit zugängliche Pflasterbox immer gefüllt ist.
Auch auf die Einhaltung der Helmpflicht auf der Anlage achten die Jungs. „Wir machen Fahrer ohne Helm darauf aufmerksam, dass das hier Pflicht ist“, erklärt Kalesch. Probleme gab es dabei eigentlich noch nie, schließlich können Helme ja auch ausgeliehen werden. Geht mal was an den Leih-Fahrzeugen kaputt, führen die Jungs kleinere Reparaturen selbst durch. „Das ist meistens kein großes Ding. Wir schrauben alle gerne rum und haben unsere eigenen Bikes immer schon selbst repariert“, sagt Holder.
Ansprechpartner im Trafo ist immer da
Das Quartett hat sich zuvor teils ehrenamtlich bereits am Dirt-Track in Unterensingen engagiert. „Jetzt haben wir ein Auge auf den Köngener Pumptrack“, sagt Kalesch. Die Jungs fühlen sich sichtlich wohl in Köngen. „Hier ist alles etwas entspannter. Zum Beispiel gibt es keine Randale und auch Vandalismus ist kein so große Problem wie etwa in Unterensingen“, begründet Ertinger. Auch dass immer ein Ansprechpartner im Trafo da ist, wird für gut befunden.
Am Drumherum gibt es ebenfalls nicht viel am Köngener Pumptrack auszusetzen: „Die Atmosphäre mit den Sonnenschirmen, Bänken und dem öffentlichen Trinkwasserbrunnen ist echt cool“, meint Hauschild. Dass sie sich während ihres Dienstes ein Freigetränk im Trafo holen können, findet ebenfalls große Zustimmung. Zudem werden die Jungs bei der Organisation mit ins Boot genommen. So gab es etwa eine Wunschliste, was noch nötig wäre, um den Holzschuppen mit der Werkstatt gemütlicher zu gestalten oder es galt zu sagen, welche Ersatzteile für die Fahrzeuge oft gebraucht werden um die Vorratshaltung auf Vordermann zu bringen. Obendrein sei die Werkstatt auch ein guter Rückzugsort, ergänzt Ertinger. „Wir haben alle Lust, hier was mitzugestalten. Es macht einfach Spaß hier zu sein“, fasst Kalesch zusammen.
Anziehungspunkt für Jung und Alt
Insgesamt habe sich der Pumptrack als Anziehungspunkt von jung bis alt etabliert, sagt Schwahr. Natürlich sei es mehr Arbeit für das Trafo-Team, aber man habe dadurch auch Zugang zu einem neuen Publikum gefunden. Neben vielen Köngenern, die die Anlage regelmäßig nutzen, kommen auch Sportler aus dem ganzen Großraum Stuttgart, um ihre Runden zu drehen. „Von halb vier bis sieben ist bei gutem Wetter immer eine Menge los“, sagt Schwahr. Aber auch davor sei der Pumptrack frequentiert – etwa von Müttern, die während ihre Kids mit dem Laufrad ihre Runden drehen, ein Schwätzchen halten. Selbst die benachbarte Burgschule habe die Anlage schon für den Sportunterricht genutzt. „Der Pumptrack ist eine runde Sache“, freut sich Schwahr.