Das war einmal: Die traditionelle Stadtranderholung auf dem Pfostenberg – hier 2016 – war für viele Kinder ein Höhepunkt in den Sommerferien. Foto: Andreas Kaier

Der Bruckenwasen soll neuer Standort für die Stadtranderholung in Plochingen werden. Den großen Bus als Jugendtreff auf dem Skaterplatz gibt es dagegen nicht mehr.

Seit Jahrzehnten fand die Stadtranderholung im Wald, auf dem und um das Gelände des FV Plochingen, statt. Drum war das Entsetzen groß, als Michael Burbach, der Leiter des Personal-Pools für Kinder- und Jugendförderung, im Frühjahr von diesem Standort Abstand nahm. Mangelhafte sanitäre Einrichtungen, die Anfahrt mit dem Bus und dennoch lange Fußwege – das waren Argumente, die er auch jetzt, beim Rückblick im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, als Minuspunkte des traditionellen Standorts anführte. Diese Probleme hatte man dieses Jahr beim Ferienprogramm in der Innenstadt nicht: Sowohl die Stadthalle mit ihrer Küche als auch das Jugendzentrum wurden genutzt, die Kinder konnten zu Fuß kommen. Teilweise waren auch nicht angemeldete Kinder da, woran den Sozialarbeitern durchaus gelegen ist. 100 Teilnehmer könne man an diesem Standort gut versorgen, meinte Burbach, auch einen „Grundstock an Freiwilligen“ habe man jetzt wieder beisammen.

Am Standort in der Stadtmitte fehlt das Naturerlebnis

Jedoch fehlen in der Stadtmitte das Grün und die Natur. Und sie sei überzeugt, dass Kinder in den Ferien eine andere Umgebung erleben sollten als im Alltag, sagte Bettina Straub (CDU): „Das ist hier nicht der Fall.“ Burbach brachte als Alternative den Bruckenwasen ins Spiel, mit seiner Nähe zum Umweltzentrum, zum Wasser, aber auch dem Wald am Plochinger Kopf. Er wäre der Favorit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das scheint ein guter Kompromiss: Die SPD hänge zwar „ein bisschen am Pfostenberg“, sagte Thomas Fischle, könnte sich das aber vorstellen – am liebsten mit einem thematisch ausgerichteten Programm wie „Leben am Wasser“. „Ohne den nostalgisch verklärten Blick“ werde deutlich, dass der Pfostenberg nicht mehr ganz in die Zeit passe, meinte Silvia Ergin (OGL). Jetzt hat das Team der Kinder- und Jugendförderung den Auftrag, ein Konzept für den Bruckenwasen zu stricken, das noch in diesem Jahr mit dem Gemeinderat abgestimmt werden soll. Denn die Werbung und die Anmeldung fürs Ferienprogramm sollen im kommenden Jahr zeitiger beginnen als 2022, das war den Ausschussmitgliedern wichtig. Fest steht bereits, dass die Ehrenamtlichen in Zukunft wie in diesem Jahr 50 Euro pro Tag erhalten sollen. Das ist an die allgemeine Ehrenamtspauschale in Plochingen angelehnt und aus Burbachs Sicht das Mindeste.

An dem Bus sind die Scheiben eingeworfen worden

Der Personalpool-Leiter berichtete auch vom aktuellen Stand weiterer Projekte: Der Bus als Treffpunkt für Jugendliche auf dem Skaterplatz ist Vergangenheit. Er war vor Corona mit einigem Aufwand vom Bodensee nach Plochingen gekarrt worden und Jugendliche hatten begonnen, ihn auszubauen. Die Aktion sei zwar gut angelaufen, aber von Corona ausgebremst worden, so Burbach. Um Pfingsten dieses Jahres seien dann im Zuge „eines ausgeprägten Vandalismus“ die Scheiben eingeworfen worden, deren Ersatz sehr teuer gekommen wäre. Folglich hat man den Bus bereits abtransportiert und verschrottet, denn Platzprobleme kommen noch dazu. Die Jugendlichen haben selbst eine neue Skaterrampe aus Holz gebaut. Die kam zwar nicht durch den TÜV, aber dank einer öffentlichen Förderung kann nun eine professionelle Rampe angeschafft werden. Wenn diese einmal steht, bringe man den Bus nicht mehr vom Platz, so Burbach. Ordnungsamtsleiter Uwe Bürk sieht die Entwicklung gelassen: Der Bus sei ein Projekt gewesen, und „ein Projekt ist immer zeitlich begrenzt“.

Schwerer Abschied von einer langen Tradition

Ausgangslage
  Für Generationen von Plochingern war die Stadtranderholung auf dem Pfostenberg fester Bestandteil der Sommerferien. Sie war immer auch ein Ort der Integration. „Schon 1947 waren die damaligen ,Flüchtlingskinder‘ auf dem Pfostenberg bei den Ferienangeboten dabei“ – damals noch unter der Regie der AWO, heißt es auf der Homepage der Plochinger SPD.

Entwicklung
 Nach coronabedingter Zwangspause gingen im Frühjahr die Wogen hoch, als Michael Burbach vom Personalpool für Kinder- und Jugendförderung das Sommerferienprogramm 2022 in der Stadtmitte starten wollte.  Vorwürfe wurden laut, dass das Team den Pfostenberg nicht möge, Ehrenamtliche gar abgeschreckt habe. Burbach verwies indessen auf diverse Nachteile des Standorts.