Schon jetzt sind Baufahrzeuge an der ehemaligen Leonberger Hauptpost im Einsatz. Foto: Simon Granville

Vom Postareal bis zur Poststraße: Wie sich die Leonberger Kernstadt weiterentwickelt, ist nur in Ansätzen erkennbar. Ein Überblick

Der erste Monat des neuen Jahrs ist fast zur Hälfte vorbei. Doch ein Projekt, das um den Jahreswechsel hätte besiegelt werden sollen, harrt weiterhin des finalen Vertragsabschlusses: das Postareal. Die von der Lage her hochkarätige Fläche im Leonberger Zentrum ist nur eines von vielen Vorhaben, über die seit langem gesprochen wird, die Umsetzung aber dauert. Ein Überblick.

Das Postareal

Die Aufnahme als Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA 27) sollte das Sahnehäubchen sein: Dort wo jetzt die Gebäude der einstigen Hauptpost vor sich hin rotten, ist ein modernes Viertel mit Wohnungen und Geschäften geplant. Damit soll endlich nach mehr als 15 Jahren Diskussionen die hässliche Lücke zwischen der Altstadt und dem Leo-Center geschlossen werden.

Für die renommierten IBA-Planer, die besondere städtebauliche Vorhaben in der Region sozusagen veredeln wollen, ist die Planung fürs Postareal durchaus vorzeigefähig. Doch den Architekten um den Züricher IBA-Intendanten Andreas Hofer schwebt ein ökologisch ausgerichtetes Quartier vor. Entsprechend wünschen sich die IBA-Leute einen sogenannten Stellplatzschlüssel von 0,8. Anders gesagt: Nicht jede Wohnung hat einen eigenen Parkplatz. Eine bis dato geplante Tiefgarage sei ökologisch nicht sinnvoll.

Doch genau das hat im Gemeinderat zu Unmut geführt: Leonberg sei nun einmal nicht München oder Berlin. Autos im Zentrum seien nach wie vor unvermeidbar, meinen selbst die Grünen. Ob es nun statt einer Tiefgarage einen naheliegenden Parkplatz gibt, wie von den Freien Wählern vorgeschlagen, ist offen. Die Unterzeichnung eines städtebaulichen Vertrages zwischen Leonberg und dem Investor Strabag, für spätestens Januar angekündigt, ist bisher nicht erfolgt. Immerhin: Die Abrissarbeiten für das alte Postgebäude sind ausgeschrieben.

Die alte Schuhfabrik beheimatet derzeit noch mehrere Ateliers. Foto: Simon Granville

Die alte Schuhfabrik

Direkt neben dem Postareal liegt die alte Schuhfabrik. Im historischen Gemäuer, in dem bis 1977 tatsächlich Schuhe hergestellt wurden, haben seit vielen Jahren Künstler ihre Ateliers. Doch das mehr als 125 Jahre alte Gebäude ist in einem schlechten Zustand, die Heizung ist völlig hinüber. Eine Mehrheit im Gemeinderat würde die zentral gelegene Fläche lieber für Wohnungsbau nutzen, im Gespräch ist auch eine Kombi-Lösung mit Wohnen und Kultur. Doch dafür einen Investor zu finden, ist ein schweres Unterfangen.

Im vergangenen Herbst gab es Überlegungen, das Theater im Spitalhof in die Schuhfabrik zu verlegen: allein schon angesichts der dortigen maroden Bausubstanz ein aussichtsloses Unterfangen. Die Künstler haben ihren Kampf um ihre dortigen Ateliers zwar noch nicht aufgegeben. Aber dass die Schuhfabrik tatsächlich zu einer „Kulturfabrik“ wird, so wie es sich die Grünen wünschen, scheint Anfang 2024 schon aus finanziellen Erwägungen als unwahrscheinlich.

Die Stadthalle

Besser stehen die Chancen für eine Sanierung der Stadthalle. Nach außen macht die „gute Stube Leonbergs“ einen passablen Eindruck, auch das Foyer wirkt einladend. Doch die Toiletten neben dem großen Saal und die Künstlergarderoben sind in keinem guten Zustand und müssen dringend aufgefrischt werden – um dann später sukzessive das ganze Haus zu verbessern und womöglich mit einem Anbau zu erweitern.

Bis vor anderthalb Jahren war eine größere Sanierung immer wieder mit dem Hinweis auf einen möglichen Neubau verschoben worden. Dem damaligen Hallenmanager Nils Strassburg schwebte ein Kulturtempel vor, der es mit größeren Hallen in der Region aufnehmen könnte. Ein Vision, die auch dem Oberbürgermeister gefallen hatte.

Der Neuköllner Platz im Zentrum Foto: Jürgen Bach

Hoher Verlust bei Leonpalooza

Doch im Sommergespräch 2022 mit unserer Zeitung vollzog Martin Georg Cohn die Kehrtwende: Leonberg könne es sich nicht erlauben, während einer bis zu fünfjährigen Neubauphase auf eine Stadthalle zu verzichten, erklärte der OB. Das Großprojekt sei zudem wirtschaftlich nicht darstellbar.

Nun soll eine Sanierung im Sommer also losgehen. Damit wurde unter anderem auch die Absage des Festivals Leonpalooza begründet, das in den vergangenen vier Jahren auf dem Vorplatz der Stadthalle kulturelle Glanzpunkte geboten hatte. Hauptgrund für die Festivalpause dürfte allerdings das große Defizit des vergangenen Jahres gewesen sein. Miese von weit mehr als 250 000 Euro lasten auf dem Stadtsäckel – zu viel für eine chronisch klamme Kommune.

Der Andrang bei Leonpalooza war nicht immer groß. Foto: Jürgen Bach

Umso wichtiger ist es, dass die Stadthalle schnell baulich aufgewertet wird und damit wieder attraktiver für Kulturveranstalter und Unternehmen wird. Auf das zukünftige Hallenmanagement wartet viel Arbeit.

Die Stadt für morgen

Losgelöst von diesen Einzelprojekten steht die Entwicklung des kompletten Leonberger Zentrums unter dem Slogan „Stadt für morgen“. Den Leitspruch hat der Oberbürgermeister selbst definiert und will damit das anstoßen, was heute in Planungskreisen gängig ist: Autogerechte Innenstädte sind passé, stattdessen ist mehr Grün, mehr Platz für Fußgänger und Radler angesagt.

Es gibt konkrete Überlegungen, die Brennerstraße und die Eltinger Straße, beide auf weiten Teilen vierspurig, auf jeweils zwei Spuren zu reduzieren. Eine Testphase hat 2022 ergeben, dass der Verkehr deswegen nicht zusammenbrechen würde. Doch so lange nicht klar ist, was letztlich am Postareal passiert, lassen sich die Verkehrsachsen nur schwerlich planen.

Keine Fußgängerzone am Neuköllner Platz

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Verkehrsknoten Neuköllner Platz nicht zur kompletten Fußgängerzone wird, so wie es die Grünen im Sommergespräch mit unserer Zeitung erwogen haben. Kritiker sehen die Gefahr, dass sämtliche Nebenstraßen vollgestopft werden, wenn der Platz vor dem Leo-Center als Drehscheibe wegfällt.

Natürlich spielt Geld eine große Rolle: Der Gemeinderat hat dem Gesamtvorhaben mit einem Volumen von 15 Millionen Euro nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass mindestens die Hälfte aus Zuschüssen fließt. Das Team vom„Referat für innovative Mobilität“, das nicht im Planungsamt, sondern direkt beim OB angesiedelt ist, hat zahlreiche Förderanträge gestellt und ist optimistisch, dass das Geld fließt – teilweise höher als beantragt.

Für die Neugestaltung der Poststraße gab es indes während der Haushaltsberatungen kurz vor Weihnachten einen Rückschlag. Dort, an der Ecke zur Römerstraße, hat Bosch ein futuristisches Gebäude errichtet, in dem Fahrassistenzsysteme entwickelt werden. Doch ein weiteres Gebäude auf der anderen Straßenseite hat der Elektronikkonzern aus Kostengründen gestrichen. Dort klafft seither eine Baugrube, die neuerdings durch eine Stellwand verdeckt ist.

Auf jeden Fall, so sagt eine Mehrheit im Gemeinderat, haben die Bosch-Pläne nicht mehr den Campus-Charakter, der einst dort vorgesehen war. Deshalb würde auch die Umgestaltung der Poststraße zu einer „Shared Space“-Zone, in der alle gleichberechtigt sind, keinen Sinn mehr machen. Ende November hatte die Stadt angekündigt, mit den Straßenarbeiten im Frühjahr zu beginnen. Das scheint jetzt eher unwahrscheinlich.