Gari Pavkovic – prominentes „Gesicht“ beim Thema Integration in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Als Integrationsbeauftragter hat Gari Pavkovic ein Konzept für ein „weltoffenes Stuttgart“ mitentwickelt. Die aktuelle „Stadtbild“-Debatte sieht er mit Befremden.

24 Jahre lang war Gari Pavkovic Integrationsbeauftragter der Stadt Stuttgart und hat die Integrationspolitik in der Landeshauptstadt in dieser Zeit mitgeprägt. Die seit Tagen anhaltende „Stadtbild“-Debatte, die sich an Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entzündet hat, veranlasst ihn, der als Zehnjähriger aus Mostar in Bosnien-Herzegowina nach Stuttgart gekommen war, persönlich Stellung zu nehmen.

Die Äußerungen des Kanzlers über das „Problem im Stadtbild“ nennt er „diffus“. „Merz hätte explizit sagen können, dass es ihm um die Begrenzung von Asylsuchenden und die Rückführung von Geflüchteten ohne Aufenthaltsperspektive und Beschäftigung geht, die im Stadtbild durch Fehlverhalten negativ auffallen“, erklärt Pavkovic. Er sei jedoch bewusst vage geblieben: „Aus der Brandmauer zur AfD wird durch solche Äußerungen ein gemeinsames Zündeln gegen die weltoffene und plurale Gesellschaft. Davon profitiert vor allem die Alternativpartei zur Demokratie in Deutschland.“

Pavkovic: Politiker sollen vorleben, was sie von anderen einfordern

Pavkovic, der seit Anfang des Jahres im Ruhestand ist, sich jedoch weiter für Integrationsbelange in Stuttgart engagiert und sich nachdrücklich für ein „Haus der Kulturen“ einsetzt, kritisiert auch die nachträglich erfolgte „Klarstellung“ des Kanzlers, in der dieser betont habe, dass leistungsbereite Migranten willkommen seien. „Migrantinnen und Migranten sind aber auch in Autokratien wie Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten oder in Russland willkommen, um als billige Arbeitskräfte die Jobs zu machen, die sonst niemand mehr machen will“, sagte Pavkovic.

Gleichzeitig betonte er: „Eingewanderte und ihre Nachkommen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, wollen im Einklang mit dem Grundgesetz mit Würde und mit gleichen Rechten behandelt werden. Der staatliche Schutz der Menschenwürde gilt auch für Geflüchtete.“ Repräsentanten der demokratischen Mitte sollten nicht nur Integration fördern, „sondern auch Integrität zeigen, also die Werte, Prinzipien und Umgangsformen vorleben, die sie von den anderen einfordern. Das wäre demokratische Leitkultur und der notwendige Gegenpol zum spaltenden völkischen Populismus.“