Am Donnerstag haben die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) eine 700 Meter lange Netzerweiterung und eine neue Haltestelle eröffnet. Die Linie U 5 fährt nun in Leinfelden bis zum Neuen Markt. Der nächste Ausbauschritt wird auf sich warten lassen.
Der Fortschritt ist eine Schnecke: nach mehr als zwei Jahren Bauzeit haben die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) rund 700 Meter neue Strecke und eine zusätzliche Haltestelle in Betrieb genommen. Ungeachtet des zähen Ausbaus war die Freude in Leinfelden-Echterdingen groß – auch weil man in der Kommune im Landkreis Esslingen die Erweiterung des Stadtbahnnetzes von der Haltestelle Bahnhof zur Haltestelle Neuer Markt nur als Zwischenschritt betrachtet. Langfristig sollen die gelben SSB-Wagen wieder bis Echterdingen fahren. Die Strecke dorthin – zuletzt von der Straßenbahnlinie 6 bedient – wurde 1990 stillgelegt.
Sonderzug eröffnet neue Strecke
„Es sind zwar nur ein paar Hundert Meter, aber für den Nahverkehr ist es ein wichtiger Schritt“, sagte SSB-Chef Thomas Moser am neuen Bahnsteig, nachdem er und zahlreiche geladene Gäste mit einem Sonderzug von der Möhringer SSB-Zentrale nach Leinfelden herübergefahren waren. Es gehe darum, „die Erschließung des Filderraums für den ÖPNV weiter gemeinsam voranzutreiben“.
Eine Botschaft, die Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Otto Ruppaner nur zu gern vernahm. Mit Blick auf den Wiederanschluss Echterdingens an die SSB-Schiene sagte er nur: „Schauen wir mal, wie lange das dauert“. Am Rande der Veranstaltung machte die Jahreszahl 2032 für das Projekt die Runde. In Leinfelden wächst derweil in unmittelbarer Umgebung des neuen Endhalts ein Wohngebiet mit 200 neuen Wohnungen in den Himmel. Ergänzt wird das Vorhaben durch neue Gewerbeflächen. Esslingens Landrat Marcel Musolf erinnerte an die Prognose, dass die Haltestelle täglich von 1300 Fahrgästen genutzt werde. An der örtlichen Unterstützung soll es nicht scheitern. Das benachbarte Unternehmen Euchner hat sich die Namensrechte am neuen Endhalt gesichert.
Alles eine Frage des Geldes
Berthold Frieß, Amtschef im baden-württembergischen Verkehrsministerium, sah sich genötigt – bei aller bekundeten Freude über die Streckenverlängerung – „etwas Erwartungsmanagement zu betreiben“. Es zeichne sich ab, dass es in Zukunft fertig geplante Projekte gebe, es aber an der Finanzierung hapere. Gleichzeitig wollte der Ministerialdirektor aber keinesfalls die Planungsbemühungen ausbremsen. Denn nur wer fertige Pläne habe, wenn die öffentlichen Kassen wieder gefüllter sind, könne schnell mit dem Bauen beginnen.
Apropos Geld: Über die Kosten des neuen Abschnitts haben sich die SSB-Verantwortlichen bei der Inbetriebnahme ausgeschwiegen. 2018 hatte das Verkehrsunternehmen die stolze Summe von rund zehn Millionen Euro genannt – eine Preisangabe, die überholt sein dürfte. Bei der Eröffnung bezifferte Berthold Frieß den Zuschuss des Landes auf neun Millionen Euro, der Landkreis Esslingen hat rund 1,7 Millionen Euro beigesteuert. Zum Vergleich: die rund 1,1 Kilometer lange Strecke nach Dürrlewang schlug bei ihrer Eröffnung im Jahr 2016 mit rund 25 Millionen Euro zu Buche.
Was weitere Neueröffnungen angeht, zeichnet sich nun für die vor allem in den 90er und Nullerjahren beim Ausbau sehr engagierte SSB eine Durststrecke ab. Frühestens 2027 soll eine neue Strecke in den Stuttgarter Stadtteil Hausen eröffnet werden, die wohl erst Anfang des kommenden Jahrzehnts über die Stadtgrenze hinweg bis Ditzingen erweitert wird.