Auf dem Plochinger Friedhof sollen unter anderem zwölf Birken gefällt werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko werden könnten. Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Zwar betont die Stadt Plochingen, dass man keinen Kahlschlag betreibe. Allerdings fallen demnächst schon recht viele Bäume auf einmal. Entweder wegen des Eichenprozessionsspinners oder der Standfestigkeit.

PlochingenDer Eichenprozessionsspinner, genauer seine Raupen, sind ein besonders unangenehmer Schädling. Sie können Hautausschläge, Atembeschwerden oder auch Augenprobleme hervorrufen. Zwar kann man mit Spritzmitteln gegen die Raupen vorgehen, doch das ist im Umfeld von Kindergärten nicht erwünscht. In Plochingen sollen deshalb gut 20 Eichen im Bereich des Kinderhauses Beethovenstraße weichen.

Es handle sich um Jungbäume, die Teile von Gehölzgruppen seien, betonte der Umweltreferent der Stadt, Dietrich Wagner. Also nicht um stattliche Solitärbäume – da wäre die Hemmschwelle zu fällen noch höher. Insgesamt rund 20 Exemplare sollen fallen, damit sich nicht wiederholt, was im Juni vorgefallen ist: Fünf Kinder im Kinderhaus hätten wegen eines Hautausschlags und Pusteln von den Eltern abgeholt werden müssen, berichtete Ortsbaumeister Wolfgang Kissling jüngst in der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Technik und Umwelt.

Verursacht werden die gesundheitlichen Probleme durch die Brennhärchen der Raupen, die oft auch durch die Luft getragen werden. Die Stadt hat deshalb eine Spezialfirma beauftragt, die mit großem Aufwand die Schädlinge beseitigte. Ihre Mitarbeiter benetzten die Gespinstnester der Prozessionsspinnerraupen zunächst mit einem Sprühkleber und sammelten sie dann ab. 120 Nester seien es gewesen, berichtete Kissling. Weiterhin seien 40 Kubikmeter Sand und 20 Kubikmeter Fallschutzmaterial ausgetauscht worden. Das alles kostete mehrere Tausend Euro.

Aber muss man deshalb gleich Bäume fällen? Es gehe „um die Sicherheit der Kinder“, sagte Bürgermeister Frank Buß in der Ausschusssitzung. Zwar könne man auch gegen die Prozessionsspinnerraupen spritzen, bestätigt Dietrich Wagner, mit durchaus umweltverträglichen Mittel. Das tue man an anderen Stellen, aber im Umfeld von Kindertagesstätten sei das Spritzen generell problematisch. Er betont, dass man keinen Kahlschlag betreibe, zumal die Bäume ja in gemischten Gehölzen stünden. Man gehe davon aus, dass in ein paar Jahren keine Lücken mehr zwischen Ahornen und Buchen zu sehen seien.

Vor Ort kann man eine Handvoll Eichen direkt an der Spielfläche des Kinderhauses ausmachen. Die größte davon ist geschätzt 15 Meter hoch, hat also vermutlich schon Jahrzehnte auf dem Buckel. Weitere Eichen direkt am Kindergarten sind von außen nicht sichtbar. Vielleicht verstecken sie sich in benachbarten Gehölzen, bei denen vor allem der jämmerliche Zustand einiger Kastanien auffällt. Gerade Eichen gelten als relativ wärmeresistent.

Wagner kündigte weitere Baumfällungen an, die auf den Rat der von der Stadt beauftragten Baumgutachter zurückgehen. Sie überprüfen die Bäume in der Stadt regelmäßig auf Stand- und Bruchsicherheit. Im Bereich des Stadtfriedhofs wurden zwölf Birken, vier Buchen und zwei Linden als nicht mehr sicher eingestuft. In der Esslinger Straße sind es insgesamt ein Dutzend Bäume, darunter Eschen und Robinien. Sie hätten in der Regel „ihr Lebensalter erreicht“, ein Baum habe einen „Anfahrschaden“, so Wagner. Über diese Bereiche hinaus stehen nach Angaben von Wagner noch einzelne Bäume in anderen Straßen auf der Fäll-Liste.

Einen Baum wollen die Ausschussmitglieder Parkplätzen zuliebe opfern: Dabei geht es um die Stuifenstraße, wo Anwohner schon seit Monaten über Parkplatznot klagen. Auf einer Grünfläche könnten bis zu sechs Stellplätze entstehen, wofür einer bis zwei Bäume weichen müssten. Selbst wenn man einen stehen lasse, werde seine Rest-Lebenszeit durch unter ihm parkende Autos wahrscheinlich verkürzt, meinte Wagner. Der Ausschuss sprach sich trotzdem für diese Variante aus. Für den geopferten Baum solle man an anderer Stelle „fünf Ersatzbäume pflanzen“, meinte Stadtrat Stefan Kirchner (OGL) und Thomas Fischle von der SPD malte sich eine Allee zwischen dem Café Morlock und dem Sportplatz aus.

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